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Der Israelit · 1868-05-06 · Heft 19 (6.5.1868) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 19 (6.5.1868)
Date
1868-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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339 gen, wird er verhöhnt und verspottet. So übt das „freie Rumänien" unter Brattano Gerechtigkeit! — Soeben vor Postschluß verbreitet sich das Gerücht, der regierende Fürst verlasse Mittwoch Bukarest, um sich hierher zu begeben. Sollte er sich wirklich endlich aus eigener Anschauung von all den Gräueln überzeugen wollen, welche die Regierung Bratiano's vollbrachte?!" „Paris, 24. April. Der „Constituttonnel" veröffentlicht folgendes amtliche Acten stück: Auf die Einladnng des Hrn. Wolfarth, Chef des österreichischen Generalconsulats in der Moldau, sind die Unterzeichneten Consuln von England, Oesterreich, Frank- ,, reich, Griechenland, Preußen und Rußland lediglich \\ in der Absicht, die Agenten und Generalconsuln in ß Bukarest über die beklagenswerthen Thatsachen, welche | in dem District Bakeu in der Moldau stattgefunden § haben, der Wahrheit gemäß aufzuklären, zusammengejj treten, um neben den Erklärungen, welche ihnen von 8 den achtbarsten Israeliten von Jassy gemacht worden 8 sind, die Verlesung der Berichte und Actenstücke an- 8 zuhören, die der österreichische Consularagent in Bakeu K über die Vorgänge in den Landgemeinden dieses Di- 1 stricts erstattet hat. In Folge dieser Erklärungen I und der Verlesung dieser Actenstücke und Berichte er- I klären die Unterzeichneten einstimmig, daß es für sie I nicht zweifelhaft, daß die gegenwärtig gegen die Js- I raeliten gerichteten Vexations - und Vertreibungsmaß- 1 regeln sehr wahre und vollkommen beglaubigte That- § fachen sind. Demnach haben die Unterzeichneten sich | zu ihrem Bedauern überzeugen müssen, daß die so § kategorischen Ableugnungen, welche die rumänische Re- I gierung den Agenten und Generalconsuln in Bukarest I entgegenstellte, in flagrantem Widersprllch mit den Thatsachen sind, welche sie festzustellen in der Lage wa- | ren. Jassy, den 15. April 1868. (gez.) Saint-Clair,! Consul von England; de Wolfarth, Consul von Oesterl reich; CH. Delaporte, Consul von Frankreich; Lakelz larides, Consul von Griechenland; Göhring, Consul! von Preußen; Kartschewoky, Consul von Rußland." I „Bukarest. Das „EchoDanubien" vom 17. d.! schreibt, es habe Gelegenheit gehabt, sich zu überzeuk gen, daß die Nachrichten, betreffend die Austreibung s der Juden aus den Dörfern des Distriktes Bakeu, ] wahr sind, und daß die Dementi'S des „Monitorul" zu jenen Mittelchen gehören, mit welchen die Regie-? rung die Aufregung des civilisirten Europa's beschwichi tigen will. 76 Familien, unter ihnen einige österrei- I chische Unterthanen, sind gerade zur Osterzeit von Haus j und Hof gejagt worden und in die Stadt gekommen,! wo sie sich an die österreichischen Agenten gewendet i haben (die Konsuln der Großmächte haben, wie der j Telegraph gemeldet hat, das Faktum konstattrt); das! genannte Bukarester Blatt meldet ferner, daß in der i Stadt das Gerücht verbreitet wurde, die Juden hätten die Absicht, an den Osterfeiertagen, während die Christen in der Kirche sein würden, die Straße Lipscanini in Brand zu stecken. Wie alle gegenwärtigen Judenverfolgungen, sagt das „Echo", keinen anderen Zweck haben, als Plünderung, so dürfte das erwähnte Gerücht auch nur in der Absicht, die armen Israeliten zu massacriren und zu berauben, verbreitet worden sein." „London, 25. April. Im englischen Unterhause sprach Lord Stanley folgendermaßen: Was die Judenverfolgungen (denn so muß man sie nennen) in den Donaufürstenthümern betrifft, kann ich nur versichern, daß sich Niemand mehr, als ich, dieselben zu Herzen nehmen kann. Es ist dies eine Sache, welche die Christen mehr noch, als die Juden, betrifft, denn wenn auf diese das Leid, fällt auf jene die Schande zurück. Um gerecht zu sein, darf nicht außer Acht gelassen werden, daß, so groß auch die Schuld einzelner rumänischer Beamten und selbst der dortigen Regierung gewesen sein mag, Fürst Karl selbst keinen Theil an ihr hat. Die britische Regierung wird den Gegenstand nicht aus den Augen verlieren, und erst heute Nachmittag ist von mir eine neue Depesche mit starken Vorstellungen abgesandt worden. Frankreich, Oesterreich und noch andere europäische Regierungen wirken im selben Geiste, und die Meinungsäußerungen von ganz Europa werden, wie ich glaube, ihren Zweck nicht verfehlen. (Allgemeiner, lange anhaltender Beifall.)" Der Fürst Anton von H oh enzollern, Vater des Fürsten Carl von Rumänien hat an den Dichter Berthold Auerbach (Israelit) das folgende, in der „Neuen freien Presse" veröffentlichte Schreiben gerichtet : „Verehrter Freund! Schon längst würde ich Ihre inhaltschweren Briefe beantwortet haben, wenn ick nicht in der Zwischenzeit eingehende Recherchen gepflogen hätte, um über die sehr allarmirenden Gerüchte wegen Judenverfolgungen in der Moldau u. s. w. mir Gewißheit zu verschaffen. Diese Gewißheit liegt mir in vollem Maße jetzt vor. Mein Sohn ist ttes verletzt über die Thatsache, daß ihm solche Willkürakte im Entferntesten nur zugemuthet werden konnten. Er und seine Regierung leugnen auf das Bestimmteste, daß irgendwo ein so schändlicher Mißbrauch der Amtsgewalt gegen die Juden vorgewaltet habe, und sie führm die Entstehung und Verbreitung solcher gehässigen, aller Civilisation Hohn sprechenden Ausstreuungen auf außerhalb Rumäniens liegende, sehr feindselige, mit perstder Absichtlichkeit gepflegte Jntriguen zurück. Da es nun aber doch in der Möglichkeit liegen könnte, daß terroristische Maßregeln von untergeordneten Organen Platz gegriffen haben, so hat sich mein Sohn entschlossen, eventuelle Vorkommnisse an Ort und Stelle persönlich zu untersuchen und die vielleicht irgendeinem Partei-Interesse dienstbaren Schuldigen mit rücksichtS-

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