Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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340 losester Strenge behandeln zu lassen. Durch diesen Act identificirt er sich mit den.Anschauungen der Humanität und zeigt öffentlich, daß er die Niedertracht, wo sie sich auch finden möge, entschieden zu bekämpfen und auSzurotten bestrebt ist. Seine Geistes- und Herzensbildung, sowie sein ganzer Erziehungslauf sind mir Bärge dafür. An Rumänien darf überhaupt jetzt noch nicht der Maßstab europäischer Cnltur gelegt werden. Alle Bestandtheile der dortigen Bevölkerung, inclusive der Juden, befinden sich heute noch in einer Verfassung, die durch jene der Gränzländer naturgemäß bedingt ist. Es ist einerseits der dieses Land von etwas frischen siebenbürgischen Elementen scheidende Karpathenwall — andererseits ist es der unvermeidliche Contact mit tief gesunkenen russischen und türkischen Zuständen, was einer nach unseren Begriffen kräftig moralischen Aufraffnng hindernd im Wege steht. Ein Menschenleben wird nicht ausreichen, die Besserung zu ermöglichen,- aber es kann doch meinem Sohne beschieden bleiben, den Keimen einer hoffnungsvolleren Entwicklung nicht fremd geblieben zu sein Diese Betrachtung führt mich direct zur Anknüpfung an ein mit Ihnen gehabtes Gespräch. Wir haben nämlich während unserer jüngsten Begegnung, deren Wirkung auf Kopf und Herz ich wie erfrischenden Thau empfunden habe, auch der österreichischen Wiedergeburt gedacht und unter Anderem die „Neue freie Presse" besprochen. Es hat mich die Gemeinsamkeit unserer Auffassung über Inhalt, Geist und Tendenz dieser Zeitung gefreut .... (Folgen einige anerkennende Zeilen über die „N. fr. Pr.", die zu reproduciren uns widerstrebt. Die Red. der „Neuen fr. Presse.") Es gehört wohl aber ein großer Grad von Objectivität dazu, ein Blatt zu verherrlichen, was beinahe täglich mir persönlich weh thut. Ich meine damit die Art und Weise der Besprechung rumänischer Zustände, die von dem Schaffen und Wirken meines Sohnes unzertrennlich sind. Es schneidet mir oft tief in's Herz hinein, wenn ich Beurtheilungen, Ansichten und Aussprüche lese, die auf ganz falsche und gehässige Voraussetzungen sich gründen. Die unrichtigste aller Voraussetzungen gipfelt in der Annahme, daß meines Sohnes Regierungsergreifung in den Donaufürstenthümern im Zusammenhänge mit der Waffnung Preußens gegen Oesterreich gestanden. Meines Sohnes Ankunft auf rumänischem Boden fand statt, nicht weil die Kriegseinleitungen gegen Oesterreich schon in vollem Zuge waren, sondern, obgleich dieselben im Stadium des Beginnens sich befanden (?). Die so scharf und so oft hervorgehobene und lächerlich gemachte Incognitoreise durch Oesterreich lag in der Natur der Sache, und daß sie gelungen, beweist, daß sie mit Geschick vollführt worden. Die Veranlassung derselben war nicht in Oesterreich zu suchen, sondern in Rumänien, da es galt, ein 5»it accompli zu schaffen. Hierbei ist ein Jeder sich selbst der Nächste. Meines Sohnes politisches Glaubensbekenntniß ist durchaus nicht gegen Oesterreich gerichtet, von welchem allein — niemals aber von Rußland und der Türkei — civilisatorische Einflüsse zu erwarten sind. Will ihm aber der Drang der österreichischen Rumänen nach einer nationalen Stammeseinigung vorgeworfen werden, so beweist dies nichts Anderes, als absichtliche Verkennung. Mein Sohn hat mit der inneren Ordnung und Kräftigung genug zu schaffen — er wird sich gewiß lcichtsinnigerweise keine auswärtige Complication auf den Hals laden. Daß die „N. fr. Pr." überhaupt für das Bojarenthum plaldiren kann, ist der auffallendste Widerspruch in ihrer politischen Haltung; daß sie aber an Preußen kein gutes Haar läßt (?), darin liegt ein von mir verstandenes und nicht verurtheiltes (!) System. Das ist, verehrter Freun>, eine recht lange Epistel geworden — ein Attentat auf Ihre so kostbare Zeit. Die schönste Rache, welche Sie nehmen könnten, wäre die, daß Sie mir einen doppelt so langen Brief schreiben. Von Oster- und Frühlings - Empfindungen will ich schweigen, nur so viel will ich sagen, daß es mich hinausdrangt, und zwar zunächst wegen meines lahmen Fußes in ein Bad. Trotz aller schwäbischen Preußenfresserei zieht es mich nach Wildbad in den Schwarzwald. Nun Gott befohlen! In alter Freundschaft und inniger Hochachtung stets Ihr treu ergebener Freund Hohen zoll er n. Düsseldorf, 19. April 1868." „Nachschrift. A propos „Neue freie Presse" fällt mir eben noch bei: Hat Jemand im Winter 1866 der österreichischen Regierung einen Vorwurf aus der sehr excessiven, gewaltthätigen Judenverfolgung in Böhmen gemacht? Niemand. — Wohl aber waren diese wilden Excesse ein Maßftab für den Bildungsstandpunct der czechischen Bevölkerung. Es dauerte ziemlich lange, bis die Regierung dieser Ausschreitungen Herr wurde. Und Böhmen ist doch ein anders politisch organisirtes Land, als die Moldau es ist. Nur überall gleiches Maß und ich gebe mich zufrieden!!! Berlin war unserem Wiedersehen nicht günstig; für mich eine reine Unmöglichkeit, aus der Tagesaufgabe ein Stückchen Zeit herauszuschneiden, das ich Ihnen hätte widmen können. Am Rhein geht es besser!!!" Wir haben hierauf zu bemerken: „Es mag keinem Zweifel unterliegen, daß Karl I. von seinen Ministern über den wahren Sachverhalt getäuscht worden ist, aber die rumänischen Excesse gegen die Israeliten auf den „unvermeidlichen Contact mit russischen und türkischen Zuständen" zurückzuführen, wie es der Fürst von Hohenzollern thut, dürste denn doch die poetische Licenz überschreiten. Selbst die Türken haben fich in den letzten Jahren dergleichen Gewaltthätigkeiten und Rechtsverletzungen nicht zu Schulden kommen lassen. Der Fürst citirt ferner die