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Der Israelit · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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415 Türkei. Eonftarrtirrop el. Die Namen der Mitglieder des neuen türkischen Staatsrathes wurden neulich veröffentlicht. Im neuen Staatsrathe sind 45 Türken, 9 Armenier und 3 Juden. Amerika. New-York, den 3. Mai. Die jährliche Versammlung des Board of Delegates der amerikanischen Israeliten wird dahier am 17. Mai stattfinden. S£ett*»Die Unterstützungssumme für die Israeliten zu New-Orleans wahrend des Wüthenö des gelben Fiebers im vorigen Herbste beträgt 30,000 Dollar (75,000 st.); davon trug die Stadt New-Aork mehr als die Hälfte bei. (Je«. Meff.) Kingston. (Jamaica). Der „Colonial Standard" von Jamaica meldet der Tod unseres Glaubensgenossen, Herrn Moses Mendes Sollas aus Kingston. Das Blatt rühmt dessen frommen Lebenswandel; seine statistischen Studien seien oft im englischen Parlament titivt worden. Feuilleton. Ktvire. (Mitgethrilt von einem Rabbiner.) (Fortsetzung.) X. Als Elvire meinen Brief empfangen und gelesen hatte, da stand ihr Entschluß fest, allen Versuchungen zu widerstehen und das Band zu lösen, das sie an Wetting knüpfte. Sorgfältig verbarg sie ihrem Galten ihre Absichten;^ dieser hatte gerade in wichtigen Staatsangelegenheiten so viel zu thun, daß er semer Gemahlin keine genauere Beachtung schenken konnte. Da überdies Elvire angefangen hatte, beim Oberhofprediger Unterricht in der christlichen Religion zu nehmen, so fühlte sich Wetting überglücklich; und kein Verdacht stieg in ihm auf von dem, was im Geiste seines Weibes vorging. So vergingen einige Wochen; ich hatte unterdeß die größte Mühe, Adolph zu beschwichtigen und von übereilten Schritten abzuhalten. Das unbegrenzte Vertrauen, welches er in mich fetzte, trug dazu bei, daß er bald meine Zuversicht auf eine glückliche Wendung der Dinge theilte. Es war Frühling geworden; das Peßachsest war vorüber, und man zählte die Tage uvd Wochen bi» zum Wochenfeste. Die Natur schmückte sich mit ihrem schönste» Schmucke. Dir Bäume standen in voller Blüthe, und die warmen, sonnigen Tage luden zu Ausflügen auf das Land ein. Nicht weit von der Residenz hatte der Minister ein Landgut. Elvire sprach den Wunsch aus, es schon jetzt zu beziehen, und Wetting fand diesen Wunsch gerechtfertigt. Elvire zog mit ihrem Töchterchen, Helene hieß es, auf das Land. Als sie einige Tage aus dem Gute verlebt hatte, kam Wetting zum Besuch hinaus; er blieb aber nur einen Tag; erst in vierzehn Tagen, sagte er, könne er den Besuch wiederholen. Dringende Geschäfte machten seinen ununterbrochenen Aufenthalt in der Residenz nothwendig. Nachdem Wetting wieder abgereist war, erklärte Elvire ihrer Dienerschaft, daß sie mit ihrem Töchterchen einige Tage bei einer Freundin in einer benachbarten Provinzialstadt zubringen wolle. Sie ließ sich nach jener Stadt fahren, stieg bei der Freundin ab und schickte den Wagen wieder heim. Die Provinzialstadt liegt an der Eisenbahn. Elvire sagte der Freundin, daß sie wegen eines Unwohlseins einen Professor in der Universitätsstadt *** besuchen wolle. Die Freundin begleitete sie nach dem Bahnhofe, und Elvire nahm ein Billet nach ***. Der Zug war ein Courierzug; unterwegcs gab Elvire dem Schaffner Geld, daß er ihr in *** ein Billet nach Amsterdam besorgen und ihr Gepäck dahin umexpediren lassen solle. Am andern Tage kam Elvire glücklich mit ihrem Töchterchen in Amsterdam an. Wie erstaunte ich, als ich wenige Tage nachher einen Brief von Elviren von Amsterdam aus nebst einer Einlage an deren Eltern erhielt; Elvire bat ihre Eltern reuig um Verzeihung; sie erklärte, daß sie nie mehr zu Wetting zurückkehren, daß sie bis zum letzten Athemzuge im jüdischen Glauben verharren, daß sie ihr Töchterchen zu einer frommen, echten Jüdin erziehen lassen wolle. Wer malt das Entzücken der Eltern, als sie diesen Brief erhielten! Sie wollten sofort Beide nach Amsterdam reisen, um die reuige Tochter an ihr Herz zu schließen. Ich rieth jedoch ernstlich davon °aö; man konnte nicht wissen, wie sich Wetting zu allem Dem stellen würde; immerhin war er ein mächtiger Mann, und es schien klug, ihm den Aufenthaltsort Elvirens zu verheimlichen. Wie le.cht konnte er bei seinem großen Einflüsse Mittel und Wege aussindig machen, um Elviren zur Rückkehr zu ihm zu zwingen oder wenigstens das Kind an sich zu reißen! Ich machte deßbalb meinem Freunde die größte Vorsicht zur Pflicht. Unser Antwortschreiben schickten wir daher

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