Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1868)
- Date
- 1868-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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411 Woher soll aber denn Religiosität kommen, wenn in einer Gemeinde wie WormS — hier sträubt sich meine Feder, es niederzuschreiben, 7— wenn in einer Gemeinde wie Worms, sage ich, feit vielen Jahren nicht einmal eine ordentliche Religionsschule besteht, und der ganze jüd. Unterricht sich aus einige etwaige Privatstunden erstreckt und somit jeder Aufsicht entbehrt? 'Wie und wo soll nun diese edle Pflanze, Religion genannt, gedeihen, wenn kein Boden vorhanden ist, in welchem dieselbe gezogen und gepflegt wird? Ließen sich hier nicht vielleicht mit voller Wahrheit die Worte anwenden: — : mm1? i’D — rpm v'-i'v-n rpoyn „Stellet vüle Schüler aus, — so machet ihr einen Zaun um das Gesetz!?" Wir wollen dem geschätzten Verfasser sein Recht zur Klage gewiß nicht bestreiten; wäre aber der Umstand, daß in einer so alten und großen Gemeinde keine Religionsschule besteht, nicht mindestens eben so beklagenswerth? Da bieten doch unsere Landgemeinden in dieser Beziehung .->"2 ein freundlicheres Bild! Da werden keine Opfer gescheut, um die Pflanzstätten für Glauben und Lehre, d. h. Schule und Gotteshaus zu erhalten. Auch die kleinste jüd. Gemeinde sorgt dafür, daß ihre Kinder, wie man zu sagen pflegt, nicht gehen. Ja, einige dieser Landgemeinden verdienen in dieser Beziehung ganz besonders rühmender Erwähnung. Da ist z. B. die Gemeinde Biblis mit ungefähr 2 b—30 Familien. Dieselbe hat eine Elementar- und Religionsschule, an welcher zwei Lehrer angestellt sind, die zusammen 15—1600 fl. Gehalt beziehen. Außerdem wird noch die Wittwe des daselbst verstorbenen, allgemein geachteten und geliebten Lehrers K. n"y* von der Gemeinde auf's Liebevollste unterstützt. Ueberhaupt verdienen viele Gemeinden des Kreises Bensheim und Heppenheim als Muster ausgestellt zu werden, wie in denselben für die drei Grundpfeiler der moralischen Weltorduung, für n"D"u moy ,min gewirkt wird. Viele Lehrer dieser verhältnißmäßig kleinen Gemeiuden beziehen ein jährliches Einkommen von 6—700 fl., sind somit der drückendsten Nahrungssorgen überhoben und können sich mit Liebe und Hingebung ihrem heiligen Berufe widmen. Aber auch für die echt jüdische Wohlthätigkeit ist hier ein fruchtbares Feld gefunden. Fast in jeder Gemeinde besteht eine ein Wohlihätigkeitsverein. In Lorsch besteht seit vielen Jahren eine röD poan "n für Lorsch und die umliegenden Orte, welche im Ganzen nur etwa. 20 Mitglieder zählt, aus welcher aber alle zwei Jahre ein armes Mädchen 600 fl. zur Ausstattung erhält. Aehnliche nron bestehen in Biblis und in Pfungstadt. Auch bei den kürzlich veranstalteten Sammlungen zu Gunsten unserer hungernden Brüder in Rußland und Poley haben die hierländischen Gemeinden ihren Wohlthätigkeitsstnn in edler Weise bewährt. Bei solchen Veranlassungen steht hier fast immer mit schönem Beispiele ein Mann an der Spitze, von welchem man einst mit Recht und mit der schönsten Bedeutung wird sagen können: — : OT-rn ,rpn mn» Möge dieses schöne Streben der erwähnten Gemeinden immer mit den besten Erfolgen gekrönt werden und manche Stadtgemeinde sich dieselben zum Vorbilde nehmen. Das Resultat der diesjährigen Prüfung im isr. Knaben - Institute zu Pfungstadt war auch in diesem Jahre wieder, wie der Einsender sich zu überzeugen Gelegenheit hatte, sowie nach demUrtheile Aller, die dieser Prüfung beiwohnten, ein sehr glänzendes. In Iserlohn feierte am 10. Mai ein israel. Ehepaar, Herr Philipp und Frau Jeannette Wertheim, das goldene Hochzeitsfest unter der lebhaftesten Betheiligung der christlichen wie der jüdischen Bevölkerung. Auch der Landrath des Kreises, Herr v. Overbeck, sandte seine Gratulation, und Abends kam eine Gratulationsdepesche aus Berlin von — Sr. Majestät dem Könige. Herr Lehrer Goldberg hielt die mit großem Beifalle aufgenommene Festrede. Das greise Jubelpaar ist reich mit Kindern und Enkeln, aber durchaus nicht mit Glücksgütern gesegnet; um so anerkennenswerther ist die allseitige Betheiligung an diesem schönem Feste. Frrldw. Am jüngst verflossenen 'ami rwyn fand in der hiesigen Synagoge ein -isdh für den sel. vr. Rosenberg, der fast 10 Jahre lang das Amt als Provinzial-Rabbiner hier bekleidet hat, Statt. Der Prov. Rabbiner Dr. Enoch führte, mit der an ihm anerkannten, längst bewährten Meisterschaft der Rede und der geistreichen Behandlung schwieriger Hagadoth unter Zugrundelegung des Textes upy nrm und des damit verbundenen rmn mn nun hjö, die Wirksamkeit seines Amtsvorgängers, sowie des treuen Seelenhirten überhaupt, nach den verschiedenartigsten Richtungen hin, in so anschaulicher, ergreifender Weise, seinen Zuhörer vor, daß ein mächtiger Eindruck nicht zu verkennen war — der schönste, wohlverdienteste Lohn sowohl dem, welchem der Nachruf gewidmet, ars dem, der aus vollem Herzen ihn zu spenden vermochte. — Österreichischer Kaiserstaat. Wien. Wie dem „Mähr. Corr." mitgethellt wird, gefällt sich der Besitzer von Austerlitz, Graf Albrecht Kaunitz, darin, den daselbst wohnhaften Israeliten den Eintritt in den Schlohgarten zu verbiete«, während der christUchen Bevölkerung der Be-