Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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354 er bekleidete dabei die Stelle eine- StistSrabbinen, indem er von der sog. Eisig-Stiftung dafür besoldet war, dem Thorastudium möglichst obzuliegen und insbesondere täglich einen sooj iiyw in Verbindung mit noch einigen talmudisch gebildeten Männern zu lernen". Er hatte dabei auch die Wohnung mit seiner Familie im Parterre der Eisig - Synagoge (Mannheimerschule gew. genannt). Die Vorsehung, die einerseits Wunden schlägt und sie anderseits heilt, hat auch der Familie des sel. tysyn '"i Farntrog eine Milderung ihres Jammers angedeihen lassen. Hatte der Verstorbene in den letzteren Jahren die noi erlebt, daß, sowie ihm echt religiöse Söhne und Töchter heranwuchsen, er ebenso auch einen Schwiegersohn in Herrn Goldberg erhielt, der, früher Rabbinatscandidat und s. I. Schüler des Herrn Distr.-Rabbiners von Würzburg, jetzt als Kaufmann hier ansässig und dabei nach Kräften miro pany ni3D3i ist, so ist jetzt dieser bereit, den Posten seines sel. Schwiegervaters, und zwar unentgeltlich zu Gunsten der Wittwe, zu versehen. S. H. Airs Weftphalen. Seit unserer letzten Mitteilung in Nr. 10 dieser gesch. Blätter ist über die weitere Entwickelung der Um- und Neugestaltung der iSr. Vereinsschule zu Münster noch nichts Näheres bekannt geworden, als daß — so geht wenigstens das Gerücht — in Folge des Ausschreibens seitens des Curatoriums circa 12 Kandidaten, die sämmtlich mit dem Rabbinerdiplom versehen und graduirte Doctoren sein sollen, sich zur Uebernahme der Director- und Oberlehrerstelle in der Vereinsschule, jetzt „Marks- Hatndorf'sche Stiftung" genannt, gemeldet haben. Warum nun das Curatorium mit der Besetzung der in Rede stehenden Stelle noch so lange zögert, ob vielleicht unter den sich gemeldet habenden keine geeigneten Persönlichkeiten für diesen Posten sich gefunden, oder ob, da sich bis jetzt noch nicht alle dem Vereine treu gebliebenen isr. Gemeinden Rheinlands und WestphalenS zur Uebernahme eines bestimmten jährlichen Beitrages auf den Gemeinde-Etat sich verpflichtet haben, und zudem noch die freiwilligen Gaben in diesem Jahre, der ungünstigen und drückenden Zeitverhältnisse wegen, viel spärlicher fließen als in den früheren, die Subsistenzmittel für den Director herbeizuschaffen man geringe Aussicht hat, — hierüber, sowie über manches Andere, was mit der Reorganisation in engster Verbindung steht, verlautet noch nichts. Und doch wäre unter den obwaltenden Umständen nichts nothwendiger, erheischte nichts dringender der Erledigung, als gerade die Anstellung eines tüchtigen Directors und Oberlehrers. Denn wenn auch nach der Pensionirung des Oberlehrers Cohn noch zwei isr. Lehrer, nämlich die Herren vr. St. und Seminarlehrer T. an der Anstalt wirken, und vielleicht die von dem früheren Oberlehrer vorgetragenen hebr. Lehrobjecte unter sich verthellt haben, so ist doch sehr zu bezweifeln, ob dieselben die Qualifikation haben, Seminaristen den nöthigen hebr. Unterricht ertheilen zu können. Ganz in diesem Sinne soll sich auch der Präses des Curatoriums, Herr Löb, auf der im verflossenen Jahre zu Hamm abgehaltenen rheinisch-westphältsch-israel. Lehrerconferenz ausgesprochen haben und zwar in Gegenwart des Herrn T. Zudem können und dürfen Männer, die, wie Herr T., — den Herrn vr. St. kennen wir nicht und erlauben uns deßwegen kein Urtheil über dessen religiöse Richtung — auf ganz anderem religiösen Boden stehen, ganz andere Anschauungen vom Judenthum haben und diese ihre Ansichten auch den ihnen anvertrauten Zöglingen bei jeder Gelegenheit einzupflanzen suchen, als sie Herr Cohn hat und wie sie, nach der Denkschrift des Curatoriums, der anzustellende Director haben soll, (dieser soll ja auf positiv jüd. Standpunkte stehen und in Lehre und Leben dem wahren, echten Judenthume angehören) nicht neben einem orthodoxen Director in Religionssachen unterrichten, wenn man nicht von vorn herein die Mehrzahl der Seminaristen, die noch kein selbstständiges Urtheil --- am allerwenigsten in religiösen Sachen — haben, zu Skeptikern, zu indifferenten Israeliten heranbilden will. Es war dieses seit dem Bestehen der Vereinsschule ein großer Mißgriff, daß man neben dem, der streng orthodoxen Richtung angehörenden würdigen und gelehrten Oberlehrer Cohn Männern von ganz divergirenden religiösen Ansichten, Männern, wie z. B. einem Friedländer und Genossen, den Unterricht in jüdischen Fächern übertragen hatte, und ein ähnlicher Fehler wäre das auch jetzt, wenn man einen Director von streng orthodoxer Richtung engagiren und nebenbei den Unterricht in einigen relig. Fächern solchen Männern anvertrauen wollte, die der neologen Richtung angehören. Schwerlich würde es dem Vereine gelingen, durch derartige Machinationen und Scheinmanöver das seit längeren Jahren im Kreise der Orthodoxie geschwundene Vertrauen zum Vereine zu stärken, noch die Sympathien der übrigen Gemeinden sich zu erhalten. Denn sowohl die Einen, wie die Andern wollen Lehrer von entschieden religiöser Gesinnung, Männer, die der Jugend und den Gemeinden in Lehre und Leben, als Muster voranleuchten, wollen nicht ihr Geld opfern für eine Anstalt, aus der Zwittergeschöpfe, unentschiedene und wankelmüthige Männer, die ihre religiösen Gesinnungen nach der Wetterfahne richten, hervorgehen. Es wäre daher nur zu wünschen, daß das geehrte Curatorium recht bald zur Wahl eines tüchtigen und frommen Direktors schreite! Möge dieser Wunsch doch recht bald zur That werden! Das walte Gott! L. M. R.