Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1868)
- Date
- 1868-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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n. Jahrgang. Beilage z« Nr. 20 des Israelit. Telegraphische Depeschen. Wien, 7. Mai. Das soeben ausgegebene Abendblatt des hiesigen, in der Regel gut unterrichteten „Fremdenblattes" enthält folgende wichtige Nachricht: „Die barbarischen Judenverfolgungen in Rumänien haben die gesammte Diplomatie zu erhöhter Thätigkeit ausgeschreckt. Die mehr als groteske Anschuldigung des österreichischen Consuls in Jassy in dem Rundschreiben des Herrn Bratiano, die alle College« dieses Mannes in der moldauischen Hauptstadt mittrifft, scheint den Ungeschicklichkeiten desrumänichen Ministerpräsidenten die Krone aufgesetzt zu haben. Wie man vernimmt, sind in Folge dessen die betheiligten Großmächte zu Vorbesprechungen zusammengetr eien, aus denen wahrscheinlich eine identische Note derselben an die Bukarester Regierung hervorgehen dürfte, für welche bereits ein Entwurf - usgearbeitet vorliegt. Die Entlassung Johann Bratiano^s dürfte wohl dasMindeste sein, welches die beleidigten Mächte vom Gouvernement des FürstenKarl verlangen werden." Bukarest, 8. Mai. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer interpellirte Carp das Ministerium wegen der Vorfälle in Bakeu. Nachdem der Minister eine rechtfertigende Erklärung abgegeben, stellte Hormuzaki folgenden Antrag: Die Kammer weist die Anklage wegen Judenverfolgungen als unbegründet zurück und geht darüber, unter Anerkennung der Haltung der Regierung, zur Tagesordnung über. Von 91 Votanten stimmten 47 für den Antrag, die übrigen enthielten sich der Abstimmung. Leitender Artikel. Rumänien. Bukarest, 27. April. Bratiano beeilte sich sogleich nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt, in einem ostensiblen, an die rumänische Opposition, eigentlich aber an die Adresse der Schutzmächte gerichteten Artikel in der heutigen Nummer des offiziösen „Romanuel" auf die Reklamationen wegen der Judenverfolgungen in seiner gewohnten perfiden Weise mit Drohungen und Verdrehungen zu antworten. Er läßt in diesem Artikel in Einem Athem versichern, daß die Regierung willens sei, die Ordnung im Lande herzustellen, daß aber auch „die Steuerung des Vagabundenwesens eine vitale Frage für das Land geworden sei, die zu lösen Hauptaufgabe der gegenwärtigen Regierung sein müsse." „Wollt ihr", so fragt der „Romanuel" die Opposition, eigentlich aber die Schutzmächte, „mit der Iudenfrage die jetzige Negierung stürzen? Dann gebt nur.Acht, daß dies nicht für die ganze Nation gefährliche Folgen nach sich ziehe. Ihr wißt wohl, daß die Negierung die Juden nicht verfolgen, sondern daß sie damit nur Das durchführen will, was Alle wollen (?!), nämlich dem Vagabundenwesen und jenem Ausbeulungssystem steuern, das von allen Gesichtspunkten aus nur verderblich und unmoralisch ist Entfremdet ihr der Regierung die Sympathien Europas, so wird das Land dadurch zu Verwicklungen gedrängt, von deren Tragweite sich Niemand einen Begriff zu machen vermag. Man macht der Regierung den Vorwurf, daß sie dem ganzen beunruhigenden Zustande nicht in 24 Stunden ein Ziel setzt: die Negierung einer freien Nation darf aber weder Volksversammlungen, noch auch feindlichen Agitationen hindernd in den Weg treten. Und dennoch wird sie mit der Zeit dem jetzigen Zustande ein Ende machen, ja, sie wird die große alte Wunde heilen; aber nicht etwa durch Absetzung von Beamten, wie man von ihr verlangt, sondern damit, daß sie der Invasion von Vagabunden ein Ende bereiten wird." An Deutlichkeit läßt diese Schlußtirade nichts zu wünschen übrig. (N. fr. Pr.) Aus Galacz, 28. April, wird berichtet: Bakeu war vorigen Samstag der Schauplatz einer neuen barbarischen Judenverfolgung. Mehrere Juden wurden erschlagen. Von Galacz wurde Militär nach Bakeu dirigirt. Am Pruth, unweit von Galacz werden 40,000 Mann russische Cavallerie erwartet. Vor Galacz liegen englische, französische und österreichische Schiffe. Italienische und preußische Kriegsschiffe werden in den nächsten Tagen erwartet. Rustfchuk wird befestigt. Wien, 29. April. Einem Privatbriefe aus Galacz entnimmt ein hiesiges Blatt, daß auch im dortigen Bezirke Judenverfolgungen stattgefunden haben. Es sind dort im Ganzen 5/ Familien, darunter 12 österreichische Unterthanen verjagt worden. Die Vorstellungen des k. k. Konsuls Krem er haben nichts gefruchtet. Galacz, 1. Mai. Ueber die bereits gemeldetm Judenverfolgungen im Bezirke Galacz treffen jetzt die Details ein. Der famose Gesetzvorschlag der „Einunddreißig" wird dort als ein zu Recht bestehendes Gesetz betrachtet, und einen neuen Beleg hiefür bietet —wie wir in einem Wiener Blatte lesen — die Antwort, welche der Galaczer Präfekt, der als „Judenfresser" bekannte Lupasko, dem königl. preußischen Dragoman Herrn Glaise gab, als dieser vor einigen Tagen dem Präfekten über die Judenverfolgung auf dem flachen Lande Vorstellungen machte. LupaSka erwiederte