Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 19 (6.5.1868)
- Date
- 1868-05-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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338 füllt der Machte in Jassy beauftragt, Vertrauenspersonen nach Bakeu zu schicken, die den Thatbestand feststellen sollten. Inzwischen beeilte sich der Bakeuer Präfect, Lecca, dem Minister des Innern zu melden, daß keinesweges Flintenschüsse abgefeuert worben seien, und lediglich nur konstatirt worden sei, daß in der Nacht vom 30. auf den 31. März die Fensterscheiben zweier von Israeliten bewohnter Häuser eingeschlagen worden seien. Nur jene in den Landgemeinden sich aufhaltenden Israeliten hatten ihre Gemeinden verlassen, welche eine Erneueruug ihrer Contracte nicht erhalten konnten. Gewaltacte seien auch nicht im entferntesten an ihnen verübt worden; es gibt aber unter den Israeliten solche, die nach seiner Ueberzeugung in enger Verbindung mit den Feinden der gegenwärtigen Ordnung der Dinge falsche Nachrichten verbreiten, um den Lokalbehörden Verlegenheiten zu bereiten. Trotz aller von den auswärtigen Mächten gethanen Schritte lauten die in Jassy noch bis zum;2. einlaufenden Berichte über die Judenverfolgungen höchst betrübend. Auch aus dem Distrikte Vaslin ist die Kunde von 18 vertriebenen Iudenfamilien in Jassy eingelaufen, trotzdem die Juden die erforderlichen Contracte und Pachtverschreibungen in Händen haben, und es wurden sogar neue Verfolgungen befürchtet. Unseren gestrigen Bericht über die Bakeuer Vorgänge, schreibt man der „N. fr. Pr." unterm 13. April aus Jassy, sind wir heute in der Lage, mit authentischen Details zu ergänzen. Vor uns liegt eine Liste, enthaltend ein Namensverzeichniß von sechsundneunzig bereits zur Notiz genommenen, aus Dörfern verjagten jüdischen Familien. (Folgen die einzelnen Namen.) Unsere Gewährsleute aus Bakeu berichten unö ferner, daß sie noch nicht in der Lage seien, über die ungleich größere Zahl der Verjagten Details zu geben, da diese Unglücklichen, versprengt umherirrend, in den Städten Okna, Kaintz, Horoschow, Parincze, Glodore ein zeitweiliges Obdach suchen. Es müßte ein gleichlautender amtlicher Bericht bereits von der k. k. österreichischen Starostie Bakeu an das hiesige k. k. General-Consulat angelangt sein, vorausgesetzt, daß der Bakeuer Starost nicht in das Bratiano-Edersche Horn der Dementis mitblase. Wir gaben uns bisher der Hoffnung hin, daß die Stadt Bakeu wenigstens nicht der Schauplatz von Gräuelthaten sei. Nachdem aber Baron Eder unterm 8. den Wortlaut der Lekkaschen Depesche, „es herrsche in Bakeu ungetrübte Ruhe," telegraphisch an den Hrn. Reichskanzler wiedergab, wurde dieses am 11. zum Schauplatze scheußlicher Handlungen. Es war die dortige Nationalgarde, die Anlaß hiezu gab. Noch am 6. excercirte sie in der Nähe des jüdischen Friedhofes. Sie drang muthwillig in denselben ein, besudelte die Gräber und zertrümmerte einige Grabmonumente. (Von diesem unterließen Lekka nnd Eder zu berichten.) Am letzten Sonntag also, um 4 Uhr Morgens, eröffneten die Nationalgardisten ein Flintenfeuer auf die Fenster israelitischer Bürger. Nur dem Zufalle ist es zuzuschreiben, daß die Kugeln, welche eindrangen , kein Menschenleben forderten. In viele Häuser drangen auch die Gardisten ein und verübten da zahlreiche Excesse. Wer sich retten konnte, suchte sein Heil in der Flucht. Bakeu bot das Bild einer vom Feinde eroberten Stadt. Wohl hatte Hr. Bratiano Recht, dem Deputirten Georgiu zu erklären, „daß, so lange die Umtriebe gegen die Juden nicht aufhören, er nicht gesonnen sei, die Jaffyer Bürger unter Waffen zn stellen!" In Verlad und Kalarasch das Volk, in Bakeu die Nationalgarde — der Himmel weiß, welche Hioböposten uns noch der nächste Tag bringt. Es kommt uns noch im Detail die famose Erwiederung Bratianos in der Kammersitzung vom 5. d. auf die Interpellation des Deputirten Georgiu zu. Betreffs des Einunddreißiger-Projekts drückte er sich folgendermaßen aus: Auch er theile die Ansicht, daß der Krebsschaden (Juden) namentlich jenseits des Milcow exisiire; man müsse aber andere, weniger drastische Mittel, die Europa nicht so sehr allarmiren, gegen denselben in Anwendung bringen. Er vergleicht den Gesetzesvorschlag Fetus und Genossen mit einer gar zu überspannten Preisforderung des Verkäufers, welche die Kundschaft abschreckt. Nur durch bescheidenes Fordern gelange man um so eher zum Ziele. Der Minister des Innern zeigt da also seinen Pferdefuß ungescheut dem entrüsteten Europa vor. Aehnlich wie im Distrikte von Bakeu werden auch im Covarliner Districte die iu den dortigen Dörfern ansässigen Juden behandelt; man vertreibt sie und beraubt sie ihrer Habseligkeiten. „Weder sollt ihr das Gesetz verwerfen, dies würde Europa als Feigheit (sie) betrachten, noch könnt ihr es en bloc annehmen, denn es würde uns zu Barbaren stempeln," so schließt Bratiano seine Rede, den weisen Rath gebend, das Project sachte zurückzuziehen. — Sei es, daß Minister Bratiano zu seinen Worten ironisch lächelte, oder daß seine 31 Trabanten im vornhinein instruirt waren, den Spaß nicht als Ernst zu nehmen — genug, der Antrag wurde nicht zurückgezogen, er ruht in den Sectionen, des günstigen Augenblicks harrend, als fait accompli zum Gesetze in Rumänien erhoben zu werden. Mittlerweile wird gewirthschaftet, als ob es bereits die volle legale Kraft hätte. Die Juden werden vom stachen Lande vertrieben; Häuser und Grundstücke dürfen sie selbst in den Städten nicht kaufen, es wird kein Kaufvertrag, selbst wenn Käufer und Verkäufer beide Juden sind, gerichtlich bestätigt. Die Justiz hat in Fällen, in denen ein Jude gegen einen Rumänen als Kläger austritt, ausgehört zu existiren, und versucht es einmal ein Jude, gegen einen Rumänen eine Wechsel- oder sonstige Klage anzustren-