Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 23 (3.6.1868)
- Date
- 1868-06-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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431 ihnen los, trotzdem das gar Manchem das Leben kostete — aber die Thora ward gerettet. Als nach der Zerstörung Jerusalems eine ursprünglich jüdische Srcte den römischen Kaiserthron und das römische Reich für sich gewann, blieb der Kern des Volkes der Lehre und dem Gesetze Gottes treu und wählte Knechtschaft, Verfolgung, gewaltsamen Tod, um die Thora zu erhalten. Als später die Karäer mit Macht die Tradition verwarfen, sagte man sich von ihnen los, verschwägerte sich nicht mit ihnen und rettete so die mündliche Lehre. Was unsere Väter mit Erfolg gethan, das müssen auch wir thun — wir müssen uns trennen von den Sectirern. Wo noch zehn Juden in einer sonst neologen Gemeinde treu anhangen ihrem Gotte und Seiner heiligen Lehre, da müssen sie ein eigenes Minjan bilden, eine Mikwah sich erhalten, für koscheres Fleisch und für den religiösen Unterricht ihrer Kinder sorgen, sie müssen sich mit Gesinnungsgenossen in benachbarten Orten verbinden und einen echtfrommen Rabbiner anstellen, der ihre religiösen Institutionen überwache und versorge; sie müssen, wenn das nicht möglich sein! sollte, noch größere materielle Opfer bringen und einen Wohnsitz verlassen, an welchem sie ihren Religiösen Bedürfnissen nicht genügen können. Haben doch unsere Väter Leben und Eigenthum hingegeben für das heilige Rcligionsgesetz, und die! Gesetzestreuen unserer Tage sollten nicht bei weitem l geringere Opfer zu bringen im Stande sein, zumal; die Freizügigkeit den Wechsel des Wohnsitzes er- [ leichtert? Nur in der Trennung liegt noch das Heil. k Das Judenthum ist ein ewiges; Gott hilft auss führen, was in Seinem Namen begonnen wird. I Vor vierzig Jahren schon hat der große Rabbi [ Moscheh Sopher diesen (Betonten auSge* I sprechen, diesen Rath ertheilt. E Vor zwanzig Jahren hat man ihn in Frank- E furt a. M. realisirt, und mit welchem großartigem i Erfolge! [ In Frankfurt war das Judenthum auf dem k Punkte, allmählich zu verschwinden: Stein, der sich « in sein Zimmer einschloß, wenn er Gottes Gebot k übertreten wollte — nach seinem eigenen, gedruckten I Geständnisse — war Rabbiner, Raphael Kirch- E heim, der die Akedah für eine Mythe erklärt, war I Schochet, Heß, den Genannten ähnlich, war Director 8 der Gemeindeschule, M. Kreizenach, der einen 8 Verein gründete, um die Beschneidung zu beseitigen, 8 war Lehrer an derselben u. s. w. u. s. w. Da tha- Iten sich elf, sage elf wackere Leute zusammen und 1 gründeten eine separate ReligionsgesÄlschaft und heute jift diese, aus circa 250 Familien bestehend, eine der Gersten und vorzüglichsten Gemeinden der Welt. Das Rabbmat, die Schechitah, die Mikwah ift in den besten Händen, die Unterrichtsanstalt, in welcher der Unterricht in arcnip m?n und ns bin® min die erste Stelle einnimmt, ist eine vom preußischen Staate anerkannte Realschule; die große Synagoge der Rcligionsgesellschaft ist zu klein geworden, während die noch größere der Gemeinde verödet dasteht. Als vor 15 Jahren in Mainz ähnliche Verhältnisse vorwalteten, ein neologer Vorstand zwei neologe Rabbinen anstellte und einen reformirten Gottesdienst einführte, da bereiteten 17 Männer eine Trennung vor. Man verhöhnte, verspottete, verfolgte sie. Es fehlte an Allem; an Männern, an Geld, an behördlicher Erlaubniß — nur an Einem fehlte es nicht, an Vertrauen auf den göttlichen Beistand. Und Gott half in nie geahnter, fast wunderbarer Weise. Heute zählt die hiesige orthodoxe Neligionsgesellschaft circa 150 Familien, ihre Schule und sonstigen Institutionen stehen denen zu Frankfurt a. M. nicht nach, und das Judenthum hat in diesen alten Gemeinden wieder einen festen Haltepunkt gewonnen; mny ,min n"c:n sind wieder in ihre alten Rechte eingesetzt. Dabei ist der Einfluß dieser orthodoxen Religionsgesellschaften auf die übrigen Gemeindeglieder ganz unverkennbar. Vor Jahren hat man uns vorgeworfen und gesprochen: „Ihr, die religiösen Elemente, wollt aus der Gemeinde ausscheiden und den Rest ganz dem Verfalle preisgeben?" Und wir haben geantwortet: „Wir wollen wenigstens einen h&n iix erhalten!" Aber der Erfolg hat nicht allein unsere Gegner beschämt, er hat auch unsere eigenen Erwartungen weit, weit übertroffen. Mit jedem Jahre sagen sich mehr Familien von den Neologen los und kchren zum echten, alten Judenthume zurück; die Reformsynagoge selbst ist mitten auf ihrem Wege stehen geblieben und hat ein Weitergehen perhorrescirt. In allen religiösen Dingen wendet man sich, selbst von der andern Partei, an Diejenigen, welche man als die eigentlichen Träger und Vertreter der jüdischen Religion betrachtet; erzählt man doch von Geiger in Frankfurt eine charakteristische Aeußerung: „Ich," soll er gesagt haben, „werde nur bezahlt als Gemeinderabbiner, der wirkliche Rabbiner ist Hirsch." — Seitdem die orthodoxen Religio ns gesellschasten wieder der Thora eine Stätte gegründet, gehört es auch bei den Fernstehenden nicht mehr zum guten Ton, Gottes Gebot zu verletzen; ja, man sucht mehr und mehr einen religiösen Schein wenigstens zu gewinnen,. man läßt die Kinder, privatim wenigstens, wieder Hebräisch lernen — kurz und gut, man begibt sich auf den Weg zur Besserung. Und der Gemer «befrieden, den die Gegner der Trennung stets so stark betonen? Gerccke er ist