Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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459 phalens, sowohl was rabbinisches als auch profanes Wissen anbetrifft, schreibt uns ungefähr so:-— „Deine Mittheilungen in den jüngsten Nrn. deS „Israelit" waren mir so ganz aus dem Herzen gesprochen und hakn mich in jeder Beziehung sehr befriedigt. Zwischen den Zeilen las ich auch, daß Du in einem späteren Aufsatze die Quelle alles Uebels, die Lehrer O’J/bnb herzunehmen gedenkest. Hierbei möchte ich Dir aber den wohlgemeinten Rath ertheilen, diesen nicht alle Schuld an dem religiösen Verfalle zuzuschreiben. Die Rabbinen und Vorstände haben das Ihrige auch dazu beigetragen. In größeren Gemeinden hat überhaupt der Lehrer gar keinen Einfluß auf die religiöse Richtung; nur in den Gemeindchen, wo der Lehrer das Factotum ist, kann er durch sein Beispiel und seinen Wandel Segen oder Unheil stiften. Sei dem aber wie ihm wolle, die Kundgebung des Uebels allein macht die Sache noch nicht besser; es muß ein Mittel erfunden und angewendet werden, welches da- Uebel von Grunde aus heilt. Und dieses Mittel finde ich in einer jährlich abzuhaltenden Conferenz glaubenStreuer isr. Lehrer. An den Conferenzen, wie sie bis jetzt gestaltet waren, konnte sich der jüdische Lehrer nicht betheiligen. An einer Versammlung aber, die namentlich aus orthodoxen Lehrern besteht, und deren gibt's gottlob noch viele, werden sich auch, wenn auch Anfangs blos aus Neugierde, die Neologen betheiligen, und vielleicht fällt dann das eine oder andere gute Wort auf guten Boden. Wenn dann auch nur Einer zu anderer Ansicht gebracht würde, so wäre ja schon viel erreicht; denn "21 pn« »e: ^»scn to. — Was nun den Zweck dieser beabsichtigten Conferenzen betrifft, so sollen sie einfach dazu dienen, Mittel und Wege zu finden, wie dem unreligiösen Gebühren der neologen Lehrer Schranken gesetzt, und auf welche Weise auf dieselben, so wie auch auf die Gemeinden zum Zwecke der Rückkehr zum Guten eingewirkt werden könne.-Schließlich erlauben wir uns noch, an alle gleichgesinnten Collegen, ganz besonders aber an die in Westphalen und Rheinland fungirenden, die freundliche Bitte zu richten, den in vorstehendem Schreiben gemachten Vorschlag zu dem ihrigen machen und etwaige Vorschläge in Bezug auf Realisirung durch diese gesch. Blätter zur öffentlichen Kunde gelangen lassen zu wollen. Die gesch. Redactiou wird gewiß der Besprechung dieser hochwichtigen Angelegenheit gern die Spalten ihrer Zeitschrift zur Verfüauna stellen. *) Oestrich. M. Rosenwald Lehrer. England. London. Es wird von den Zeitungen mitgetheilt, daß die Inänotrial Exhibition in Malton- *) Sehr gern. — Red. Bueks unter der Protection der Baronin von Rothschild nächstens mit großer Feierlichkeit von Herrn Disraeli eröffnet werden wird. Afrika. Hl Die französische Regierung hat in der marokkanischen Stadt Araba bei einer dort vorgekommenen Judenverfolgung einen Akt von Selbstjustiz ausgeübt. Ein unter französischem Schutze stehender Jude war getödtet worden, und auf d e Beschwerde des französischen General - ConsulS hatte der Sultan antworten lasten, Frankreich möge selbst den Schuldigen bestrafen. Die zwei Hauptschuldigen wurden nun ermittelt, hingerichtet, und ihre Köpfe dem Sultan gesandt. — Jie Jeuerarröeter zu Kedar *). Von Abraham Tendlau. Ein Iudäer ging einmal nach dem Lande Kedar. — Die Leute zu Kedar beten das Feuer der Hölle an. Sie sagen, daß dieses ein Urfeuer sei seit der Schöpfung der Welt, und daß darin alle Seelen gerichtet werden. — An einer Seite ihres Landes — so sagen sie — befindet sich ein Eingang zur Hölle, und von dorther haben sie das Höllenfeuer, das sie verehren. Die Anbetung bestebt darin, daß sie vier Holzstöße anzünden, zwei des Morgens, die brennm bis zum Abend, und zwei des Abends, die brennen bis zum Morgen, und so thun sie alltäglich. Dieses Feuer hat aber das Eigenthümliche, daß es, und werfe man auch alles Holz der Welt hinein, keinm Rauch verbreitet, und daher sind sie in ihrem Irrthum befangen und halten es für eine Gottheit. Ihre Vornehmen, wenn sie Greise geworden sind, wallen nach dem Eingänge zur Hölle und stürzen sich in den tiefen, finstern Schlund hinab und bringen sich so freiwillig der Hölle zum Opfer dar. Sie sagen, daß jedem, der sich lebend der Hölle zum Opfer bringe, und wäre er auch bedeckt mit Sünden, alle Schuld erlassen werde, und er werde in der Hölle nicht mehr gerichtet, sondern sogleich in das Paradies gebracht, das ihm entgegentrete, ihn zu empfangen. Wer sich aber nicht freiwillig der Hölle überliefere, der komme, wenn er gestorben, in die Hölle und werde dort gerichtet, bis er seine Schuld abgebüßt; dann erst werde ihm verziehen und erhalte er das Paradies zum Erbtheil. — Der Iudäer nun, als er in das Land kam, kehrte bei einem alten Manne daselbst ein. Da hörte er, *) Nach dem Mäarioh des Menachem di Lonsano: MAasioth Nr. 41. — Die Erzählung ist im reinsten Chaldäisch und zwar, noch Angabe Lonsano's, einem handschriftlichen Midrasch entnomnmr.