Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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341 czechischen Pöbelexzeffe gegen die Juden, aber er übersieht, daß die kaiserliche Gendarmerie sofort dagegen einschritt, obwohl sie bei ihrer numerischen Schwache Anfangs nichts auörichten konnte; es wurden sodann die schuldigen Ortschaften mit Militär beseht und das! Standrecht verkündet, die Rädelsführer vor das Cri-? minalgericht gestellt und nach der Strenge des Ge- \ setzes bestraft." | „Der „ N. fr. Presie" wird von Jassy geschriel ben : Das „ Pays Roumain" stellte dieser Tage eine f Reihe von Aktenstücken zusammen, welche im versiossei nm Jahre aus Anlaß der Galaczer Affaire und der damaligen Judenverfolgungen in der Moldau veröf- E fentlicht worden sind und aus denen hervorgeht, daß § Bratiano nicht nur der Mitschuldige der fanatischen Bande ist, welche Heuer wieder das im vorigen Jahre unterbrochene schmachvolle Treiben von Neuem begonnen hat, sondern daß dieser ehrenwerthe Herr, der dem Auslande gegenüber sich stets als der Hauptkämpe der liberalen und humanitären Bestrebungen in den Fürsienthümern geriet, der moralische Urheber des von den Einunddreißig eingebrachten Judengesetzes ist. Ehe Bratiano an die Regierung kam, gab es, wie das „Pays" versichert, in den Donaufürstenthümern keine „Judenfrage"; die Träger der öffentlichen Meinung wußten das Uebelwollen, das hier und da unter den niederen Classen der Bevölkerung den jüdischen Mitbürgern gegenüber sich geltend zu machen suchte, niederzuhalten. Erst als Bratiano an's Ruder kam, wurden die niedrigen Leidenschaften geschäftlichen Brodneides und confessionellen Hasses systematisch angefacht, um daraus für die in Bukarest herrschende Partei Ca- Ipital zu schlagen. Bratiano und seine Partei hatten in der Moldau so gut wie gar keinen Anhang; die einflußreichen Bojaren des Landes „jenseits des Milkow" standen ihm feindlich gegenüber und schienen nicht übel Lust zu haben, die Union selbst in Frage zu stellen; die Massen verhielten sich ablehnend und kühl. Da verfiel Bratiano auf daS demagogische Mittel, durch Anfachung und Unterstützung des Hasses gegen die Juden sich unter den verdächtigsten Elementen des Landes Partisanen zu werben. Er ward der moralische Urheber und Förderer der Agitation, welche in der Galaczer Royade einen so scheußlichen Ausdruck gefunden. Alle Berichte der französischen und englisj schm Consuln und Consular-Agenten beweisen das. Das beweisen die Aussagen der Beamten, welche wie- - j derholt wegen der Austreibung der Juden im Mai l und Juli vorigen Jahres von den Consuln zur Rede . gestellt wurden; das beweisen die von Bratiano erlas- . jenen Verfügungen an die Präfecten; das beweist, daß t heute noch jene Beamten, welche bei der vorjährigen t 1 Juden-Agitation besonders thätig waren, namentlich der z 8 bei der Galaczer Noyade so sehr compromittirte Präi 1 fec* Lupasco, auf ihren alten Posten sttzm. Dabei hat Bratiano im vorigen Jahre genau so, wie jetzt bei der Affaire von Baken, den diplomatischen Agenten der auswärtigen Mächte gegenüber seine Unschuld mit allen Eiden beschworen. Unterm 21. Mai v. I. meldet der Consul von Saint Clair in Jassy, daß Bratiano aus freien Stücken ihm und dem österreichischen und russischen Consul, als sie Vorstellungen wegen der beabsichtigten Ausrottung und Austreibung (sxtsrmination et expuhion) der Juden aus der Moldau gemacht haben, sein Ehrenwort gegeben habe, nichts gegen die Juden unternehmen zu wollen, daß trotzdem aber alle Beamten sich auf den stricten Befehl des Ministers berufen, wenn man sie von Maßregeln gegen die Juden abbringen wolle. Unter 2l. Mai — mittlerweile hatte Bratiano eine Rundreise in der Moldau gemacht — berichtet Consul Saint Clair neuerdings, daß er dem Präfecten von Jassy Vorstellungen wegen seiner Maßregeln gegen die Juden gemacht, und daß dieser ihm erklärt habe, er werde durch die strictesten Befehle Bratiano's zum Einschreiten gegen die Juden gezwungen; das Einzige, was der Präfect und was die übrigen Beamten thun können, sei, das bekannte Rundschreiben des Ministers so wenig rigoros, wie nur immer möglich, auszusühren. Dieses seinerzeit mitgetheilte und vielbesprochene, aber jetzt halb und halb in Vergessenheit gecathene Rundschreiben Bratiano's lautet in wörtlicher Uebertragung: „Artikel 50 des Reglements für das Rumänien jenseits des Milkow verbietet den Israeliten, Grundstücke zu pachten; verschiedene wiederholt erlassene Rundschreiben und namentlich jenes vom 5. Februar 1866 treffen Vorkehrungen, damit den Israeliten in dem Rumänien jenseits des Milkow sowohl der Aufenthalt in den Landgemeinden als auch die Errichtung von Hotels, Wirthshäusern und die Pachtung von Grundstücken verboten wird. Nachdem ich vernommen, daß diese Verfügungen nicht überall genau befolgt werden, fordere ich Sie, Herr Präfect, auf, sie auf das Genaueste auszuführen und ausführen zu lassen. Der Minister des Innern: I. Bratiano." Vergleicht man dieses Circulär mit dem Judengesetze der Einunddreißig, so findet man in Bratiano's Erlaß bereits alle Grundideen des berufenen Gesetzentwurfes; dieser ist nun eine erläuternde und erweiternde Paraphirung des Rundschreibens und Bratiano somit recht eigentlich der Vater, der geistige Urheber jener schmählichen Gesetzvorlage. Aus allen vom „Pays Roumain" mitgetheilten Documenten geht die Complicität Bratiano's mit den avancirtesten Fanatikern hervor; merkwürdig ist besonders eine von den ersten Bojaren der Moldau: Fürst Gregor Sturdza, Demeter Sturdza, Theodor Kallimachi, Constantin Soutzo, Nicolas Maurocordato und vielen Genossen im Mai vorigen Jahres an den Fürsten Karl gerichtete Adresse, in welch er sie mit den schärfsten Ausdrücken gegen die durch die Judenverfolgungen „dem Lande