Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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372 troffen und übt es keine geringe Rückwirkung auf deren Geschäftsfreunde hier in Deutschland. Humanitäts- Rücksichten ganz bei Seite lastend, wollen wir nur die materiellen Nachtheile hervorheben, die auch uns hier durch diese brutalen Verfolgungen direct erwachsen. Es wäre daher angezeigt, wenn von Seiten des deutschen Handelsstandes ein energischer Protest gegen jene Vorgänge erhoben würde, u td Leipzigs Handelskammer dürfte zunächst berufen sein, diese Angelegenheit in die Hand zu nehmen, um mittelst einer Petition beim norddeutschen Bunde Abhilfe dagegen zu suchen." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8. Mai. Wir haben heute das sechste Tausend Thaler nach Memel geschickt. Die Gesammtsiimme der durch uns vermittelten Gaben für die Hungernden in Ostpreußen, Rußland und Polen beläuft sich nunmehr auf 6i9i Thaler oder ll,09ö Gulden 45 Kreuzer. Oefterreichischer Kaiserstaat. VZien Der Kaiser von Oesterreich hat mit a. h. Entschließung vom 14. April d. I. zu gestatten geruht, daß die Freiherren Marcuö v. Morpurgo und Heinrich v. Morpurgo in Triest den k. ital. St.-Mauritius- und Lazarus-Orden, der Großhändler Eduard Ritter v. Todesco, in Wien den großherz. luxemburgischen Orden der Eichenkrone annehmen und führen dürfen. (Frbl.) Eöien. Der ehemalige Offizier in der päpstlichen Armee, Emerich v. Herkolat, unterhielt seit mehreren Jahren ein Ver.)ältniß mit einem Mädchen israelitischen Glaubens. Diese, die Tochter des unbemittelten Kleinhändlers Jakob Braun, wollte jedoch unter keiner Bedingung den Glauben ihres Vaters verlassen und so entschloß sich endlich der bereits im Alter von 46 Jahren stehende v. H., zum Judenthume überzutreten. Letzterer hat nunmehr, nachdem er hier den nothwendigen Glaubensunterricht genossen, eine Reise nach Amsterdam angetreten, um daselbst, unter den üblichen Formalitäten seinen Uebertriit zum Judenthume zu bewerkstelligen. Nach seiner Rückkunft wird dann die Vermählung des Paares vollzogen werden. v. H. ist vom ungarischen Adel, Wittwer und befindet sich in glänzenden Vermögensumständen. Feuilleton. Are Synagoge zu Amsterdam. Das hochragende Gebäude, welches am Holzmarkte zu Amsterdam, weit über die benachbarten Häuser hinblickend, die Aufmerksamkeit des Fremden erregt, ist die Synagoge der portugiesischen Juden. Aber mehr noch, als durch seine architektonische Bedeutung, ist dies Gotteshaus durch die Verhältnisse, unter denen es errichtet wurde, merkwürdig. Es wurde erbaut und eingeweiht in den Jahren 1670—75, einer Zeit, da man sich noch in keinem Staate der Welt zur Idee der religiösen Toleranz aufgeschwungen hatte. Während die Juden überall anderswo entweder gar nicht geduldet wurden, oder als eine ausgestoßene Kaste in abgesonderten Gasten wohnten und ihren Gottesdienst nur in unscheinbaren, versteckt liegenden Localen abhalten dursten, wurde ihnen in den Niederlanden ungehinderte Bewegung in Handel und Verkehr und freie Religionsübung gestattet. Freilich hatten die Niederländer unter Spaniens Oberherrschaft die Geißel des Religionsfanatismus allzu schwer empfunden und ihre Freiheit vom Joche Philippus II. und seiner Henker mit zu großen Opfern erkauft, um das Recht der freien Religionsübung bei Andern zu mißachten. War doch das Lano, aus welchem die gehetzten Abkömmlinge Israels zu ihnen kamen, die Heimath derselben Inquisition, derselben Scheiterhaufen, welche in den Niederlanden so arg gewüthet und sie ihrer edelsten Männer beraubt hatten. Aus Spanien und Portugal flüchteten die Bekenner des Judenthums in das Land, das den Tyrannen ihrer Heimath gedemüthigt hatte. Nachdem im Jahre 1580 Portugal von Philipp II. annectirt worden, verfuhr dieser gegen die Anhänger des Judenthums mit derselben grausamen Strenge, wie in seinen Erblanden. Längst schon hatte kein Jude mehr gewagt, sich öffentlich zur Religion seiner Väter zu bekennen; aber die Glaubensdespotie Philipps II. beruhigte sich nicht bei dem bloßen Verbote, sie spürte durch die Helfershelfer der Inquisition die verborgensten Schlupfwinkel auf, in denen jüdische Religionsgebräuche geübt wurden und überlieferte die Entdeckten, ohne Unterschied des Alterö und des Geschlechtes, zu Hnnderten dem Scheiterhaufen. Unter solchen Umständen scheuten die Juden der iberischen Halbinsel keine Gefahr, um zu entkommen und in irgend einem Winkel der Erde Freiheit und Duldung zu suchen. Ein beherztes portugiesisches Weib, Mayor Rodriguez, schickte sich mit ihrem Gatten, Gaspar Lopez Homem, ihren Söhnen, Manuel und Antonio Lopez Pereira, und ihren Töchtern, Mariam Nuneö und Justa Lopez Pereira, im Jahre 1590 zur Auswanderung an. Das Geschwisterpaar Manuel und die durch Schönheit ausgezeichnete Mariam schifften sich mit ihrem Oheim Miguel Lopez und einem Freunde der Familie, Jacob Tirado, ein. Unterwegs wurden sie von einem englischen Schiffe, das Jagd auf die spanisch-portugiesische Flagge machte, gekapert und als Gefangene nach London geführt. Die Schönheit Mariams bezauberte den Capitän des Schiffes, eine»^ englischen Herzog, so sehr, daß er um ihre Hand anhielt. Das Verhältniß der