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Der Israelit · 1868-06-10 · Heft 24 (10.6.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 24 (10.6.1868)
Date
1868-06-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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460 daß der Weg, den zu gehen er vorhatte, seit einiger Zeit von Räubern umlagert sei, die den Reisenden auflauern. Von Furcht ergriffen, gab er seinem Wirthe Alles, waS er von Werth bei sich hatte, zur Aufbewahrung — denn die Leute sind ehrliche Leute — und nahm nur das Nöthigste auf seiner Reise mit. Nachdem er sein Geschäft ohne irgend einen Unfall glücklich vollendet, kehrte er zurück und ging in das Haus des alten Mannes, um sein Vermögen wieder in Empfang zu nehmen, traf ihn aber nicht. Auf seine Erkundigung nach demselben, sagte man ihm, daß der Alte geschieden sei, daß er sich eben heute in die Hölle gestürzt habe. — „Und wo ist mein Gut, was ich ihm aufzuheben gab?" frug der Mann. — „Wir wissen es nicht," antwortete man ihm. — Da fing der Judaer an, über den Verlust seines Vermögens zu jammern. — „Sei ohne Sorge!" sagte man zu ihm. „Verweile bei uns nur drei Tage; denn am dritten Tage kommt er wieder und gibt Dir das Deine zurück. Es geschieht stets so, daß jeder, der sich in die Hölle stürzt, am dritten Tage nach seinem Hause zurückkehrt und sein Haus bestellt." — Der Iudäer mußte ihnen Glauben schenken, obgleich er es nicht begriff; denn die Leute lügen niemals. Am dritten Tag kam in der That jemand in Gestalt und Aussehen des alten Mannes nach dessen Haus und traf für Weib und Kinder seine Anordnung , wie es mit dem hinterlassenen Eigenthum gehalten werden soll. — „Und mein Eigenthum, das ich Dir anvertraut," sprach der Judaer zu ihm, „wo ist es?" — Der Alte holte es herbei und gab es ihm. — „Und kommst Du," frug ihn der Judaer, „in Wahrheit aus der Hölle?" — „Freilich!" antwortete er. „Und warum hast Du Das gethan?" frug der Iudäer. — „Auf daß man mich dort nicht richte; denn wer sich freiwillig in die Hölle stürzt, wird nicht in Feuer gerichtet, und Heil dem Manne, der solches thut! Eine solche freiwillige Hingebung an die Hölle läutert ihn von all seinen Sünden mehr als alles Feuer der Hölle." — Der Judaer wollte seinen Worten nicht glauben; er spottete vielmehr darüber und sagte: „Ich werde mit Dir gehen und sehen, ob Du Dich in Wahrheit in die Hölle stürzest." - „Und wirst Du," frug der Mann, „wenn Du mit mir gehst. Dich ebenfalls hinabstürzen?" — „Ich werde thun, was mir gefällt," antwortete der Judaer. — „Dann kannst Du nicht mitgehen," sagte der Mann. — Als er nun mit Frau und Kindern zu Ende gesprochen, machte er sich auf, um für immer davon zu gehen. Der Judaer ging ihm nach. Nachdem sie so eine Weile gegangen, wandte der Mann den Kopf um, und als er sah, daß der Iudäer ihm auf dem Fuße folgte, sprach er: „Ich habe Dir schon gesagt, Du darfst mir nicht nachgehen!" — „Und ich," antwortete der Iudäer, „habe Dir gesagt, daß ich Dir trotzdem nachgehen und sehen werde, was Du thust." — Als der Mann sah, daß der Iudäer entschlossen war, ihm zu folgen, begann er: „Bist Du nicht ein Iudäer?" — „Der bin ich," antwortete dieser. „Nun denn, so wisse, daß ich kein Mensch bin, sondern der Satan der Hölle, der diese Thoren, die den Herrn der Welt, den Schöpfer und Erhalter aller Dinge, verlassen haben und das Feuer der Hölle anbeten, auf ihrem Irrwege erhallen will. Kommt daher Einer und stürzt sich in die Hölle, so gehe ich nach drei Tagen in seinem Aussehen und seiner Gestalt in sein Haus und bestelle sein Haus nach seinem Willen und preise den Leuten das Glück dessen an, der sich freiwillig in die Hölle gestürzt, auf daß sie in ihrer Thorheit verharren und zu Grunde gehen. Nur über solche, die bereits von Gott abgefallen und sich einem Irrwahn hingegeben, habe ich Gewalt, sie nach meiner Möglichkeit noch mehr in die Irre zu führen; über solche aber, die treu an dem lebendigen Gotte und Seinem Gesetze halten, ist mir keine Gewalt gegeben, so lange sie auf dem Wege der Wahrheit verharren." — Als der Iudäer Das gehört, pries er die Güte Gottes und kehrte nach seiner Heimath zurück, — So sagt denn auch die Schrift*): „Nicht also ist der Antheil Jakob's! Er ist's, der das All geschaffen!" - *) Jerem. 10, IG. m s c» m w. in junger Mann, von ansehnlicher Familie und mit den besten Zeugnissen versehen, wünscht eine Stelle als pioi ümty zu bekleiden. Nähere Auskunft über denselben ertheilt N RaObinowitz, München. Mk- Berichtigung. Im Hauptblatte in der Ueberschrift des Feuilleton muß es statt „öffentlichen" göttlichen heißen.

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