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Der Israelit · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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zuerst an einen Bekonntm in Eöln, damit dieser eS daselbst zur Pest glbe; sonst hätte Ieidt Elvirens Adresse durch die hiesige Post verrathen werden können. Vater und Mutter schrieben der neugewonnenen Tochter die zärtlichsten Briefe und sandten ihr die heißesten Segen-Wünsche; zugleich eröffnete ihr Herr Metz einen unbeschränkten Credit bei einem der ersten Bankhäuser der holländischen Hauptstadt. In meinem Briefe an Clviren gab ich ihr den Rath, in ihrem Schreiben an Wetting Paris als ihren Aufenthaltsort zu bezeichnen. Zugleich gab ich ihr die Adresse eines Freundes in der französischen Capitale, an den sie ihre Briefe zur Beförderung an Wetting senden sollte. Alle diese Vorsichtsmaßregeln erwiesen sich später durchaus nicht als überflüssig. Als Wetting den Brief Elvirens empfangen und gelesen hatte, schäumte er vor Wuth. Augenblicklich ließ er einen geschickten Agenten zu sich kommen und sandte ihn mit den besten Empfehlungen an das Polizeipräsidium zu Paris, damit er mit dessen Untersiützung Elvire und deren Tochter zur Rückkehr veranlasse. Auch nur waren nicht träge und wußten von allen Schritten Wettings Kunde zu erhalten. Bald kam uns denn auch die Nachricht zu, daß man Elvirenö Aufenthalt in Amsterdam erfahren und daß Wettings Emissär dorthin abgereist sei. Wir befanden uns in der größten Angst. Wer bürgte uns dafür, daß der Minister nicht Mittel und Wege fand, Frau und Kind gewaltsam wieder in sein Haus zu bringen, und was würde dann deren LooS sein? Da ricth ich Metz zu einem verzweifelten Mittel, dessen Erfolg mir jedoch gesichert schien. Es war im Jahre 185V als der Conflict zwischen Oesterreich und Preußen beinahe zu einem so blutigen Kampfe geführt hätte, wie ihn daS Jahr 66 wirklich gesehen hat. Damals schien der Krieg zwischen den beiden deutschen Vormächten noch unvermeidlicher als sechSzehn Iabre später, und schon standen sich bei Bronzelles die Heere kampfbereit gegenüber. Natürlich ward durch solche kriegerische Auesichlen das Vertrauen in Handel und Verkehr au's Furchtbarste erschüttert; die Staatspapiere fielen wie das Quecksilber im Barometer bei plötzlich eintretendem Gewitter; viele Firmen bedeutender Handlungshäuser mußten sich insolvent erklären. Auch in unserer kleinen Residenz verbreiteten sich in Bezug auf die Zahlungsfähigkeit unseres ersten Banquiers die beunruhigendsten Gerüchte. Bald hieß es, Metz habe in österreichischen Pap eren über seine Kräfte ipeculirt, bald hieß eS, er habe große Summen an gefallene Häuser verloren. Eine furchtbare Aufregung bemächtigte sich der ganzen Stadt. Viele kleine Leute hatten ihre Ersparnisse, ihr geringes Vermögen bei Metz deponirt; von allen Seiten strömten sie nun herbei, ihre Einlagen zurückzufordern. Metz machte Schwierigkeiten, bat um Aufschub, zahlte zwar den Ungestümsten ihre Forderungen, bat aber Andere, ihm Zeit zu gönnen und ihn nicht zu ihrem eigenen Schaden zum Banquerotte zu drängen. Viele hatten Mitleid mit dem allgemein als streng rechtlich bekannten Manne, zumal da er versicherte, daß, wenn man ihm Zeit ließe, er zwar als armer, aber doch als ehrlicher Mann aus dieser Calamität hervorgehen würde. Mit der größten Sorgfalt ließ Wetting über alle diese Vorgänge Erkundigungen einziehen. Es blieb ihm kein Zweifel — sein Schwiegervater war ein armer Mann geworden, von dem keine reiche Erbschaft mehr zu erwarten war. Jetzt pries er den Zufall glücklich, daß Elvire ihn gerade um diese Zeit heimlicher Weise verlassen hatte. Unterdeß hatte sich der Emissär Wettings nach Amsterdam begeben, da die Pariser Polizei meinem dortigen Freunde die wirkliche Adresse Elvirens abzulocken verstanden hatte. Die Bemühungen des Emissärs blieben nicht ohne Erfolg. Mit den ausgedehntesten Vollmachten versehen, gelang es ihm, den Amsterdamer Behörden Elvire als eine höchst verdächtige und gefährliche Abenteurerin darzustellen und ihre Heimsendung auf polizeilichem Wege zu veranlassen. Elvire hatte keine Ahnung von dem Ungewitter, das sich üler ihrem Haupte zu entladen im Begriffe war. Da erhielt der Emissär eine telegraphische Depesche, durch die ihm befohlen wurde, nicht allein den ganzen Plan fallen zu lassen, sondern auch, wo möglich, die Rückkehr Elvirens nach Hause zu verhindern. Jetzt nun mußte er sein eigenes Lügengewebe enthüllen und sich selbst den holländischen Behörden als einen Betrüger darstellen, damit Clviren's Aufenthalte in Amsterdam von dieser Seite keine Schwierigkeiten bereitet würden. Die Tochter meines Freundes erfuhr erst spater durch Zmall von dem ganzen Manöver, das sie fast ins Unglück gestürzt hätte. — So wolltet manä mal schützend die Hand der Vorsehung über uns, während wir selbst von den Gefahren, die uns bedrohen, nichts wissen und sorglos der Zukunft entgegengehen. Wetting reichte bald nachher eine Scheidungsklage „wegen böswilligen Verlassens" ein. Das Gericht nahm keinen Anstand, Wettings Gründe anzuerkennen und die Scheidung auszusprechen. Nicht lange nachher verlobte sich der Minister mit einem Fräulein aus einem der ältesten und einflußreichsten Adelsgeschlechter des Landes. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. - Verlag der Le Roux'schen Hosbuchhanvumg. — Dampf - Schneltpreffendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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