Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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347 Ich meine die Prüfungsseier, die am btt '3 op nDD stattfand. Nachdem Herr Di-. Stiebel über die Aufgabe der Religionsschule und der Hindernisse, die eine solche zu bestehen hat, besonders hier, wo sie von mancher Seite noch augefeindet wird, in ergreifenden Worten gesprochen, überraschten die Mädchen durch ihr so vielseitiges Wissen in allen Fächern des jüdischen Unterrichts ganz besonders. Man sah ihnen an, daß sie mit wahrer Hingebung demselben gefolgt sind; sie kannten nicht nur die Geschichte, sondern waren im Ueberfttzen der meisten Gebetstücke, eines Theiles der „Sprüche der Väter", in den Glaubenslehren vollständig zu Hause. — Die Knaben, die noch einen zweiten Lehrer beschäftigen, zeigten nicht minder für die kurze Zeit des Bestehens der Schule bedeutende Fortschritte. Der größte Theil des Pentateuch wird von ihnen geläufig übersetzt, grammatisch analysirt und zum Theil auch Raschikommentar in ansprechender Weise vorgetragen. Außer der ganzen biblischen Geschichte, hatten sie auch die Pflichtenlehre gut inne. Nachdem nun alle Klassen die Befriedigung aller Anwesenden erreichten, wurden von den drei Schülern der ersten Klasse, sPrimaner und Sccundaner), freie Vorträge über Psalmen, Geschichte und Propheten gehalten, die gleichfalls das Zeugniß ablegten, mit welcher Lust sich diese Jünger der Wissenschaft dem jüdischen Religionsunterricht hingeben. — Es bleibt nur zu wünschen, daß diese Schule, die jetzt von 65 Schülern besucht wird, eine allgemeine werde, und auch der Wissenödurft der Kinder, deren Eltern dem Vereine ohne Grund sernstehen, gesättigt werde. Aber der Verein hat auch in erwähntem Dr. Stiebel als Prediger eine gute Acquisition gemacht. So wie er durch angeführte Eigenschaften die Herzen der Kinder gewinnt, so übt seine feurige begeisterte Rede einen überwältigenden Eindruck auf die Zuhörer, und namentlich wenn es gilt, gegen ein altes vorherrschendes Nebel das Wort zu ergreifen, da wird er so hinreißend, daß seine Worte noch lange nachhallen. — Wolle Gott der Schule auch ferner seinen Beistand verleihen! Aus Weftphalen. Gewiß werden Sie, geehrter Herr Redacteur, nachstehendem Artikel in Ihrem weitverbreiteten Blatte, das es sich ja zur besonderen Aufgabe gemacht hat, alles Gute, Edle und Zweckmäßige im Judenthume zu loben und das Verkehrte und Unzweckmäßige zu geißeln, ein bescheidenes Plätzchen anzuweisen nicht verweigern. — Schon seit längeren Jahren konnten einem aufmerksamen, unbefangenen Beobachter die traurige, den echten und aufrichtigen mrp mit Wehmuth und Schmerz erfüllende Erscheinung nicht entgehen, wie in einem großen Theile der Provinz Westphalen, ganz besonders aber in einigen Kreisen der Regierungsbezirke Minden und Arensberg, Un- und Jrreligiösität, falsche Aufklärung und Jndifferentismus von Tag zu Tag immer mehr unter den Israeliten um sich greisen und an Ausdehnung gewinnen. Da ist kein Gebot Gottes so heilig, daß es beobachtet, kein Verbot so verpönt, daß dessen Uebertretung gemieden würde. Namentlich sind eS die Sabbath- und Feiertage, die durch allerlei werktägige Arbeiten verletzt und nur noch von Wenigen so gefeiert werden, wie es Gott und unsere heilige Lehre von uns verlangt. Ja, unser heiliger Glaube, unsere jüdische Religion, die ewig bestehende, die liebevolle Erzieherin und Bildnerin des Menschengeschlechtes, sie, die uns tröstet in unserer Noth, die unS mäßiget in unserer Freude, die unS noch stärket im letzten Kampfe des irdischen Lebens, wenn das Auge sich verdunkelt und die Kraft vergeht; die uns den Himmel zeiget, wenn wir Abschied von der Erde nehmen müssen und der Mvater uns von hinicdcn abrufet; diefe ewig rein strahlende Sonne, du nie untergeht sd '2, ach, daß sie hier so wenig beachtet wird und keinen ergiebigen Boden gefunden hat! Materialismus, Gewinn- und Genußsucht, die hier ihr Lager aufgeschlagen, suchen sie zu verdrängen. Man komme nur an p"v oder an einem aio cn» nach Dortmund, Essen, Soest, Iserlohn oder anderen Städten, und man wird sich überzeugen, daß wir nicht mit zu grellen Farben zeichnen, nichts als die Wahrheit sagen, wenn man bemerkt, daß offene Geschäftslokale, Rauchen, Kegeln u. dgl. keine auffallenden Erscheinungen mehr sind; ja, daß sogar in einigen Städten am p“u auf öffentlichem Markte Fleisch am gehackt und verkauft, öffentlich Handel und Wandel betrieben und die Religion — leider! irdischen und vergänglichen Interessen hintenangesetzt wird bso ipyi ipy bso wy. Die mir, unsere heilige GotteSlehre, die erste Säule von den moy oSy, die da ist ein Gnadengeschenk unseres himmlischen Vaters, ein köstliches Kleinod, ein zierlich Diadem unserm Haupte, eine Perlenschnur unserm Halse; man läßt sie das ganze Jahr im Winkel ruhen, sucht nicht sie zu erforschen, sich mit ihrem Inhalte und Geiste bekannt zu machen, kaum daß man behaupten könnte: nnsarca d'jkn i'yI ins, der da zu erfüllen suchte das nd'di 2vi' 12 rom. Wie es mit may, dem zweiten Grundpfeiler hier aussieht, haben wir schon oben gezeigt. Der fromme Israelit versteht nämlich unter rni3y nicht blos den Gottesdienst in der Synagoge (wie solches bei der destructiven Richtung im Judenthume der Fall ist), sondern die treue und gewissenhafte Beobachtung sämmtlicher Ge- und Verbote unserer heiligen Religion. Was nun endlich DnDn ni^oa, die dritte Säule unserer Religion, betrifft, so ist auch diese von jeher an den Israeliten gepriesene Grundtugend 'di dhdh 'dvn D’jcm bei Vielen leider in Abnahme gekommen. Selbst unsere heilige Sprache, die doch auf's Engste mit dem Ju-