Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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324 zufolge, die Synagoge in Ipolysag (Ungarn) sammt den darin befindlichen Bänken rc. zu Gunsten einer Forderung von 5000 ft., welche eine gewisse Frau Freiseisen erhebt, gepfändet wurde, und nun zur öffentlichen Versteigerung ausgevoten wird.— Donaufür stenlhümer. Bukarest. Jan Bratiano läßt bekanntlich durch seine diplomatischen und publicistischen Agenten kategorisch in Abrede stellen, daß die famosen Einunddreißig, welche in der Bukarester Kammer das ungeheuerliche Judengesetz eingebracht haben, zur Regierungspartei gehören. Dem gegenüber versuchett das „Echo Danubien", daß gerade diese Herren zu den vertrautesten Freunden und Gesinnungsgenossen des Ministers zählen. Der Regierungs-Historiograph Hajdeu berechnet, um den Gesetzentwurf zu rechtfertigen, die Zahl der Juden in den Fürstenthümern auf eine Million gegenüber. fünf Millionen christlicher Einwohner; als ob nicht gerade in dieser Ziffer ein neues Argument für die Gleichberechtigung liegen würde! Hajdeu schießt übrigens mit seiner Statistik weit über das Ziel hinaus; nach dem „Echo Danubien" wären in Rumänien in Allem nur 116.000 Juden angesessen, nach der „All. Jsr. Univ." 300/ 00. Bukarest. Es wurde bereits gemeldet, daß der rumänische Agent in Paris, Herr Cretzulesco dem Marquis de Mouftier eine neue Note übergebenhat. Von diesem Aktenstücke bringt die „Köln. Ztg." nachstehende Analyse: Die rumänische Regierung erneuert die bereits telegraphisch abgegebene Erklärung, daß sie der der Kammer unterbreiteten Vorlage über die Israeliten völlig fremd ist, daß ste dieselbe mit der größten Energie zu bekämpfen gedenkt, und daß sie sich im voraus zu der Angabe ermächtigt glaubt, ste werde die Verwerfung des Antrages durchzusetzen im Stande sein. Sie macht ferner darauf aufmerksam, daß diese Frage, welche im Occident so allgemeine Entrüstung hervorgerufen, in Rumänien durch Jahrhunderte lang genährten Haß verwickelter geworden ist, als man dies im Westen glaube, daß man nicht verlangen könne, Rumänien binnen einer Stunde von Vorurtheilen befreit zu sehen, die civilisirten Völkerschaften bei Weitem längere Zeit abzuwerfen gekostet habe, und daß endlich Fürst Karl es sich zu einem seiner Ehrentitel rechnen werde, das Seine zur Erziehung der Nation der Art beigetragen zu haben, daß eine Wiederkehr solch' mittelalterlichen Gebahrenö Seitens einzelner Volksvertreter unmöglich werden müssen. Frankreich. Paris. Unter den Mitgliedern der ital. und franz. Commission, welche die Reste des Patrioten Manin von Paris nach Venedig begleitet hab.en, befand sich unser Glaubensgenosse, Herr Leon Pincherle, ehemaliger Handelsminister der Republik Venedig. Derselbe wohnt jetzt hier. (Arch. Jsr.) England. London. Vor einigen Jahren konnte noch kein Jude als Directvr der englischen Bank, der wichtigsten und ältesten in London, angestellt werden. Dieser letzte Rest von Intoleranz ist nunmehr ganz verschwunden. Herr Alfred v. Rothschild wurde jüngst zum Director dieses Geldinstitutes ernannt. Er ist, wie wir vernehmen, der erste Jude, der zu dieser hohen Stellung erwählt wurde. Hi London. Durch die Erbauung einer neuen Synagoge, die den Namen „NorthLondon-Synagoge" führt, ist diese Stadt um ein schön ausgestattetes Bauwerk reicher geworden. Das Gebäude ist im modernen, italienischen Styl ausgeführt, 65 Fuß lang, 45 Fuß breit und 35 Fuß hoch. Die geschmackvolle Ausführung des Innern ist noch nicht ganz vollendet, doch erscheint dieselbe bereits jetzt schon im großartigsten Maaßstabe.- Palästina. Jerusalem, den 26. März. Am Geburtstage des Königs von Preußen wurde auf dem hiesigen ConsulatSgebäude die neue Bundessiagge aufgehißt. Der edle Menschenfreund, der Recht und Gerechtigkeit gegen Jedermann übt, Herr Professor vr. Petermann, Consul des Norddeutschen Bundes dahier, ließ an uns jüdische preußische Unterhanen und Schutzgenossen eine Schrift ergehen, in welcher er anzeigte, daß am Geburtstag, am 1'2. März, die jüdischen Schutzgenossen von 10—11 Uhr Vormittags von ihm empfangen würden. Es begaben sich auch an diesem Tage die Repräsentanten der jüdischen Gemeinden, wie auch die preußischen Unterthanen und Schutzgenossen auf das Consulat, um ihre Gratulation auszusprechen. Der Consul empfing diese mit der größten Achtung. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch die Geschichte des Rabbi Arje Marcus erwähnt. Der Consul sagte, daß er der Hoffnung sei, daß die hohe preußische Regierung bei solchem Verfahren nicht stillschweige und daß der amerikanische Consul, Herr Beauboucher, seiner Strafe nicht entgehen werde, und er glaube, daß solche Geschichten nicht wieder stattfinden werden. Der Consul dankte sehr für die dargebrachten Glückwünsche und ersuchte uns, daß man ihm eine Schrift über die Feierlichkeit geben möge, die er nach Berlin senden wolle; und als man ihm Solches übergeben hat, dankte