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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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391 ist nicht deren, sondern Deine Schuld; die Kinder sollen demnach nur 3 Tage, Du H. aber 8 Tage Gefängniß erhalten, nachher steht es Dir frei. Dich höheren Ortes zu beschweren;" dieses Dekret wurde wörtlich ausgeführt. So geschehen in unserm aufgeklärten Jahrhundert! — Beim Schlüsse des Briefes wird uns noch aus Berlin ein eigenthümlicher Fall mitgetheilt. Kürzlich ereignete sich dort der Fall, daß, nachdem ein jüdisches Mädchen außcrehlich einen Knaben geboren, und denselben in die jüdische Religion rite hatte aufnehmen lassen, ihr plötzlich von dem Gerichte die Weisung zuging, den Knaben in der christlichen Religion erziehen zu lasien, da der Vater des Knaben ein Christ sei. Gleichzeitig wurde dem Knaben ein chriftl. Vormund von Amtswegen bestellt. Das preußische Landrecht schreibt dies allerdings so vor; mehr als fraglich scheint es aber doch noch, ob der Art. 12 der Verfassungs- Urkunde jene landrechtliche Bestimmung nicht aufgehoben hat. — rv3D t Frankreich. Nizza, 24. April. Bei Gelegenheit der Anwesenheit des russischen Thronfolgers zur Einweihung einer Kapelle zu Ehren seines verstorbenen Bruders, wurde der Secretär der iör. Gemeinde, Herr David LatteS, Lieutenant der Pompiers, mit dem russischen StanislauS-Orden decorirt. England. Londor». Das jüdische Hospital hatte im vergangenen Jahre eine Einnahme von 2400 L. (28800 fl.) und eine Ausgabe von 4000 L. (48000 fl.) Beim Festessen gingen 960 L. *(11520 fl.) ein. Amerika. Pbiladelvba. Der verstorbene Js. Leeser hat, wie wir^bereits mitgetheilt haben, den „Occident," eine Monatsschrift zur Verbreitung der Kenntniß in jüdischer Literatur und Religion, herausgegeben. Herr Mayer Sulzberger setzt die Herausgabe dieser Zeitschrift, die ihren 26. Jahrgang begonnen, fort und zwar unter denselben Prinzipien, wie sein Vorgänger, der stets das orhodoxe Judenthum nach allen Richtungen hin vertheidigte. Sun Franzisko. In der gesetzgebenden Versammlung unseres Staates wurde ein neues Sonntagö-Gesetz eingebracht. Rach demselben soll derjenige, der den Samstag als Feiertag hält, zu keinerlei militärischen und gerichtlichen Verpflichtung an demselben angehalten werden. (Oeeident.) Feirilleto«. §tv ixe. (Mitgetheilt von einem Rabbiner.) (Fortsetzung.) IX. Am anderen Tage schon verbreitete sich das Gerücht von Elvirens bevorstehender Taufe durch die ganze Stadt. Nachmittags eilte Adolph zu mir, um mir die schlimme Nachricht mitzutheilen. Der unglückliche Vater überhäufte sich mit Sclbstanklagen. „O," rief er, „hätte ich mein Kind doch nicht verstoßen! Vielleicht wäre es mir gelungen, sie wenigstens von diesem Schritte zurückzuhalten." Er hatte die abenteuerlichsten Pläne; er wollte zu seiner Tochter eilen, ihr seine Verzeihung bringen, sie beschwören, unter allen Umständen dem Glauben der Väter treu zu bleiben; er wollte den Minister zum Duell fordern. Ich hatte die größte Mühe, ihn von übereilten Schritten zurückzuhalten. Mit großer Anstrengung gelang es mir, ihm das Versprechen abzuringen, daß er sich vorläufig noch unthätig verhalten und es mir überlassen wolle, mich zuvörderst nach den Verhältnissen zu erkundigen. Ich stellte ihm vor, daß Alles darauf ankomme, zu erfahren, ob es Elvirens freier Entschluß sei, Christin zu werden, oder ob sie äußerem Zwange sich ungern füge; ich bewies ihm, daß im letzteren, wahrscheinlicheren Falle noch nicht Alles verloren sei, daß aber durch ungeschicktes Einmengen Alles verdorben werden könne. Nachdem ich sein Versprechen hatte, bat ich ihn heimzukehren, um mir Zeit zu gönnen, über die einzuschlagenden Schritte nachzudenken. Als mich Adolph verlassen hatte, ging ich unruhig im Zimmer aus und ab. Was sollte ich thun? Meine Hoffnung auf Erfolg war eine sehr geringe. Da brachte mir mein Dienstmädchen einen Brief. Der Ueberbringer, sagte sie, habe sich rasch entfernt und wolle um 6 Uhr die Antwort holen. Ich entfaltete den Brief und erblickte zu meiner freudigen Ueberraschung ElvirenS Handschrift. Der Brief lautete: „Mein theurer, würdiger Lehrer! „Wohl weiß ich, daß Sie mir zürnen, und Sie haben ein Recht, mir zu zürnen; habe ich doch Ihnen wie meinen lieben Eltern den siefsten Kummer bereitet. Doch ich wende mich heute nicht in der Absicht an Sie, mich selbst anzuktagen oder Ihre Verzeihung zu erlangen; ich will Sie nur bittm, für jetzt die Vergangenheit außer Acht zu lassen und mir für die nächstkommende Zeit Ihren gütigen Ratb nicht zu versagen. „Heute stehe ich an einem Scheidewege. Mein Kopf brennt; ruhige Ueberlegung ist mir nicht möglich, und doch muß ich eine wichtige, eine entscheidende Wahl treffen.

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