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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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390 1 Jurist ..... 40 fl. — fr. 2 Mediziner . 40 fl. u. 30 „ — „ Philosophen je . . 30 „ — „ 5 Seminaristen je . . »0 „ — „ 1 Seminarist ... 17 „ 30 „ 1 Jurist und 1 Mediziner mußten wegen Mangel an Mitteln zurückgewiesen werden. Vorstand der Kollatur ist Herr Rabbiner Dr. Loewi. Wir wollen hiemit diese Stiftung zu zahlreicher Betheiligung durch Beitritt zu derselben und durch freiwillige Beiträge angelegentlichst empfohlen haben; Rießer verdient ein würdiges Denkmal. S. H. Aus dem Norddeutschen Bund«», im Jjar. (Privatnntth.) In der israelitischen Gemeinde zu Altona drohte ein ernstlicher Conflikt auszubrechen. Zur Zeit des dänischen Regiments mußte die dortige jüdische Gemeinde der Staatsregierung ein sogenanntes „Schutzgeld" zahlen, welches die jüdischen Schlachter aufbrachten. Letztere sind nun der Meinung, daß sie, nachdem die Gewerbefreiheit proclamirt, die sog. „Koschersteuer" nickt mehr zu zahlen haben, einmal, weil jetzt nicht mehr für ein Privilegium zu bezahlen sei, das keinen Sinn mehr habe, und dann auch, weil die betreffende Schlachter vom preußischen Staate schon zu alleu Gewerbesteuern u. dgl. herangezogeu wurden, also nicht zweimal für dasselbe Geschäft besteuert werden könnten. Lange scheiterten alle Nergleichungsversuche und am jüngsten Donnerstag verbot die Gemeinde den Schächtern bei 4 Schlachtern ihre Funktion auszuüben, die ihr Amt von der Gemeinde in Miethe haben und denen es nicht, wie den andern, selbstständig gehört. Die Renitenten wollten ihr Anliegen beim Regierungspräsidenten Sckeel-Plessen Vorbringen. Endlich ward nun diese Wocke eine gemischte Commission von Gemeindevertretern eingesetzt, um die vorgebrachten Beschwerden der Schlachter zu prüfen und ihnen abzuhelfen. Die preußische Regierung hat bis jetzt kein solches Schutzgeld gefordert, und wird auch schwerlich so mittelalterliche Institutionen fortdauern lassen. Fällt nun jene Abgabe definitiv weg, so wird die Steuerlast, die den casus belli bildete, schwinden und Alles wird sich in Wohlgefallen auflösen. — Die Hamburger Tempelpartei macht wieder einmal von sich reden. Sie hat „zur Erhaltung des religiösen Sinnes" eine Religionsschulc gegründet, in der aber keine Religion, nur Moral (!) gelehrt werden soll. Sonntag den 3. Mai fand die feierliche Eröffnung derselben «statt, und zwar im Locale der israelitischen Freischule, Zeughausmarkt 32. Der Prediger Herr Dr. Jonas hielt an die versammelte Schuljugend eine Ansprache, in welcher er die Kinder auf die Bedeutung des Religionsunterrichtes aufmerksam machte, sie eindringlich zu Fleiß und guten Sitten mahnte und die Hoffnung aussprach, eS werden die Leistungen der Schule, zu welchen der vereinte gute Wille der Lehrenden und Lernenden erforderlich sei, ein erfreuliches Wachsthnm der jungen Anstalt herbeiführen. Daran schloß sich ein Gebet, worauf sich die Knaben und Mädchen in ihre Klassen vertheilten, und der Unterricht begann. Wie wir hören will ein moderner Dante diesen EröffnungSact mit seiner obligatorischen Rede als Stoff zu einer neuen „göttlichen Komödie" behandeln. Überhaupt scheint jetzt ein regeres Leben unter den Reformaposteln zu beginnen, um die gefährdete „moderne Religionsidee" zu retten. Bisher besuchten die Leipziger Meßbesucher mit Vergnügen die dortige Hauptsynagoge, um sich bei den salbungsvollen Reden deö Herrn Dr. Goldschmidt von dem Strudel des Welthandels wenigstens am Ruhetage zu erholen. Bei der diesjährigen Ostermesse war aber den frommen Kaufleuten dieser Genuß nicht vergönnt, denn schon von Ferne hörten sie aus der Synagoge „andaä tserhebende" Orgeltöne erschallen, an die ihr nickt musikalisch gebildetes Ohr bislang nicht gewöhnt war und — von den Betreffenden ward eS uns selbst erzählt — mit Thränen im Auge kehrten sie dem schönen Gebäude den Rücken, in welchem sie noch voriges Jahr von der Kanzel herab zum frommen Lebenswandel ermahnt worden, und konnten sich deS AuSrnfeS nicht erwehren: Auch du Brutus? Freilich ist ein volles Jahr eine lange Zeit, in welcher man mehr als eine Orgel bauen kann. In Polen ist ein Ukas veröffentlicht worden, welcher befiehlt, daß die Polizeibeamten von Jedermann gegrüßt werden müssen, und daß Jeder, welcher von denselben angesprochen wird, bei Vermeidung von Geld¬ oder Gcfängnißstrafen die Kopfbedeckung in der Hand zu halten verpflichtet sei. Der „Breslauer Ztg." wird von der polnischen Grenze geschrieben: In Kutno wohnt der israelitische, höchst geachtete Kaufmann H.; in dessen Laden kommt der dortige Bürgermeister, ein ehemaliger Militär. Zu derselben Zeit kommen die beiden Söhne des H. aus der Schule, treten in den Laden, um durchzugehen und grüßen, indem sie die Mützen lüften, den gestrengen Herrn Bürgermeister. Da dieselben aber nicht mit der Mütze in der Hand durch den Laden gingen, ließ der Herr Bürgermeister die beiden Knaben verhaften. Der Vater derselben war verreist und kam erst Nachmittags nach Hause, thut vorläufig noch Nichts zur Entlassung seiner Kinder, weil er nicht annehmen konnte, daß man Kinder in dem eben angegebenen Alter ernstlich bestrafen würde. Als es aber Abends 8 Uhr wurde, ging er zum Bürgermeister und bat um die Entlassung seiner Kinder; derselbe schlug indeß die Bitte rundweg ab. In seiner Herzensangst wandte sich H. schriftlich an den Kreiskriegöchef mit dem Bemerken, daß er sich, im Falle er nicht Recht erhalte, höheren Ortes beschweren müsse. Darauf erhielt H. vom Kreiskriegschef folgendes Dekret: „Daß Du Deine Kiuder schlecht erziehst.

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