Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1868)
- Date
- 1868-06-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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«LWMM 435 dienendes russischen Beamten gegen die Polen oft so groß ist, daß er in Manie übergeht. Als Beweis bringt gedachtes Blatt folgendes Curiosum: Es ist bekannt, daß an gewissen Tagen die ^Einwohner verpflichtet sind, ihre Fenster zu illuminiren. Der Befehl dazu wird am Morgen ertheilt; am Abende werden alle Fenster revidirt, und Polizeibeamte mit dem Bürgermeister der Stadt an der Spitze durchziehen zu diesem Zwecke die Straßen. — In der Wohnung eines Juden waren die Fenster nicht erleuchtet. Um die Ursache befragt, antwortete der Israelit, daß er nicht eine Kopeke in seinem Besitze, und daß er und seine Familie den ganzen Tag noch nichts gegessen habe. Ein russischer Ofsicier ergriff den armen Juden beim Kragen und rief aus: „Aha! Du bist ein Empörer!" In diesem Augenblick zerschmettert ein Steinwurf das dunkle Fenster. — Türkei. LH Konftantinopel, im Mai. Bei der Eröffnung des Staatsrathes sprach S. Majestät der Sultan die denkwürdigen Worte: Es ist mir Pflicht, jede Religion gleich hochzuachten, und ihr die Rechte zuzugestehen, die von der Humanität und dem Standpunkte des Staates gebühren. Australien. Hobart Town. Von befreundeter Hand wurde uns die Nr. 2257 vom 20. März und die Nr. 259 vom 23. März der in Hobart Town auf der Insel Van Diemensland erscheinenden Zeitung „The Mercurv“ geschickt. In der Ersteren wird ausführlich von einer gro-! ßen in dieser Stadt veranstalteten Versammlung be-! richtet, an der sich auch unsere Glaubensgenossen betheiligt haben und in welcher beschlossen wurde, aus Anlaß der glücklichen Abwendung des gegen den Prinzen Alfred von England gerichteten Attentates an diesen Prinzen und an die Königin von England Adressen zu richten, in welchen die Einwohner dieser Stadt ihre Indignation gegen die ruchlose That und zugleich ihre Ergebenheit und Anhänglichkeit an das königl. Fürstenhaus ausdrückten. Auch Herr Rabbiner Goldreich hielt bei dieser Gelegenheit eine glänzende Rebe, die ausführlich mitzutheii len uns der Raum dieser Blätter nicht gestattet.! In Letzterer sind ausführliche Berichte über den l Dankgottesdienst, welchen aus Anlaß der glücklichen j Errettnng des Prinzen Alfred die verschiedenen Conl fessionen daselbst abgehalten haben. In der Synagoge war am Samstag Morgens eine zahlreiche Versammlung beisammen. Die Rede des Rabbiners Goldreich war sehr erhebend. Rach dieser Rede wurde der 61. Ps. in hebräischer und hierauf ein Gebet in englischer Sprache vorgetraHen. Am Schluffe tiefes Gebetes < wurde der gewöhnliche “paip ’c für Kranke gesprochen. Telegraphische Depesche. Bukarest, 30. Mai/ Die Consuln Frankreich» und Englands thum in Folge von Aufträgen ihrer refpectiven Regierung Schritte, um die österreichische Forderung aus Anlaß der Judenfrage nachdrücklich zu unterstützen. Feuilleton. K t v i x t. XMitgethetlt von einem Rabbiner.) (Fortsetzung und Schluß.) XI. Als Wetting verheirathet war, erholten sich die pekuniären Verhältnisse des Banquier Metz wunderbar schnell. Wiederum zogen Gerüchte über ihn durch die Stadt; aber diesmal waren sie erfreulicher Natur. Die Einen behaupteten, er habe 350,000 Gulden in der österreichischen Staatslotterie gewonnen, die Andern erzählten, die Häuser, an denen zu verlieren Metz gefürchtet hatte, wären bei Heller und Pfennig ihren Verpflichtungen nachgekommen, die Dritten — und diese gaben vor, am Besten unterrichtet zu sein — wollten wissen, daß durch den Aufschwung, dm die Papiere in Folge des Olmützer Friedensschlusses genommen, die Finanzen von Adolph Metz wiederhergestellt seien. Von dem eigentlichen Sachverhalt hatte Niemand eine Ahnung, selbst Wetting nicht. Wir aber freuten uns unseres gelungenen Planes und dankten Gott für den Erfolgs Metz hatte nun nichts Eiligeres zu thun, als feine Tochter einzuladeff, in sein Haus zurückzukehren; allein Elvire erklärte, daß es ihr zu peinlich sei, mit Wetting an einem Orte zu leben. Es wurde dann verabredet, daß sie Amsterdam verlassen und nach dem nicht allzufernen H. übersiedeln sollte. An demselben Tage, an welchem Elvire von Amsterdam abreiste, verließen Metz und seine Frau ihrm Wohnort, um mit der Tochter in H. zusammenzukommen; man hatte bestimmt, im Hotel de Russie einzukehren und sich dort zu treffen. War das ein fkeudig - wehmuthsvolles Wiedersehen! Elvire warf sich den Eltern zu Füßen und umschlang ihre Knie; Adolph zog sie zu sich empor und rief laut: „Mein Kind, mein Kind, mein wiedergefundenes, mein wiedergewonnenes Kind!" Frau Metz weinte still vor sich hin und war keines Wortes mächtig, bis auch sie die einzige Tochter an die Brust gedrückt und ihr Gesicht mit Küssen bedeckt hatte. Da öffnete sich die Thüre und die Dienerin Elvirens führte deren Tochter, die kleine Helene, herein. Jetzt machte sich Elvire aus den Armen ihrer Mutter los, ergriff das reizende Kind und hielt es den Großeltern entgegen. Und das Kind streckte seine 3