Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1868)
- Date
- 1868-06-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447343-2447366--06209-2461753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
451 und beten, sondern Auf demselben beten, weil unsreAndacht durch den Gedankm an das Reitthier nur «ine geteilte sein würde. Wie können nun diese sogenannten Reformer mit offenen Geschäfteft am Sabbat von Andacht beini Gebete 'durch einen zeitgemäßen Gottesdienst reden? Beten sie doch in der Regel sehr wenig oder gar nicht — an den Wochentagen sicherlich nicht — und glauben schon geling gethan zu haben, wenn sie dem Prediger ein aufmerksames Ohr geschenkt, oder die Orgeltöne begleitet und den Vorsänger bewundert haben. Woher denn käme es sonst, daß man sie am Sabbat mit brennender Cigarre auf dem Wege zum Gottesdienst gehen oder fahren und vor dem GotteShause den Cigarrenstumpf wegwerfen sieht? Bereitet man sich so zu der von uns erwartenden Andacht vor? Woher denn käme es sonst, daß in ihrem Hause jede Spur von Judenthum, in ihren Erholungen jeder Funken von Sittlichkeit geschwunden ist? Woher sonst, als iveil sie Alles mit ihrem vorgeblich gehobenen Gottesdienst gethan zu haben glauben. — Hebt aber ein elegantes Gotteshaus mit zeitentsprechendem Gottesdienste, wie die Reformjuden einen kurzen, fast alle Gebete unserer Väter beseitigenden Gottesdienst nennen, wobei s i e gar nichts, sondern Vorsänger, Prediger, Orgel und Chor Alles thun müssen, — hebt, sage ich, ein solcher Gottesdienst Gemüth und Herz und treibt von innen zum häustgern Besuche an? Woher kommt es denn, daß in so manchen Gemeinden die Orgel schon unberührt steht, der Chorgesang schon wieder eingegangen ist und das Gotteshaus wieder nur von Orthodoxen besucht und der Gottesdienst nach altem Ritus wieder hergestellt ist und daß eine Fläschchen mit Oel, das nach der Berechnung der alle Wunderkraft des Judenthums Leugnenden nur für ein Jahrtausend reichen würde, schon fast sechs Jahrtausende Kraft und Stoff jenem Lichte gibt, das zum Weltlicht von Gott auserkoren ist? Woher anders, als weil das Alte immer neu ist und dem Neuen die heilige Würde, die heiligenden Motive der Entstehung und dm Verfassern der neuen Gebetordnungen, worin, beiläufig bemerkt, die größte Unordnung herrscht, die echte fromme Einfalt, die zur Andacht führt und zu «iuem ftommen Lebenswandel begeistert, gänzlich fehlt. Eine andere Gemeindeeinrichtung, basirt auf göttliche Vorschrift, die Reinheit des Familienlebens erzielend, von Orthodoxen wie von Reformern, ja sogar von anderm Religionsbekennern als gleich gut anerkannt, ist das sogenannte Frauenbad (mpD). In einer jeden, nur einigermaßen starken Gemeind« ist " sowohl den Gesetzen des Anstandes heitsregeln entsprechend, eingevjchÜkMud il ~ von wie wenigen Frauen besucht! Und warum?! StÜi' eigenen chabyv gWiMMWSWWDvSWM-We dieselben. Dienste keines, was wieder mit der Genußsucht des Zeitalters innig zusammenhängt und darin, sowie in dem Unglauben überhaupt seinen Grund hat. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 2. Juni. Die geehrten Leser unseres Blattes werden sich noch eines grauenhaften Ereignisses erinnern, das sich am Schluffe des vorigen Jahres zu Nordenburg in Ostpreußen zugetragm und von dem wir seiner Zeit berichtet haben. Der Handelsmann Daniel Rosenberg nämlich war mit einer zum Judenthume übergetretenen Christin verheirathet; diese in Verbindung mit noch einem Complicen ließ ihn im December v. I. durch ihre eigene Schwester ermorden; sämmtliche drei am Morde betheiligtm Personen sind, verhaftet und zum Tode verurtheilt. Der Ermordete hinterläßt drei unmündige Kinder, einen Sohn von 17, einen andern von 9 und eine Tochter von 7 Jahren. Da die Eltern nur nach jüdischem Ritus, aber nicht durch den Civilstandsbeamten ehelich verbunden waren, so wurden die Kinder vom Gericht als uneheliche erklärt und konnten nicht einmal die geringe Hinterlassenschaft ihres Vaters erben. Es wurde ihnen jedoch von der Behörde in der Person des Herrn S. Rosenberg zu Nordenburg ein Vormund bestellt. Aus einem Briefe des Letzgenannten an Herrn Meyer Levy zu Schippenbeil ersehen wir, daß die Behörde damit umgeht jenen der Vormundschaft zu entheben und die Kinder dem Magistrat der Stadt Rordenburg zur Erziehung zu übergeben, in Folge dessen den Kindern natürlich keine jüdische Erzichung zu Theil werden würde. Herr S. Rosenberg hat sich dann, wie er schreibt, vergeblich bemüht, die wenig wohlhabende, aus nur fünf Mitgliedern bestehende, isr. Gemeinde zu Nordenburg zu veranlassen, für diese Unglücklichen etwas zu thun, um sie, die als Juden geboren sind, dem jüdischen Glauben zu erhalten. Herr Meyer Levy zu Schippenbeil stellt nunmehr an uns das Ersuchen, daß wir für die Rosenberg'schen Waisen eine Sammlung veranstalten, um die Kinder zu erziehen, die Knaben ein Handwerk lernen zu lasse». i-L.U^gEn dieses jedoch kaum zu thun. »Mftskeib der geehrten Leser des „Israeli t" jMk iäSUoifo außerordentlich in Anspruch ßtzMßnoch immerwährend derart rege etwas Neues in Anregung echtigt erachten.