Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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455 i t i j e n t* n n l-!r ie ", n res er 3; n, cib le. er en :rw „Schade," sagte der achtjährige Felix, „ daß „der Kabbalist" schon zu Ende ist; ich hatte es mir ganz anders vorgestellt. Ich hatte geglaubt, der Rabbi würde den Jakob retten und dieser würde dann doch noch Kaiser werden. Ein Traum, nur ein Traum — die Enttäuschung war gar zu groß." „Ob „der Israelit" heute Abend noch kommen wird?" fragte der dreizehnjährige Leo. „ES ist schon zu spät," antwortete Sarah, „der Postbote maß schon aus der Stadt zurück sein." Da klopfte eö, und stehe, der Postbote brachte den Heißersehnten. „Vater," bat Felix, „lieber Vater, lies uns zuerst die neue Geschichte vor!" Ich nahm das Blatt zur Hand und las mit Erstaunen die Überschrift des ersten Leitartikels, der von den Leiden des Rabbi Arjeh Markus zu Jerusalem berichtete. Ich las den Artikel den Meinigen vor, und uns Alle ergriff Trauer und Entsetzen. „Aber lieber Vater," sagte der kleine Felix, nachdem wir lange von dieser Angelegenheit gesprochen hatten, „warum läßt das der liebe Gott zu, daß der fromme, brave R. Arjeh Markus, der sich der verlassenen Waise so edelmüthig angenommen, nun gar dafür so schrecklich leiden muß?" „Liebes Kind," entgegnete ich, „wir können das Walten der göttlichen Vorsehung nicht erforschen. Wunderbar sind hie Wege Gottes und uns Menschen oft nicht erklärlich. Mit Seinen Frommen geht der Allgerechte gar streng ins Gericht, und wer weiß.... doch will ich - Gott behüte — nicht sprechen wie die Freunde des Jjob zu diesem gesprochen: „Führwahr, hättest Du Gottesfurcht gehabt, so wäre sie dein Vertrauen, deine Hoffnung und die Vollkommenheit deiner Wege gewesen; bedenke doch, wer ging je unschuldig zu Grunde?" *) Nein, ich will keinen Makel jenem Frommen anheften und sagen, er habe vielleicht sein Geschick verdient; aber ich will euch eine Geschichte erzählen, die mit dieser große Ähnlichkeit hat und in welcher die Hand Gottes sich deutlich offenbarte. Es ist, jedoch für heute Abend schon spät; ihr sollt zu Bette'gehen; ich werde die Geschichte euch ein anderes Mal erzählen. Da aber baten die Kleinen ganz unwiderstehlich, und ich mußte sofort beginnen. „Es sind jetzt viele Jahre her," erzählte ich, und aufmerksam hörten Frau und Kinder mir zu, „als sich in Smyrna eine ganz ähnliche Geschichte ereignete; auch damals wurde ein frommer tugendhafter Mann geschlagen und mißhandelt, weil er sich weigerte, eins Waise auözuliefern, die man mit Gewalt dem- Juden- *) Nach der Auffassung des Thoffaphot zur Stelle. nz s)6 styoaf “'ftonhfl f thume abtrünnig machen wollte. Ich war danrckls ein junger Mann und conditionirte in A. — Mein Principal, der mit Südfrüchten Ln-Aro3-Geschäfte machte, hatte mich nach dem Orient geschickt; ich kam nach Smyrna, als die Geschichte sich eben ereignet batte,- und Alles von nichts Andrem sprach. Eines Aoenhs saß ich im jüdischen Kaffeehaus und unterhielt mich mit mehreren Glaubensgenossen in hebräischer Sprache. Natürlich kam die Rede bald auf Rabbi Sinai, den eingekerkerten Vorsteher. Man wußte die Frömmigkeit, Mildthätigkeit und Rechtschaffenheit des so hart Bedrohten nicht genug zu rühmen und bedauerte sein hartes Geschick; nichtsdestoweniger bemerkte ich bald, daß man dasselbe als ein nicht unverdientes bezeichnete. Meine Neugier wurde im hohen Grade rege und nach einiger Weigerung erzählte mir ein ehrwürdiger Rabbi Folgendes: „ Fremdling," sprach er, „Gott geht mit Seinen Frommen streng ins Gericht; die Söhne Ahrons mußten sterben wegen des Feuers, das Gott nicht befohlen hatte; unser Lehrer Moscheh durfte nicht einziehen in das gelobte Land wegen eines geringen Vergehens' und auch unser Rabbi Sinai muß jetzt im! Kerker schmachten, weil er etwas gethan hat, was bester ungethan geblieben wäre. Höre! „Vor einigen Jahren lebte hier ein armer, blödsinniger Mensch; er war ein Fremder, ein Ungar, der nach dem heiligen Lande hatte reisen wollen und hier geblieben war. Abraham Daus war ein Schneider; er hatte hier eine Zeitlang gearbeitet; dann war er krank geworden, und sein Verstand blieb umwölkt; aber er that Niemandem was zu Leide; still lebte er für sich von den Almosen, welche ihm mitleidige Glaubensgenossen reichten. „ Eines Tages saß der zwölfjährige Sohn eines reichen Mannes auf dem Dache (Ihr wißt, Kinder, die Dächer sind im Oriente platt). Das Haus war sehr hoch und tief unten, da saßen die türkischen'Soldaten, welche die Wache bezogen hatten, beim Mittagsmahle. Da erfaßt der Mulhwille den Knaben; er nimmt ein Steinchen und wirft es hinab, gerade in ' die Schüssel auf die Hand eines bärtigen Kriegers, der mit ihr (nach türkischer Sitte) in die Schüssel gelangt hatte. Das Steinchen, das von beträchtlicher Höhe herabgefallen war, verwundete die Hand des Soldaten, der sie mit lautem Aufschrei zurückzog. „Voll Zorn eilten die Soldaten in das Haus, um den Thäter zu bestrafen. „Ehe sie jedoch die vielen Treppen hinaufstürmen; konnten, hatte sich der Knabe längst entfernt und so -.verborgen, daß sie ihn nicht fanden. ^3?-::^Die Soldaten beklagten sich beim Pascha; war njjsHsyetÄWS. Unerhörtes geschehen: aus dem Hause eines Juden war ein Stein auf die Vertheidiger des ^«WWBNMeNMaubens geworfen worden. -SY tzttU7)U/sjjrsV!'?•;