Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1868)
- Date
- 1868-05-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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420 dustrielle Auszeichnungen; unter denen die Medaille von der Londoner Weltausstellung im Jahre 1862 und die Medaille von der Exposition universelle in Paris im Jahre 1867. Unter Anderen wurde Herr Straschitz schon früher von Sr. Kön. Hoheit dem Prinzen von Wales für Ueberreichung eines Reiseanzuges mit einer goldenen Medaille ausgezeichnet und wurde ihm die Ehre der Annahme einer prachtvoll gearbeiteten Lagerdecke von Sr. kaiserlichen Hoheit dem Kronprinzen von Frankreich, einer gleichen von Sr. kais. Hoheit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich zu Theil. Selbstverständlich verdient das industrielle Unternehmen des Herrn Straschitz allgemeine Anerkennung und liefert den Beweis, daß man in jedem Stande Bedeutendes leisten kann. (P. Ggt.) Feuilleton. Aaööi Markus Nenedikl. Ein biographisches Charattergemälde von Gustav Karpeles. Einleitung. „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr." Dieser Ausspruch des großen Propheten ist das Motto der jüdischen Geschichte geworden! Nicht auf den blutbefleckten Schlachtfeldern, nicht in den Turnieren und Waffenspielen des rohen Mittelalters haben Israels Heldenmänner Ruhm und Preis errungen, sondern in den Schlachten des Geistes und in den Kämpfen für ihr heiliges Gesetz. Nicht umsonst weisen die Völker auf die geistige Kraft Israels bin! Ist es ja doch das Erbe unserer Ahnen, kl im beruchi nur im Gottesgeiste zu leben, zu kämpfen und zu siegen. Der Gegenwart ist leider dieses Gottesbewußtsein fast abhanden gekommen, und eS gibt kein besseres Mittel, in zagenden und wankenden Gemüthern dieses Bewußtsein zu wecken und zu heben, als von Zeit zu Zeit aus dem reichen Schachte unserer großen Geschichte solche Helden der Gotteslehre an ihrem geistigen Auge vorüberziehen zu lassen. Einen solchen Helden schildert auch mein heutiges Bild. Nur wenigen unserer lieben Leser wird der. Name Rabbi Mordechai Benedikts, oder Benet's, wie er im VolkSmunde hieß, unbekannt sein. Viele werden noch auS den Zeiten ihrer Jugend sich des in Israels ausgezeichneten Mannes erinnern, manche vielleicht noch lernbegierig zu seinen Füßen gesessen haben, die Meisten jedoch nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und Lehrer von dem Streben und Wirken dieses gotthegeisterten Meisters in der GotteSlehre Kunde, erhallen haben. Aber noch ein anderes wichtiges, culturhistorischeS Moment bietet uns die Lebensgeschichte R. Mordechai Benedikt's dar. ES hat sich in dem letzten Decennium unläugbar ein Rückschritt zum Bessern in Israel kundgegeben. Die orthodoxe Partei ist erstarkt und gekräftigt und in ihren Schooß eitt gar mancher, den des Schicksals Unbilden den Weg zur Religion gezeigt haben. Haben nun früher die Reformer jeden einzelnen aus ihrer Mitte, der sich für die heilige (?) Sache der Reform durch Einführung der Orgel, Abschaffung der Piuttm re. ein unsterbliches Märtyrerthum erworben, glorisicirt und in unzähligen Biographien. so z. B. den seichten Reformer Jacobsohn, David Friedländer und Consorten gefeiert und sie zur Nachahmung für Mit- und Nachwelt aufgestellt, so ist es jetzt Sache der Orthodoxen, den getäuschten und irregeführten Glaubensbrüdern die Männer vorzuführen, die ein festes Bollwerk gegen jede Reform bildeten, die trotz Verfolgung und bitteren Hohnes nicht wankten und nicht wichen, und denen wir es ausschließlich zu verdanken haben, daß das gefahrdrohende Irrlicht der Reform nicht so heftig um sich greifen und das Haus Juda zu einem Feuerbrande machen sollte. Und ein solcher Mann war Rabbi Mordechai Benedikt. Er war einer der wenigen Männer, die den Geist der Zeit richtig verstanden, die es wohl erfaßten, daß eine Zeit der Prüfung für Israel herannahe und die darnach auch.ihre ganze Tbätigkeit einrichteten. Man würde sehr irren, wollte man sich R. Mordechai Benedikt bloS als einen eifrigen Rabbi, umgeben von einer gelehrigen Schülerzahl, vertieft in halachische Studien, in seiner finstern Studierstube denken, während draußen die Sonne einer neuen Zeit mit neuen Wünschen und neuen Bedürfnissen, chre ersten Strahlen in das Dunkel der Judengaffe warf. Wohl — und gerade deshalb ist sein Wirken ein bewunderungswerthes war er groß als Gesetzeslehrer in Israel, seiner Zeit eine Autorität in allen kasuistischen Entscheidungen, um dennoch unterließ er eS nicht, bei seinen Schülern den Mangel aller weltlichm Bildung zu rügen und sie zum eifrigen Studium der Bibel und der hebr. Grammattk, sowie zur Beschäftigung mit den Profanwissenschaften anzuhalten. Ein solcher Mann im Anfänge unseres Jahrhunderts, von den bedeutendsten Rabbinen in den schwierigsten Untersuchungen um Rath befragt, der Regierung seines Landes.deutsche Gutachten über jüdische Angelegenheiten abgebend, ein Muster und Ideal wahrer Frömmigkeit, in der ganzen Judenheit geliebt und geehrt, ist es vor Allem würdig, in den Spalten dieses geschätzten Blattes den theuern Lesern und Leserinnen in einer ausführlichen Besprechung vorgeführt zu we.den. „Denn,, wer den Guten seiner Zeit genug gethan, Der hat gelebt für alle Zeiten." (Forts, folgt.)