Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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n. Jahrgang. Beilage zu Nr. 24 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpor:- denzen. Deutschland. Mcinz, den 2. Juni. Unfern hart und schwer bedrückten Glaubensgenossen in der Bucharei scheint sich die Zukunft freundlicher gestalten zu wollen. Ein Telegramm aus Bombay vom 25. Mai meldet nämlich: „Zwischen den Russen und Bucharen hat eine Schlacht stattgefunden, in welcher der Fürst der Bucharen getödtet wurde. Die Russen haben Buchara besetzt". Von den in Binnen-Asien wohnenden Israeliten werden seit lange die vordringenden Russen als Helfer und Erretter begrüßt. Stuttgart, 26. Mai. Vergangene Woche haben unter dem Vorsitze des Herrn Cultusminister v. Golther zwei Berathungen in Sachen der israelitischen Kirchenverfassung stattgefunden. Der Entwurf wird einer Versammlung zur Begutachtung vorgelegt werden, ehe er vor die Ständekammer kommt; allein in dieser Versammlung muß Stadt und Land, Rabbiner und Laie, Lehrer und Vorsänger, Orthodoxie und Reform in gleicher Weise vertreten sein, wenn nicht unheilvolle Einseitigkeit zu Tage treten soll. Darum rons-na lS’pn Das Landeskomite der württ. Volkspartei hat an die Mitglieder dieser politisch rührigen, zahlreichen und einflußreichen Vereine eine Ansprache den 10. dieses Monats erlassen, worin das Programm für die bevorstehenden Landtagswahlen enthalten ist. Bei der Entwicklung der freisinnigen Grundsätze heißt es auch: „Das Landescomitö ist der Meinung, daß es der politischen Bildungsstufe unseres Landes entspräche, wenn von dem Rechte, welches unseren jüdischen Mitbürgern zum erstenmal den Eintritt in die ständische Vertretung gestattet, auch thatsächlich Gebrauch gemacht wird. Alle Verleumdungen, denen in der letzten Zeit das württembergische Volk ausgesetzt war, als ob es sich in Ausübung seiner politischen Rechte durch konfessionelle Rücksichten bestimmen lasse, würden durch eine solche, von der ganzen Volkspartei des Landes unterstützte Wahl eines Juden glänzend widerlegt. Wir wissen wohl, daß leider in manchen Bezirken verjährte Dorurtheile noch stark sind. Einem Bezirk jedoch, in welchem konfessionelle Aufklärung und Toleranz so allgemein sind, daß der Vorschlag eines Juden keinen Anstoß mehr bildet, sind wir in der Lage, einen solchen Parteigenossen zu benennen, welcher zweifellos alle Bedingungen eines guten Volksvertreters erfüllt und der Kammer zur Ehre gereichen würde." . , Wir haben bis jetzt die Herren Rd. Levi in j i Stuttgart und Kaufmann Neuburger in Ulm als j solche Männer bezeichnen hören, die zu Abgeordneten in Vorschlag kommen dürften. Freudenthal. (Württ.) Die hiesige Sclul- und Vorsängerstelle, einst von dem jetzigen Seminarlehrer Stern in Würzburg bekleidet, ist nach Pensiouirung des Lehrers Weil nun wieder besetzt. Die Gemeinde hat kein Opfer gescheut, um einen jüngern tüchtigen Lehrer zur Bewerbung um das doppelte Amt zu ermuntern, indem sie den bisher in Ernsbach angestellten Lehrer und Vorsänger Rothschild zur Annahme deö Dienstes veranlaßte. Derselbe wurde denn auch von vielen Gemeindcmitglicdern und Vorstehern, namentlich dem L. Maier, auf der nächsten Eisenbahnstation auf eine ehrenvolle und freundliche Weise empfangen. Am folgenden Sabbat beschrankte sich der sehr ehrenwerthe Rabbiner auf die Vorlesung des deutschen ny:&n jnvn, während die Gemeinde erwartet hatte, er werde als Geistlicher und Religionsschulinspcctor in seiner bekannten beredten Weise die Investitur benützen, um den Lehrer der Jugend und Vorbeter der Gemeinde vorzustellen und seinen priesterlichen Segen dem Wirken des jungen ManneS zu ertheilen. Doch hat Herr Rothschild dessen ungeachtet in seiner auf das Königsgebet folgenden Antrittsrede meisterhaft gezeigt, daß er auch des freien Wortes mächtig und entschlosien ist, im Geiste unserer heiligen Religion in Schule und Synagoge, auf dem Katheder und der Kanzel, die er in Abwesenheit des Rabbinen zu betreten hat, im Privatleben wie im Gemeindehaushalt seiner Pflicht, die er kennt, nachzukommen. Ein einträchtiges Zusammenwirken der Religionsbeamten wird unserer Gemeinde zum Heile gereichen, '{ob” by d^bM Jebenhausen Der hiesige Rabbinatssitz ist vermöge Ministerialentschließung in die Oberamtsstadt Göppingen translocirt. Der Rabbiner zieht schon in einigen Wochen von unserem Dorfe weg in diese Stadt, deren jüdischen Einwohner bisher ein Filial der hiesigen Kirchcngemeinde bildeten, n'cttD nep ro! Die Herrlichkeit des zweiten Stuttgarter Zions, wozu Herr Rabbiner Herz, die Copie des KirchenrathS Maier, die hiesige Synagoge durch Einführung eines theuren Harmoniums und der residenzlichen Liturgie umgeftaltet Hat, hat nicht lange gedauert. Die Orgel verstummt, sobald ihr Protector weg ist, der alte anao kehrt zurück, sobald der Reformator uns den Rücken gekehrt haben wird. Die Todten reiten schnell. Jebenhausen ist seit grauer Zeit Rabbinatssitz gewesen und hat hiefür schon große Opfer gebracht. — Allein unsere jungen Reformrabbinen wohnen lieber in den ge- Städten, obschon keine eine dv röna -py dhdk> *?t£n D’DDn genannt werden kann. Diese Herr-