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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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IX. Jahrgang. Beilage za Nr. 21 des Israelit. Leitender Artikel. Numitnien. Die in Berlin erscheinende „Zukunft" veröffentlicht ein Schreiben aus Jassy, das auf die Vorgänge in Rumänien einiges Licht wirft. Wir geben dasselbe hier wieder: „Deinem Wunsche gemäß, Dir einige Details über die hiesigen Zustände mitzutheilen, will ich Nachkommen, obgleich es möglich ist, daß. durch die Ereignisse bei der Durchreise BrqtianoS in Baken, sowie durch den Zusammentritt der Kammern, und die in der Zwischenzeit erfolgte Verschiebung der Parteistellungen die ganze Anti-Judenbewegung eine andere Form und Richtung angenommen hat. Denn da das Hauptmotiv der Judenverfolgungen, abgesehen von einzelnen persönlichen Interessen, ein mehr politisches und financielles ist; so muß eine jede politische Veränderung auch auf den Stand der Judenfrage einen großen Einstuß ausüben. Von Religionsfanatismus ist hier keine Rede, ja nicht einmal von politischem Fanatismus. Bis zur Regierung Cusas, wo es nur Bojaren und Tschokois gab (das Wort Tschokoi wird Dir unbekannt sein und ich werbe gleich darauf zurückkommen), mit denen der Staat zu rechnen hatte, bestanden dieselben Gesetze, die jetzt zu den Judenverfolgungen Anlaß gaben. Sie wurden aber niemals angewendet. Nur so oft ein Minister das Bedürfniß fühlte, seiner Kasse wieder etwas auf die Beine zu helfen, ließ er den jüdischen Notablen eine Andeutung zukommen, daß es möglich wäre, die Gesetze in Praxi einzuführen. Sofort überreichten diese eine größere oder kleinere Summe und das Gesetz gerieth wieder in Vergessenheit. Anders gestalteten sich die Verhältnisse seit Kusa. Das Bojarenthum wurde gestürzt. Die Tschokoi, meist gewesene frühere Bojarenbediente, oder von Bojaren begünstigte Bauersöhne, die von diesen in ihren Häusern ausgenommen und mit den Gutspächtern und deren Söhnen die omine de casa „Menschen des Hauses" (die Klienten der alten Römer) bildeten und die niederen Beamtenstellen bekleideten, drängten vorwärts und bemächtigten sich sämmtlichcr Staatsdienste. — Diese Leute, gewohnt, sich wie die niedrigsten Sklaven von ihren Patronen, den Bojaren, behandelt zu sehen, wollen nun wieder die Tyrannen gegen andere Heloten spielen und so den hundertjährigen Druck, dep sie und. ihre Familie erlitten, rächen. Es ist der srejgewo.rdene und zur Gewalt gelangte Sklape, der wie Äerall, so auch hier wieder einen Sklaven, sucht, den er. mißhandeln könne. Da nach der Konstitution alle Einwohner mit Ausnahme der Juden frei sind, da Alle mit Ausnahme der Juden Stimm- und Wahlrecht haben, da allen andern daher geschmeichelt werden muß, so bleibt nur der Jude allein übrig, um als Helot behandelt zu werden. Dieses ist unstreitig der Hauptgrund des Druckes, der gegen die Juden ausgeübt wird. Bratiano, den ich im Grunde für aufrichtig liberal halte, dem aber alle Mittel gut sind, um endlich zu seinem Ziele zu gelangen, hat in vorigem Jahre, als der Ceperatismuö und mit ihm die Bojarenpartei, an Umfang und Einstuß zuuahm, um der Jdeenrichtung eine Ableitung zu geben, ungeschickt die Judenfrage selbst angeregt, und was er für ein momentanes Heilmittel betrachtete, zu einer akuten Krankheit herausgetrieben durch das famose Circular, worin er in Erinnerung brachte, daß die alten judenfeindlichen Gesetze noch bestehen, ja er verpflichtete sich selbst gegen die Tschokois, daß, falls die Deputirtenwahlen, die diese in Händen hätten, gegen die Bojaren- und Separistenpartei ausfallen, diese Gesetze in Wirksamkeit treten zu lassen. — Die Wahlen geschahen demnach in diesem Sinne und die 30 Deputirten, welche die 10 Artikel in der Kammer vorschlugen, verlangten eigentlich nur die klare und deutliche Ausführung der bestehenden alten Gesetze. Die ministerielle Partei in der Kammer besteht aber blos aus 36 unbedingten Anhängern Bratianos und 30 conditionellen, nicht judenfeindlichen, die aber die Judenfrage ausbeuten wollen. Außerdem gibt es ein Centrum, etwa auch aus 36 bestehend, und ein Minimum der Rechte (der Bojarenpartei.) Centrnm uud Rechte können aber nie eine Majorität, gegen die vereinte ministerielle Partei bilden, hingegen fehlt. Bratiano die Majorität, sobald die 30 nicht mehr mit ihm stimmen. Es könnte wohl eine Majorität sich aus dem Centrum und den 3ü unbedingten Bratianern bilden; aber da der Führer des Centrums, Kogolnniczon, eben so ehrgeizig, eigenwillig und eigensinnig ist, wie Bratiano, so wird es kaum zu einer Vereinigung dieser Parteien kommen können, da beide Führer kaum eine Zeit lang mit und neben einander werden gehen können. Bratiano und d S ganze jetzige Regierungssystem muß also entweder fallen, oder sich auf die judenfeindliche Partei stützen. Dieses die politische Seite. — WaS. die financielle anbelangt, so steht jetzt der Verkauf von einer sehr großen Anzahl Klosterguter bevor. Ein großer Theil der jetzigen. Gegner der Juden sind eS nur, um die Juden von der Concurrenz entfernt, zu halten und so eS zu ermöglichen, die Güter zu Spottpreisen zu kaufen. Endliche trägt auch die Presse das Ihrige bei. Jeder vom

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