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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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394 Dienste entfernte Beamte — und eS gibt deren Tausende, da hier täglich die Beamten gewechselt werden — will durch die Presse sich bereichern; so entstehen täglich eine Unzahl Blätter. Da aber hier die Druckkosten sehr hoch sind und eS sehr wenige Leser gibt, da überhaupt nur sehr wenige lesen können, so müssen anderswo die Mittel gefunden werden, um diese Blätter, wenn auch nur momentan zu erhalten. Die Juden hatten früher die Dummheit begangen, einige Blätter zu subventioniren, jetzt wollen alle Blätter von ihnen subventionirt sein; da dieses unmöglich ist, so fallen alle Blätter über die Juden her in der Hoffnung, eine Subvention zu ertrotzen. — Dieses die politischen und financiellen Gründe der Judenverfolgung. Was die einzelnen Fakta anbelangt, so sind sie theils persönliche Chikanen, theils Chikanen der Justiz und der Administration. Es werden Hunde ans die Juden gehetzt, sie werden auf den Straßen gestoßen und geprügelt, der erste beste wird als Vagabund eingesperrt; daß die städtischen Behörden in einzelnen Orten nicht gestatten, Laubhütten zu bauen, Osterkuchen zu backen rc., kommt haufiig vor. In der Justiz ist es Praxis, daß der Jude, wenn es nur irgend möglich, jeden Prozeß verlieren muß. Ist seine Sache gar zu offenbar gerecht, so wird er ewig hingeschleppt oder einem Eide unterworfen, der gar zu sehr an's Mittelalter erinnert. Er muß den Tag vorher unter polizeilicher Aufsicht fasten; des Abends in die Mikwa gehen, die ganze Nacht stets unter polizeilicher Aufsicht bleiben, die Nägel werden ihm von Finger und Zehen, so tief, bis diese bluten abgeschnitten, des Morgend noch immer fastend von Gensdarmen begleitet wieder in die Mikwa gehen und von da in Todtenkleidern, den Eid auf die Bibel oblegen, wobei es einem chikanirenden Advokaten noch frei steht, einen neuen Termin zum Schwur und so zu erneuerter Marter zu verlangen, weil die Bibel einen Fehler habe. Endlich wollen die Gerichte nicht mehr den Verkauf eines Hauses an einen Juden bestätigen, selbst in Fällen, wo das Haus schon früher Eigenthum eines Juden war, so daß jüdische Häuser allen Werth verloren haben; ja in manchen Orten will man selbst die Reparatur jüdischer Häuser nicht gestatten. In administrativer Hinsicht werden die Juden jetzt aus allen Dorfgemeinden entfernt: nicht nur, daß man ihnen nicht gestattet, Pachtungen und Wirthshäuser zu halten, sondern man jagt sie dort von Haus und Hof plötzlich fort, wobei die untergeordneten Beamten, unter dem Vorwände, Hab und Gut der Vertriebenen unter gerichtlicher Aufsicht zu stellen, sich des größten Theils ihres Vermögens bemächtigen. Die Juden, die koscher Fleisch schlachten, dürfen das Trefa nicht verkaufen, wodurch das jüdische Fleisch fünfmal so theuer zu stehen kommt, die Juden dürfen vor 12 Uhr keine Vorräthe, Nahrungsmittel auf den öffentlichen Plätzen kaufen rc. rc. Diese Hetze hat natürlich allmälich eine Erbitterung zwischen Juden und Christen hervorgerufen und eS ist zu befürchten, daß das, waS nur wegen politischer Ursachen geschah, nun zum wirklichen Haß sich heranbilde, was dann sehr traurige Folgen haben könnte, und wovon in Bakeu und Verlad sich schon die ersten Spuren zeigten. Was werden wird, kann man nicht voraussehen. Hier kann man nur auf das Unerwartete gefaßt sein, und Karl von Hohenzallern kann eben so plötzlich eines Morgens Rumänien verlassen, wie Cusa gethan, dann aber wird hier die fürchterlichste Anarchie Platz greifen, da Jeder Fürst werden will. Möglich, daß durch die Demonstrationen gegen Bratiano die Judenfrage in den Hintergrund treten wird: aber ein gesetzlicher Zustand ist sobald nicht zu erwarten, und der Haß gegen Fremde (nicht bloß gegen Juden), und besonders gegen Deutsche, die den wenigsten Schutz hier haben, wird sich noch oft Bahn machen." Wien. Der Wortlaut der N o t e, welche der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Stephan Goleöko, des Fürsten Karl von Rumänien an seine auswärtigen Agenten in der Angelegenheit der Judenverfolgungen gerichtet hat, wird von einem rheinischen Blatte mitgetheilt. Die Einleitung dieses verlogenen Aktenstückes können wir füglich übergehen. Es wird darin der vergebliche Versuch gemacht, die rumänische Regierung weiß zu waschen. Die neuesten Thatsachen hätten nach der Darstellung des Ministeriums nur folgende Grundlage: „Einige Gemeinden des Bakeuer Kreises haben sich entschlossen, die früher mit mehreren Israeliten, welchen sie die Branntweinsteuer verpachtet hatten, abgeschlossenen Verträge nicht mehr zu verlängern. Deshalb haben die ehemaligen Pächter, die übrigens wenige an der Zahl sind, freiwillig die Ortschaften verlassen, wo ihre Gegenwart durch eine ihrem Handel ein Ende machende Entscheidung zwecklos geworden. „Die Gemeinden haben nur von ihrem Rechte Gebrauch gemacht, indem sie die Fortsetzung eines Verhältnisses zurückwiesen, das natürlich von beiden Seiten ein freiwilliges war; die Regierung aber, welcher man die Urheberschaft zuschreiben will, hat nichts mit der Sache zu schaffen, da sie nicht das Recht hat, sich in Kontrakte einzumischen, die auf dem freien Willen der Stadtverwaltungen beruhen. „Die Betheiligten haben das übrigens sowohl verstanden, daß cs ihnen nicht in den Sinn gekommen ist, gegen diese Entscheidung Verwahrung einzulegen. Sie haben sich, ich wiederhole es, ganz aus freien Stücken zum Hauptorte des Kreises begeben, wo sie übrigens ohne die geringste Schwierigkeit Seitens der Ortsbehörden ausgenommen worden sind. Sie sehen, Herr Agent, daß kein Grund zu den Beschul-

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