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Der Israelit · 1868-05-20 · Heft 21 (20.5.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 21 (20.5.1868)
Date
1868-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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388 unS „gern" benannten. Jetzt haben wir diese nun einmal eingeführte Bezeichnung „gern" acceptirt, da sie allerdings den Standpunkt recht genau bezeichnet, nämlich den der Rechtgläubigkeit. Allerdings ist Talmud und Schulchan Aruch das Rechte, und wer daran glaubt der Orthodoxe. Daß diese Orthodoxen den Ideen des Fortschritts und der Civilisation entgegen seien, ist einfach nicht wahr. Wohl geriren sich die Reformer gerne als die ausschließlichen Pächter der Cultur. Diese Illnsion hat man ihnen aber schon lange gründlich verscheucht; ein Salomon Kutner, ein Joses Weißer, ein vr. Feuchtwanger, ein!)r. Lippschütz, und unter den jüngeren ein Philipp Schlesinger, ein Schnitzer und viele andere ebenbürtige können sich mit den exmittirten weiland Gener alpächtern der Gelehrsamkeit und des Liberalismus von den schönen Tagen in Aranjuez her sehr wohl messen. Die süßen liebgewonnenen Verketzerungen der letzten Decennien tönen nur noch als leerer Schall nach. Lassen wir den Armen die fixe Idee. Herr Hirschler fährt fort: „Die Reaction und der jüd. Ultramontanismus bieten im fanatischen Eifer Alles auf, um dem Congresse einen fortschrittsfeindlichen Character zu geben." Abgedroschene elende Mittelchen, die leider (?) nicht mehr verfangen; Seifenblasen, die im Aufgehen zerbersten. Wir geben unfern Gegnern kein stecht, über die Loyalität unseres Patriotismus zu Gericht zu sitzen, wir schleudern diese Frechheit und Anmaßung mit Verachtung auf die Urheber zurück und was den jüdischen Ultramontanismus betrifft, so wüßte ich nicht, was wir hinter den Bergen zu suchen hätten. Hinter den Bergen birgt man die Mortara's, die Cohn und ähnliche Schlachtopfer — soll das aber auf Jerusalem gehen m 3’3D cnn nun so geben wir das zu, aber nicht, daß wir dadurch um ein Iota weniger freiheitsdürstig sind, als einer unser Jerusalems uneingedenken Brüder. Die Hauptsache aber ist, daß uns insinuirt wird, wir brächten freiheitsfeindliche Hintergedanken in den Congreß Nun wir haben dasselbe Recht, unseren Gegnern dies zu imputiren, was wir sogar zu thun wirklich so frei sind. Wir imputiren aber dies den Gegnern nicht wie Jene rein aus der Luft gegriffen, sondern auf Grund unantastbarer Jndicien, nämlich des Gemeinde- und Schulstatuts. Die Majorität der Conserenz, als dessen Organ sich die Herren vr. Hirschler und Consorten geriren, haben im Entwürfe dem Selfgoverncment zu Gunsten der Centraliiation einen größern Abbruch (Abhängigkeit von Comitals- und Landesgemeinde) gethan, als dies nöthig zu sein scheint, und wie dies bei andern Confessionen nicht der Fall ist; trotz dem Jupiters-Donner des Dr. Hirschler-Mezei wagt es die pur «xesllenee fortschrittsfeindliche Partei, zu behaupten, daß gerade sie mit dieser oppositionellen Ansicht auf dem Boden der Freiheit stehe; dies als unum pro nrultis sowohl aus dem Gemeindestatut, wie dem Schulstatut; es ist hier nicht der Ort, auf die Dötails einzugehen. — In dem eben excerpirten Genre geht es fort im ganzen Pamphlet, nichts als niederträchtige Verleumdungen, hämische Unterstellungen, gemeine Verdächtigungen, wozu die Ohnmacht gesinnungsloser Verzweifelter immer ihre Zuflucht nimmt. Der Unparteiische, der nicht von der Parteiwuth in dem hegemonistischen Eigendünkel umnebelt ist, weiß sehr wohl, was er von einer Sache zu halten, die zu solchen Mitteln greifen muß, die in ihrem ersten Aufdonnern schon alles Pulver verschießt, schon da in sittenrichterlichem Hochmuthe sich ergeht, vom „Deckmantel" religiösen Eifers zu Gunsten klerikaler Herrschsucht, von unerlaubten Mitteln rc. faselt. — Uebrigens können diese Einschüchterungsversuche in ihren Formen auf Originalität durchaus keinen Anspruch machen, es weht darin derselbe Geist (?), dieselbe Methode, die schon Eisenmenger und dergleichen Geister der Hölle inaugurirt; erst fabricirt man eine haarsträubende Tendenz, dann gibt man dies für Wahrheit aus, um dann den Juden an'ö Kreuz zu schlagen. Man insinuirt den Orthodoxen, verbreitet zu haben, als gehe die Parteigenossenschaft derConferenzmajorität damit um, die Beschneidung abzuschaffen, nur um Schauer und Furcht vor den Orthodoxen zu erregen. Doch man kennt die Absicht, und wird — nicht verstimmt. Dieser gewaltige Anlauf culminirt in der Consequenz, sich ebenfalls zu consolidiren, was wir übrigens ganz in Ordnung finden; es hat sich deshalb für die Aufgeklärten, Kar €§o%r)v Glaubensgenossen ein diesbezügliches Comitö gebildet, was auch durchaus nicht zu tadeln, Agitation zeugt von Lebensfähigkeit, nur soll es mit ehrlichen Mitteln geschehen und nicht mit so schmachvollen wie in dieser Epistel. — Was nun das Programm des Comits's betrifft, so ist Niemand weniger als wir darauf bedacht, religiöse Fragen vor den Congreß zu ziehen, und gerade wir treten stets geschmückt mit jenen Federn auf, die jetzt jene Partei für die ihrigen erklärt. W.r erinnern hierbei nur an die famose Denkschrift, welche die Pesther Cultusgemeinde, dieselbe Partei wie die in Rede stehende, im vorigen Jahre dem Cultuöminister über die Ordnung der israel. Angelegenheit übermittelte, und worin die Grenzen des Administrativen und Theologischen nicht so abgegrenzt waren, wie dies jetzt geschieht. Wer war es, der jene Verrückung der Grenzen, der Machtbefugniß ernstlich und entschieden refutirte? Es war dies die sich „gern orthodox nennende" Partei, und jetzt, wo man gezwungen ist, deren Programm zu acceptiren, gibt man flugs dies fremde Eigenthum für eigenes aus, und verdächtigt die Gegenpartei durch Beschuldigung, wozu nicht sie, sondern die Verdächtiger sehr gegründete Veranlassung gegeben. — Für Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung haben

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