Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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458 chen verschmähen die Maxime des -Mvp p 'vi' welcher der verlockenden Stimme die charaktervolle Antwort gab: min oipon «bx n »m Breslau Heute feierte hier Herr Landesrabbiner Ti kt in '".i sein 25jähriges Amtsjubiläum als Rabbiner der hiesigen (orthodoxen) Synagogengemeinde. Zahlreiche Glückwünsche beider Brüdergesellschaften und vieler anderer Corporationen und Vereine brachten dem verehrten Jubilar die Anerkennung seines frommen Strebens. Auch wir wünschen Herrn Rabb. Tiktin noch langes Leben und ««geschwächte Kraft, um auch für die Zukunft eine Schutzwehr gegen neologe Uebergriffe zu sein. 'Nd ro! Auch der berühmte Orientalist, Herr Professor Dr. M. A. Lewy, Religionslehrer der ehein. Geiger'- schen Unterrichtsanstalt, feierte dieser Tage sein 25jähriges AmtSjubiläum. Cs sei fern von uns, den Verdiensten dieses Gelehrten um die Wissenschaft nahe zu treten; aber sein Wirken als jüdischer Religionslehrer hat am besten Jemand hier gekennzeichnet, der in höchst naiver Gutmüthigkeit die Bemerkung machte, daß in dem Festcomite zu Ehren Prof. Lewy'S von all denen, „die sich rühmen, seine treuen Schüler zu sein", auch nicht ein einziger sei, dernicht mano esse! Die hiesige Reform entwickelt seit einiger Zeit wieder lebhafte Thätigkeit. Das dolce far mente scheint dieser Partei denn doch nicht zu behagen Und so macht sie immerwährend von sich reden, wiewohl es besser wäre, man schwiege von dieser Fehlgeburt unseres Jahrhunderts für immer. Die jüngsten Heldenthaten der Reform in der hiesigen Gemeinde betrafen erstens die practische Lösung eines vor etwa 25 Jahren zwischen dem Rabbiner Dr. Einhorn und dem Prof. Dr. Delitzsch heftig geführten Principienkampfes, „ob ein Rabbiner ein unbeschnittenes Kind einsegnen dürfe," und dann die hochgepriesenc Confirmation. Beide Heldenthaten hat Herr Dr. Joel selbst verrichtet und somit seinen Vorgänger Geiger noch bei weitem übertroffen. Herr Dr. Joel hat das unbeschnittene Kind eines hiesigen Israeliten in der Synagoge öffentlich eingesegnet und ihm einen Namen gegeben. Ein solches Verfahren steht, wie jeder vernünftige und ehrliche Leser leicht einsehen wird, mit der ganzen Thätigkeit des Dr. Joel als Lehrer am hies. Rabbinerseminar in vollem Contraste. Ich will die geschätzten Leser nicht mit den vielen widersprechenden Gerüchten belästigen, die in Folge dieses Vorfalles hier cursiren. Nur zwei Bemerkungen feien mir noch verstattet. Erstens, daß die Erbitterung über diesen Verrath am Judenthume hier bei Orthodoxen und Reformern eine allgemeine, und zweitens, daß — authentischen Nachrichten zufolge die Vorsteher der Reformgemeinde selbst das Verfahren mißbilligt haben. Die zweite Heldenthat der Confirmation ging gestern vor sich. Im vorigen Jahre kam dieser Act nicht zu Stande, weil keine Eltern sich fanden, die ihre Kinder zu Schauspielern, resp. Schauspielerinnen hergeben wollten. Im heurigen Jahre ist es den unausgesetzten Bemühungen des Herrn Dr. Joel gelungen, 5, sage fünf, Mädchen auS einer Entlaffungsclaffe von weit über 20 Schülerinnen für diese heilige (?) Handlung zu befähigen. Und so wurde denn das Drama der Confirmation in der hiesigen Gemeinde- Synagoge aufgeführt zum Ergötzen eines nicht allzuzahlreichen Publikums, das sich aus Neügierde versammelte, um zu sehen, wie Dr. Joel diesen Act vornehmen werde. Nach einstimmigem Urtheile Aller hat Geiger diese Ceremonie pastoralischer und salbungsvoller zu machen verstanden. Gestern aber machte die Confirmation nun den überzeugenden Eindruck, daß sowohl Prediger als Gemeinde über diese Einrichtung der Reform im Klaren sind. Beide Ereignisse haben jedoch die hiesigen glaubenstreuen Israeliten um eine schöne Hoffnung ärmer und eine gewichtige Erfahrung reicher gemacht. Man hat bisher von dem Wirken des Dr. Joel sich das Beste versprochen und von dieser Seite sicherlich eine Versöhnung der Parteien erhofft. Nun aber wissen wir, daß wir von dieser Seite wenigstens gar nichts zu erwarten haben. .ihn D*pDQ Dmir1? -nvp' nn G. Karpeles. Aus Wefkphal n In Bezug auf unfern in Nr. 19 dieser gesch. Blätter enthaltenen Artikel über die rel. Zustände Westphalens sind uns mehrere Zuschriften von College« zugegangen, die, aus Anlaß des im ged. Artikel gegebenen Versprechens, in einem spätern Aufsatze die Frage: „Wer ist Schuld daran, daß die jüngere Generation ohne Kenntniß des Judenthums aufwächst" beleuchten zu wollen, sämmtlich die Befürchtung hervorblicken lassen, als würden wir in dem beregten Aufsatze, der, wie wir hier beiläufig bemerken, wegen mehrwöchentlicher Abwesenheit von hier, bis jetzt nicht ausgearbeitet werden konnte, der aber, sobald die Zeit es uns erlaubt, erscheinen wird, die ganze Schuld an dem religiösen Verfalle den neologen Lehrern in die Schuhe schieben. Schon im voraus erlauben wir uns hier die Bemerkung, daß dieses nie unsere Absicht war und auch jetzt nicht ist. Eins dieser Schreiben, das manchen guten Wink und zugleich auch einen guten, wohl zu beherzigenden Vorschlag enthält, wie dem immer mehr um sich greifenden Uebel gesteuert werden könne, erlauben wir uns hier, natürlich mit ausdrücklicher Zustimmung des Herrn Abfassers, und mit Hinweglaffung alles nicht zur Sache gehörigen, seinem wesentlichen Inhalte nach, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Unser Freund L. Kohn in Borken, einer der frömmsten und tüchtigsten Lehrer, West-