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Der Israelit · 1868-05-26 · Heft 22 (26.5.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 22 (26.5.1868)
Date
1868-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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412 such ohne Anstand gestattet wird. ES muß hier mljfr ein Irrthum obwalten, denn Graf Kaunitz hat im Herrenhause für die Staatsgrundgesetze gestimmt, welche die leidige Klassifikation des Menschen nach der Konfession aufgehoben haben, und einer seiner erlauchten Ahnen, der Vorkämpfer des Fortschrittes als Staatskanzler zweier hochberühmten österreichischen Monarchen, bat den Zutritt in den Garten Jedermann, ohne Rücksicht des Glaubens, gestattet. Wien. In Rumänien scheint sich denn doch endlich, wahrscheinlich angeregt durch den Fürsten, eine Reaktion gegen die Bewilligung und Vertuschung der empörenden Judenverfolgungen vorzubereiten. Wir wollen hoffen, daß sich die telegraphische Nachricht (Siehe Artikel Bukarest 13. Mai) von der Demission des Ministers des Aeußeren, Goleöko, bestätigen werde. Wien. Dem dramatischen Schriftsteller und Vorstande der Bibliothek im Ministerium für Cultus und Unterricht Ph. Dr. Salomon Herrmann Mosenthal wurde vom Kaiser von Oesterreich der Franz- Iosepb Orden verliehen. Die Unqbvarer Comitats - Congregation beschloß eine Repräsentation an das Ministerium gegen die seit der Votirung der Gleichberechtigung aus Polen eingewanderten Juden zu richten. Gleichzeitig beschloß die Congregation, die seither aus Polen eingewanderten Juden aus dem Comitate zu schaffen! Wien, 4A Mai. Im Unghvarer Comitat wurde, wie bereits gemeldet, in der vorigen Woche nach dem Vorbilde Rumäniens beschlossen, die aus Galizien eingewanderten Israeliten zu vertreiben und für die Zukunft allen I '.den die Ansiedelung zu verbieten. Der Minister des Innern hat jedoch diesen mittelalterlichen Comitatsbeschluß sür null und nichtig erklärt. Triest. Der hiesige Großhändler Salomon Edl. v. Parente erhielt von Sr. Majestät den Ritter- Orden der eisernen Krone 3. Klasse mit Nachsicht der Taxen. Ich erlaube mir, Ihren Lesern über die hiesigen Cultuszustände wie über sonstige bemerkenswerte Ereignisse eine kleine Rundschau vorzuführen. Seit dem Hinscheiven des unvergeßlichen Oberrabbiners Rappoport merkt man erst den Verlust, den wir erlitten und wie wohlthätig sein stiller Einfluß auf die nun fast in Zerfahrenheit gerathenen Zustände der hiesigen Synagogen wirkte; indem er immer vermittelnd eintrat und die Parteien zu besänftigen verstand; was ihm bei seinem milden Character stets gelang. Gegenwärtig herrscht vollkommene Anarchie, und es ist nur dem taktvollen praktischen Sinn der Repräsentanz zu danken, daß sich die mannigfachen Bestrebungen nach Neuerungen nicht gar zu weit wagen. Die Oberrabbinerfrage ist für jetzt suspendirt. Es haben sich zwar ganz tüchtige Männer in Competenz gesetzt und ich will nur dm hochberühmten Gelehrten Lebusch Malbim, stüher in Bukarest, jetzt in Lunschütz, nennen, allein, wiewohl Prag einen pw braucht, so möchte der Erwähnte aus naheliegenden Gründen doch nicht geeignet erscheinen. — Seit November vorigen Jahrs erscheint hier ein Blatt, welches die jüdischen Interessen xar excellence vertreten möchte, nichtsdestoweniger für Orgeln in der Synagoge und derlei „Kleinigk.iten" stets ein belobendes und rühmendes Wort hat. Will das Blatt wahrhaft orthodox sein, so möge es auch consequent verfahren und sich immer auf den Standpunkt der maßgebenden Poßkim stellen. Vom Cantor Herrn Flamm, einem Manne von tüchtiger Fachkenntniß, erscheint nächstens ein Handbuch für Cantoren zum Gebrauche bei Funktionen außerhalb der Synagoge m,t Notenbeilagen. Das Büchlein ist sorgfältig geordnet, der musikalische Theil sehr melodiös und gefällig, und dürfte dasselbe sich in den betreffenden Kreisen viele Freunde erwerben. Praq. aller Stille und Bescheidenheit constituirte 'sich hier ein Talmudverein, der dazu angethan ist, das Studium des Talmuds wieder zu verallgemeinern und das Interesse für denselben zu heben. Zwar bestand dieser Verein seit mehr als zwanzig Jahren und zwar unter dem Präsidium des verewigten Oberrabbiners Rappoport; die Bedeutung desselben war aber sehr schwach, da das Studium nur ganz nach gewöhnlicher herkömmlicher Weise eines mytt' d"itr betrieben wurde. Gegenwärtig sind demselben namhafte Talmudisten beigetreten, und wird zwar nur wenig, aber mit größerer Vorbereitung vorgetragen. Alle Mitglieder haben die Pflicht, vorzutragen. Die Vorbereitungumfaßt, außer Tosafoth und Meharscha, alle Rischonim, deren Ansichten vom Vortragenden auseinander zu setzen sind; diese gerade nicht leichte Aufgabe spornt auch Minderbegabte zum Fleiße an. Alle Prediger*) sind Mitglieder des Vereins, und zu ihrem Lobe sei es gesagt, sie sind die eifrigsten Besucher des Vereines. Sie sehen, daß auch hie und da etwas Gutes geschieht, trotzdem, daß die Zeit im Allgemeinen dem Studium der Thora nichts weniger als günstig ist. Mit dem neuen Statute scheinen sich unsere Repräsentanten nicht sehr zu beeilen. Aus Re'dautz, 30. April, schreibt man der „Vstdtztg.": Dieser Tage hatte sich bei uns ein Vorfall ereignet, an dem sich die Macht der Staatsgründgesetze am besten erproben kann. Ein hiesiges Iudenmädchen hat ein uneheliches Kind geboren und beim Bauer W. Unterkunft gefunden. Als der Tag heran- *) Anm. der Red.: Auch Herr Dr. Kohn von der Klaus- Synagoge? Dann wäre der Verein in Gefahr, ein Moschab Lezim zu werden.

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