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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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395 digungen vorhanden war, deren Gegenstand unsere Regierung geworden ist. „Schmerzlich berührt von den Kränkungen, welche für sie aus jenen fortgesetzten Anschwärzungsversuchen erfließen, die in vielen amtlichen Berichten den Anschein einer systematischen Feindschaft annehmen, weiß die Regierung nicht, Herr Agent, welchen Ursachen sie dieselben zuschreiben soll; denn sie kann sie sich nur durch die unwiderruflich gefaßte Absicht erklären, ihr Schwierigkeiten zu schaffen, indem man im Innern des Landes Keime beständiger Aufregung säet. Aber diese Erklärungsweise, Herr Agent, wäre im völligen Widerspruche mit den wiederholten Zeugnissen ehemaligen Wohlwollens, und wir wollen nicht anmhmen, daß die garantirenden Mächte, die so viel für Rumänien gethan haben, ihr Werk zurückzunehmen beabsichtigen, indem sie unserer mühsamen Organisation Schwierigkeiten in den Weg legen." Wie stimmt dieser gleißnerische Ton zu den Thaten der rumänischen Regierung? Wie kann Herr GoleSko die Unverschämtheit haben, an das „Wohlwollen" der Mächte zu appelliren, während er die aus dem Nachbarstaate Oesterreich ankommenden Reisenden an den Grenzstationen chikaniren und insultiren läßt? -— Oder weiß Herr Golesco nichts von diesen Heldenthaten seiner Grenzwächter gegen friedfertige Reisende? Auch diese Möglichkeit wollen wir bei den anarchischen Zuständen in Rumänien und bei der notorischen Schwäche der dortigen Negierung zugeben. Ist ja doch daS Haupt und die Seele des Ministeriums, Bratiano, als er auf der Rückreise von Jassy Baku passirte, vom Pöbel auf der Gasse angehalten worden. Das Volk verlangte die Wiedereinsetzung des Judenfressers Lecca und überhäufte den Minister mit Vorwürfen, weil er die Juden beschütze, die preußischen Eisenbahnen begünstige und sich in seiner Politik mehr zu Frankreich als zu Rußland neige. Zwar hatte Bratiano, wie wir einem Bukarester Briefe der „Presse" entnehmen, so viel männlichen Muth, um dem Pöbel zu antworten, daß die Regierung eine barbarische Verfolgung der Israeliten weder dulden könne, noch wolle; aber der tolle Plebs von Bakeu war durch diese Erklärungen keineswegs zufriedengestellt, und der Minister und angebetete Volksmann Bratiano mußte froh sein, mit heiler Haut aus der Moldau zu entkommen. Ob unter diesen Umständen das Ministerium Bratiano noch lange im Stande sein wird, die Zügel der Regierung zu halten, ist zweifelhaft. Wien. Der politische Agent des Wiener Hofes in Bukarest, Generalconsul Baron Eder, weist in einer Note die Beschuldigungen zurück, welche der rumänische Minister Stephan GoleSco in seinem diplomatischen Rundschreiben vom 22. April d. I. insbesondere gegen den österreichischen Consular - Agenten in Jaffy, Herrn Wohlfahrt, ausgesprochen hatte. Das Eder'sche Antwortschreiben, welches, vom 24. April datirt, gleichzeitig in Paris, London, St. Petersburg und Berlin zur Kenntniß der betreffenden Regierungen gebracht worden ist, sucht ausführlich die Beschuldigungen des Ministers zurückzuweisen. Der Generalconsul sagt darin: „In Folge der wiederholten Scbritte, welche ich im Interesse der in der Moldau verfolgten Israeliten bei Ihnen zu thun die Ehre hatte, haben Sie am 22. l. M. eine Note an mich gerichtet, worin Sie gegen Anschuldigungen protestiren, deren zäher Fortdauer — wie Sie sich äußern — nur ihrer Falschheit gleichkomme. Die Nachricht von den neuesten Verfolgungen der Israeliten in der Moldau ist mir Anfangs durch den Telegraphen zugegangen. Diesen sehr kurz gefaßten und unvollständigen Mittheilungen setzten Sie förmliche, auf Berichte des Herrn Präsecten von Bakeu gestützte Ableugnungen gegenüber. Ich mußte die Ankunft der Briefe und Schriftstücke abwartcn, deren Absendung man mir angezeigt hatte. Erst gestern hat mir die Post umständliche Berichte gebracht; diese haben mich in den Stand gesetzt, die Wahrheit festzustellen und die traurigen Einzelheiten, von welchen die gegen die Israeliten in der Moldau ergriffenen Maßregeln begleitet waren, in unwiderleglicher Weise zu constatiren. Ich habe gegenwärtig eine Reihe von Dokumenten in den Händen, die bis zur Evidenz beweisen, daß die Maßregel der Außtreibung der Juden aus den Landgemeinden beinahe im ganzen Districte von Bakeu zur Anwendung gekommen ist. Die wenigen israel. Familien, welche sich daselbst noch aufhalten dürfen, haben diese Duldung mit schwerem Gelbe erkaufen müssen. Das Organ der Regierung, der Herr Präsect Lecca, ist es, welcher zuerst daS Beispiel dieser Verfolgungen gegeben hat, indem er von seinen eigenen Besitzungen die sieben jüdischen Familien vertrieb, welche sich daselbst befanden. Im Districte von VaSlui sind 22 Familien verjagt woroen, die fämmtlich auf Grundlage von Verträgen, welche durch die Bürgermeister der betreffenden - Ortschaften legalistrt waren, WirtheHäuser, Gasthöfe, Mühlen, Brücken und Branntweinbrennereien in Pacht halten. Im Districte von Foltitscheni haben die Unterpräfecten den moldau'- schen Gutsbesitzern den Befehl zugehen lassen, von Georgi ab ihre Pachtverträge mit den Juden nicht mehr zu erneuern, und sie zugleich angewiesen, diesem Befehle auf das Stricteste nachzukommen, wenn sie sich nicht Maßregeln der Strenge aussetzen wollen. In Bakeu hat sich die Nationalgarde, welche aus Anlaß des Osterfestes versammelt war, Hinreißen lasten, grobe Ausschreitungen gegen österreichische Unterthanen mosaischer Religion zu begehen, und hat man sich nicht darauf beschränkt, die Lebenden zu insultiren, sondern man

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