Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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223 Dem Throne Ew. Majestät nahen wir daher zunächst mit dem ehrfurchtsvollen Ausdrucke unseres tiefgefühlten Dankes für die Schritte, welche von Allerhöchst Ihrer Regierung zu Gunsten unsrer rumänischen Glaubensbrüder bei der dortigen Landesregierung bereits geschehen sind. Möchten Ew. Majestät Allergnädigst uns aber auch noch die unterthänigste Bitte zu gestatten geruhen: Daß es Allerhöchstderselben gefallen möge, der bei dem Fürsten des rumänischen Volkes, einem Gliede des erlauchten preußischen Königsstammes geschehenen Verwendung den möglichsten Nachdruck zu geben, um die Sanctionirung eines unmenschlichen Gesetzes abzuwehren und dem gegen unsere Glaubensbrüder versuchten VenichtungSkampse endlich ein Ziel zu setzen. Berlin!, 6. April 1868. In tiefster Ehrfurcht rc. Hierauf ist von Graf Bismark folgender Bescheid ergangen: Berlin, 18. April 1868. Seine Majestät der König haben mich beauftragt, die Jmmediat - Eingabe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde vom 6. d. M. zu beantworten, worin derselbe die Allerhöchste Verwendung Seiner Majestät gegen die Durchführung eines bei der rumänischen Volksvertretung eingebrachten, die Stellung der Israeliten betreffenden Gesetz- Entwurfes nachgesucht hat. In Folge dessen benachrichtige ich den Vorstand der jüdischen Gemeinde ergebenst, daß ich auf Allerhöchsten Befehl schon nach Eingang der ersten Nachricht über jenen Gesetzentwurf aus telegraphischem Wege Erkundigungen in Bukarest eingezogen hatte. Hieraus ist mir aus sicherster Quelle die Mittheilung zugegangen, daß der gedachte Gesetzentwurf gegen den Willen des Fürsten Karl eingebracht worden ist, daß dessen Annahme nicht zu erwarten stehe und wenn sie.dennoch erfolgte, die Sanctionirung des Gesetzes Seitens der fürstlichen Regierung nicht stattfinden werde. Wenn somit in dieser Beziehung für den Vorstand der jüdischen Gemeinde keine Veranlassung zur Beunruhigung vorhanden ist, so hat die königliche Regierung auch nicht unterlassen, jetzt ebenso, wie es bereits bei früherem Anlasse geschehen, in Folge der in neuester Zeit verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in der Moldau, in Bukarest Vorstellungen machen zu lassen uud es ist uns hierauf die Zusicherung ertheilt worden, daß Maßregeln getroffen seien, um jede etwaige Beunruhigung der israelitischen Glaubensgenofien zu verhindern. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, gez. Graf v. Bismark. Aus Westphalen. Auf Anregung der Lehrer Leser zu Lübbecke und Rothschild zu Levern hatten sich kürzlich die jüd. Lehrer des Kreises Lübbecke, Regierungsbezirks Minden, acht an der Zahl, in der Stadt Lübbecke zu einer Besprechung eingefunden. Es wurde vorgeschlagen, dreimal jährlich im Interesse des Schul- und Synagogenwesens eine Special-Conferenz abzuhalten, welcher Vorschlag sich auch der Zustimmung der Anwesenden zu erfreuen hatte. Zum Vorsitzenden dieser Versammlung wurde, als ältestes Mitglied, der Lehrer Leser aus Lübbecke, bekannt durch die von ihm herausgegebene hebr. Sprachlehre, „isnipn pteft no^n," gewählt. Aus dem aufgenommenen Protokolle erlauben wir uns die Hauptpunkte mitzutheilen: „Zweck des Vereins ist: 1) Besprechung von Schulinteressen überhaupt, sowie dahin zu wirken, daß in den jüo. Schulen des Kreises Lübbecke mögliche Uebereinstimmung herrsche; 2) Besprechung der äußeren Stellung des jüd. Lehrers und 3) der Synagogenangelegenheiten. In Bezug auf den letzteren Punkt soll namentlich dahin gewirkt werden: 1) die herkömmlichen Melodien zu vereinfachen; 2) den jüd. Gottesdienst überhaupt — nun, lieber Leser, Du wirst das Wort i schon errathen können — zu reformiren." Wir glauben indeß, die Herren Lehrer und Lehrerchen thäten — falls keine nöthigeren und dringlicheren Vorlagen zu erledigen sind — viel besser, wenn sie zu Hause blieben! Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Aus Westphaken. (Durch Zufall verspätet.) Müssen auch die in der Gegenwart so häufig vorkommenden Uebertritte zum Judenthume, denen, wenigstens in den allermeisten Fällen, nur Liebesverhältnisse oder sonstige materielle Zwecke zu Grunde liegen, jeden aufrichtigen Israeliten mit dem größten Schmerze erfüllen, so ist es um so erfreulicher, für dieses Mal über einen solchen Fall referiren zu können, der nur in aufrichtiger Ueberzeugung, in wahrer Liebe zum Judenthume und seinen Institutionen seinen Grund hat. Anfangs Februar d. I. wurde nämlich in Münster durch den dortigen ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner Sutro unter Assistenz der erforderlichen Beisitzer, ein Katholik in's Judenthum ausgenommen. Dieser Mann, der sich schon vor zehn Jahren durch den Act der Beschneidung in den israel. Religionslund eingeführt, und jetzt das 60. Lebensjahr schon überschritten hat, beobachtet schon seit länger als zwanzig Jahren die Sabbat- und Feiertage, legt pd'ON und trägt ein rnsJD ja-»*. Befragt, was ihn zu diesem Schritte bewogen, erwiderte er: „Zu jener Zeit — als er nämlich den Act der iid'v an sich vollzogen — habe er die Schristftelle 2. B. M. 12—48 gelesen, b~\y 13 *?3io ab, und seitdem hätte es ihm nicht eher Ruhe gelassen, bis er diesen heiligen Act an sich vollzogen. Oestrich. M. Rosenwald, Lehrer. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Als Kuriosum verdient erwähnt zu werden, daß einer Kundgabe im ungarischen Amtsblatte