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Der Israelit · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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413 kam, an welchem die Ceremonie der Aufnahme des Kindes in die Religionsgemeinschaft der Juden vorgenommen werden sollte, nahm der Bauer W. das Kind, versteckte eö und taufte es heimlich. Bevor nun die Ceremonie begann, erklärte er, der Knabe sei ein Christ und der rituelle Akt könne nun nicht mehr vorgenommen werden. Hierüber entstand eine große Bestürzung, man telegraphirte sofort an die Behörde nach Czernowitz, und von dort wurde sofort eine strenge Untersuchung eingeleitet. Munkaez (Ungarn). Die hiesige Gemeinde besteht theilweise aus Orthodoxen, theilweise aus Chassidäern. Man war gespannt, zu erfahren, mit welcher Partei es der unlängst von St. Peter hierherberufene Oberrabbiner Herr H. Schreiber halten würde. Welcher Partei er sich auch zuneigen würde, die andere würde ihm dann zur unversöhnlichen Feindin werden. Jede der Parteien suchte nun den neuen Oberrabbinen durch ein ansehnliches Ehrengeschenk zu gewinnen. Da schickte der kluge Hirt beide mit dem Bemerken zurück: „Ich kenne wohl eine isr. Gemeinde, aber keine orthodoxe und chassidäische Partei." Den beiden Parteien blieb nun nichts übrig, als sich zu vereinen und den Oberrabbinen gemeinsam zu beschenken, und so ist der lang entbehrte Friede wiederhergestellt. — Möge es dem würdigen Rabbinen gelingen, denselben für immer zu erhalten. Krakau. Trotz der vollständigen Emancipation werden wir Juden immer noch oft an die Zeiten erinnert, in welchen wir fortwährend unterdrückt wurden. Bis zur neuen Aera war es dahier verboten, neue Maaren auf den Marktplätzen zu verkaufen. Vor einigen Wochen wollten die Inden von den nunmehr erlangten Rechten Gebrauch machen und brachten neue Maaren aus den Markt. Hierüber zürnten die christlichen Kausteute und machten sich in großer Anzahl über die Juden her und verwundeten mehrere derselben, selbst auch den Regierungsbeamten, der zum Schutze der Juden herbeigeeilt war. Ein Jude wurde so schwer verwundet, daß man ihn sofort in das jüdische Hospital bringen mußte. Sein Vater erschrack über das seinem Sohne begegnete Unglück sehr, daß er plötzlich umfiel und eine Leiche war. (Hamagid.) Holland. Amsterdam. Der Hofarzt, Herr vr. S. R. Dentz von hier, wurde vom König von Holland mit dem Ritterorden der Eichenkrone decorirt. (N. Weekbl.) Sffptterbäm. Herr L. PrncoffS von hier wurde zum Mitgliede der Provinzialstaaten erwählt. (N. Weekbl.) Italien. Rom. Der Pabst hat vor einigen Wochen diejenigen Aerzte, die sich bei der letzten Cholera sehr verdient gemacht haben, mit Orden decorirt. - Auch einigen jüdischen Aerzten wurden Orden verliehen. Frankreich. PoriS. In Folge der Wahlen, welche jetzt zur Ergänzung des Central-Comites der „All. Isr." stattfinden, treten die Herren Albert Cohn, Derenburg, Horn, der Oberrabbiner Isidor, L. Lehmann, und H. Rodrigues aus. Paris. Herr Cremieux wird nächster Tage in besonderer Mission nach Rumänien gehen, um für seine Glaubensgenossen zu wirken. Paris, 5. Mai. Es wurde uns von der „All. Isr." der Wortlaut einer Adresse mitgetheilt, welche dieselbe an die Großmächte wegen der Juden in Rumänien gerichtet hat. In der Adresse sind all die Klagen der dortigen Israeliten aufgeführt, die wir bereits ausführlich mitgetheilt haben. England. London. Mittwoch den 13. Mai fand das Jahresfest des bürgerlichen Frei-HoSpsials statt. N. M. v. Rothschild, zu dessen Rechten Erzbischof Manning saß. präsidirte bei dieser Gelegenheit. Für die jüdischen Mitglieder, die das Festessen mitmichten, war wie alljährlich, eine besondere Tafel mit koscher zubereiteten Speisen gedeckt. Seit drei Jahren sind bei der Verwaltung dieses Spitals auch Juden, die besonders über ihre Glaubensgenossen die Beaufsichtigung zu führen haben. 295 arme Juden und ungefähr 20000 jüdische Kranke haben während dieser Zeit Aufnahme in demselben gefunden. Der Präsident hob in seiner Rede besonders die erfreuliche Wahrnehmung hervor, daß der Glaubc seiner jüdischen Mitbürger in diesem Spitale ebenso respektirt werde, als wenn diese unter ihren eignen Glaubensgenossen wären. Der Präsident und seine Familienmitglieder haben an diesem Tage 2500 L. (30000 fl.) für das Spital gegeben, und die Herren Defries, ebenfalls Jsraesiten, sammelten 313 L. (3756 fl). Erzbischof Manning brachte ein Toast auf Baron v. Rothschild aus, in welcher er den WohlthätigkeitSsinn der Familie Rothschild besonders betonte. London. Die ältesten jüdischen Schulen Londons und ganz Englands sind die der portugiesischen Gemeinde, welche vor 204 Jahren zur Zeit, als Manasseh ben Israel und andere Juden die Erlaubniß erhielten, sich in England niederzulassen, errichtet wor-

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