Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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-71 der Inspektion, welche ich in der Gemeinde vorgenommen, mich überzeugt habe, daß Sie die Befehle, welche ich Ihnen zu wiederholten Malen ertheilt habe, gänzlich vernachlässigt haben, trage ich Ihnen jetzt auf, binnen fünf Tagen die Unternehmer von Verzehrungssteuer-Pachtungen, deren Termin abgelaufen ist, ferner Jene, die sich in der Gemeinde nach Erlaß der Ihnen bezeichneten Administrativ - Verfügungen niedergelassen haben, sowie Jene, deren Pachtdauer zu Ende gegangen ist, ohne daß sie ein in gesetzlicher Form ausgestelltes Schriftstück über einen neuen Pacht aufzuweisen vermöchten, aus ihrer Gemeinde auszuweisen. Sie werden mir über das Ergebniß, ohne eine weitere Mahnung abzuwarten, berichten; denn im Falle der Zuwiderhandlung würden Sie suSpendirt und vor Gericht gestellt werden. Für den Unter-Präsecten: gez. Zotta. An den Herrn Bürgermeister der Gemeinde Letea. " 1868. 15. März. Der Herr Adjunct ist mit der Austreibung der Juden aus der Gemeinde beauftragt worden. Rumänien. Nr. 107. 1868, 19. März. Unter - Präfectur des Empfangen am 19. März Arrondissements Bi- 1868, behufs Ausführung stritia de Iiosu. Nr. deS früheren Befehls. 1031. Herr Bürgermeister! Da die Frist für die Austreibung der Juden, welche ich Ihnen in Folge Befehls sud Nr. 884 vom 12. l. M. gestellt, verflossen ist und von Ihnen noch keinen Bericht über die Ausführung des letzteren erhalten habe, so benachrichtige ich Sie, daß ich, um Nachschau zu pflegen, abgereist bin, und wenn ich wahrnehmen werde, daß Sie den gegebenen Befehlen zuwiderhandeln, so mögen Sie wissen, daß ich entschlossen bin, Sie abzusetzen und vor Gericht zu stellen. Für den Unterpräfecten: gez. Zotta. An Herrn Bürgermeister von Letea. Nr. 10 t. 1868, 19. März. Der Herr Adjunct ist beauftragt worden, die Austreibung der Juden aus der Gemeinde ins Werk zu setzen. Ebenso bezeichnend, wie diese Erlasse für die Haltung der Bureaukratie, der Beamtenkreaturen Bratiano's in der Judenfrage, ist nachstehender, am 10. April Vormittags vom früheren Senator Cracti an den Minister Bratiano abgeschickte Protest gegen die Vertreibung der jüdischen Wirthshauspächter auf einem der Güter des Senators, bezeichnend für die Frivolität, mit welcher die „Intelligenz", die der Regierung Opposition macht und sich dabei auf den Rechtsboden steift, die Tagesfrage auffaßt. Die Protest- Depesche lautet: * „Man hat sich den 26. März (a. St), das Osterfest der Juden ausersehen, um ihre Vertreibung aus den Landgemeinden ins Werk zu setzen oder alle Arten von Bedrückungen gegen sie auszuüben. Der Schänkwirt-, welcher seit 25 Jahren in Kalugara wohnhaft gewesen und der mit mir noch für 3 Jahre in einem Vertragsverhältnisse steht, war und ist das Opfer dieser Plackereien. Ich spreche nicht zu Gunsten der mosaischen Religion, auch nicht zu Gunsten der Juden, die sogar aus dem Lande gejagt werden können; aber ich glaube, daß es besser gewesen wäre, die Abschaffung der bestehenden Gesetze und die Annahme des der Kammer vorgelegten liberalen, Humanitären Gesetzes, das Epoche machen und den Rumänen zur Ehre gereichen wird, abzuwarten; und sicherlich werden alsdann die Interessen der Contrahenten kraft der gesetzlichen Gewalt zerstört werden. Bis dahin aber bitte ich Sie, Herr Minister, mir anzeigen zu wollen, welches Gesetz mir verbietet, meine Wirthshäuser nach Belieben und an wen mir gutdünkt, (wäre es auch an einen Chinesen) zu verpachten; wer jene gesetzliche Autorität ist, sage ich, die meine Verträge mit den Israeliten für nichtig erklärt hat? Wenn diese Autorität so hoch erhaben ist, so möchte ich Sie bitten, daß sie auch die Nichtigkeit aller meiner Schulden an die Juden decretire, denn sonst wäre das eine Anomalie. Ich berufe mich auf Ihre Gefühle, mein Herr, und verlange Ihre Hilfe, damit ich in meinen Rechten nicht durch ungesetzliche Maßregeln geschädigt werde, umsomehr, als diese jeder Billigkeit ermangeln. Gez.: D. Cracti, gewesener Senator." Leipzig, 29. April. An die hiesige Handelskammer wurde aus Anlaß der Judenverfolgung in der Moldau folgende Eingabe von 23 der bedeutendsten Namen, worunter mehrere Mitglieder der Handelskammer, gerichtet: „Die Hetzereien und Verfolgungen gegen die Juden in Rumänien werden vom Ministerium Bratiano und dessen Clique betrieben und hinterher mit der größten Schamlosigkeit in Abrede gestellt, um unbequemen diplomatischen Anfragen aus dem Wege zu gehen. So sind die jüngsten Vorgänge in Bakeu, obwohl von verschiedenen zuverlässigen Seiten gemeldet, als Erfindung einiger Mißgünstiger hingestellt worden. Nichtsdestoweniger steht die Thatsache fest, wie aus mehreren hier eingetroffenen Privatbriefen aus Jassy hervorgeht. Diese Verfolgungen berühren unsere deutschen Geschäftsverhältnisse unmittelbar und direct ziemlich bedeutend, da unser Handel in nicht geringem Grade in Rumänien engagirt ist. Die Kaufleute von Bottuschan, Jassy, Galacz, Braila und Bukarest, die sich in großer Anzahl hier zu den Messen einzufinden pflegen, bilden keine kleine Kundschaft unserer hiesigen Geschäftsleute und Fabrikanten. Diese größeren Kaufleute in den Hauptstädten Rumäniens haben ihren hauptsächlichsten Absatz nach dem flachen Lande, und wenn vorerst die Hetzereien gegen die jüdischen Bewohner desselben gerichtet sind, so werden die Interessen der größeren Kaufleute in den Städten hart be-