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Der Israelit · 1868-04-29 · Heft 18 (29.4.1868) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 18 (29.4.1868)
Date
1868-04-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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322 Solche und ähnliche, vom Geiste edelster Humanität getragene Ideen und Anschauungen von einem christlichen Professor in einer christlichen Versammlung zu hören, war in Breslau etwas noch nicht Dagewesenes, und erregte gleiches Aufsehen bei Juden und Christen. Wie viel Judenhaß und falsche Anschauungen in unserer guten Stadt selbst dadurch zu Grabe getragen wurden, läßt sich leicht denken. Nun hat Herr Prof. Or. Prutz über dasselbe Thema bereits mit ungeteiltem Beifalle in Stettin, Srralsund, Berlin u. a. O. gesprochen und dieselben Anschauungen verbreitet. Wir halten es daher nur für ein geringes Zeichen unserer Hochachtung und Verehrung für Prutz, wenn wir in diesen weitverbreiteten Blättern, im Namen vieler Tausender, die innigsten Dankgefühle aussprechen. Wenn diese Zeilen in die Hände der Leser — und vielleicht auch zu Prutz selber — gelangen, wird der edle Dichter nicht mehr in unserer Stadt weilen, und wer weiß, ob und wenn wir je wieder Gelegenheit haben werden, seinen Weisheitösprüchen zu lauschen. Aber eine dankbare Erinnerung werden wir stets bewahren dem Namen des Mannes, auf den, wie wenige Andere,, die Worte des Dichters, den er zu Ehren gebracht, anwendbar sind: „Er ist ein deutscher Dichter, Bekannt im ganzen Land; Nennt man die besten Namen, So wird auch der seine genannt." Gustav Karpeles. AeisungSnsehrrchten und Correspondenzen. Deutschland. Vom Rhein, im April. Wie oft doch waren ehedem strenggläubige Israeliten in Verlegenheit, wenn es sich darum handelte Nerven- und Gemütbökranke unterzubringen! denn abgesehen von ^religiösen Rücksichten wurde auch die Heilung dadurch erschwert, daß dieselben in nichtjüdischen Anstalten die gewohnte Kost und Lebensweise entbehren mußten. Seit einigen Jahren wirkt nun die Anstalt des Herrn vr. Würzburger in Bayreuth in dieser Beziehung sehr segensreich. Nunmehr wird auch Herr Rabbinatscandidat W. Berg eine solche Anstalt in der Nähe von Bendorf (siehe die betreffende Annonce) errichten; möge dieselbe kranken Glaubensgenossen zum Heile gereichen. — □ München im April. Von Bruck wird unS geschrieben: Am Charfrertag (nDE> o"nm '3 Di1) verließ der Ziegeleibesitzer Bernhard Putze (Israelit) seine Wohnung dahier, mit dem Bemerken, daß er auf die Jagd gehe, und bis Abends 5 Uhr wieder heimkehren würde. Als es Abend und dann Nacht wurde und Putze nicht heimkehrte, suchten ihn seine Freunde, welche ein Unglück besorgten, — Herr Putze war der einzige Israelit in Bruck, — die ganze Nacht und den andern Tag hindurch in seinem Jagdbezirke, ohne ihn jedoch aufzufinden. Endlich wurde derselbe am darauffolgenden Sonntage Nachmittags 2 Uhr im sogenannten „Lindacher Harte," zunächst der Maisacher Straße erschossen aufgefunden. — Ueber dieses Ende des Putze circuliren nun die verschiedenartigsten Gerüchte. Nach dem einen, soll derselbe beim Laden seines Gewehres verunglückt sein, nach einem andern jedoch, dem wahrscheinlicheren, wurde dieser Mann erschossen, wie man sagt von Wilderern. Die Untersuchung der Behörden wird die Wahrheit zu Tage bringen. Berlin, 21. April. Von Seiten des Verstandes der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist nachfolgende Jmmediatvorstellung in Sachen der letzten Vorgänge in Rumänien an den König gerichtet worden: Noch sind sie in frischer Erinnerung, die von ganz Europa gebrandmarkten Gewaltthaten, welche während der letzten zwei Jahre an den Bekennern des jüdischen Glaubens in Rumänien verübt worden sind. Grausamer aber und schmachvoller als jene Greuelthaten sind die neuesten Vorgänge daselbst, grausamer, weil sie nicht gegen Einzelne, sondern gegen die gesammte, dort weilende, dort geborne jüdische Bevölkerung gerichtet, und schmachvoller, weil nicht niedere, ungebildete Massen es sind, sondern Staatsmänner und einflußreiche Volksvertreter, welche durch einen von ihnen eingebrachten Gesetzentwurf die Civilisation zu beleidigen und zu verhöhnen wagen. Denn nur als eine Verhöhnung europäischer Gesittung kann jener Entwurf angesehen werden, den wir in dem von den Zeitungen veröffentlichten Wortlaute abschriftlich ehrfurchtsvoll beifügen und der offenbar nur dahin zielt: die Gewaltthätigkeit zu sanctioniren und durch für die Willkür geschaffene Rechtsformen die bisher anarchischen Judenverfolgungen in gesetzliche umzugestalten. Ew. Majestät Unterthanen jüdischen Glaubens fühlen sich voll als Preußen, als Deutsche und blicken als solche mit Stolz auf die von Ew. Majestät befestigte und erweiterte Machtstellung des deutschen Vaterlandes hin, für welche auch sie ihre pflichtschuldigen Opfer dargebracht haben und fernerhin zu bringen stets bereit sind. Treu dem Glauben ihrer Väter können sie aber ihren so schwergeprüften Religionsgenossen auch in fernen Landen ihre innigste Theilnahme nicht versagen, dürfen sie nicht schweigen, wenn mit dem Glücke und dem Frieden derselben ein frevelhaftes Spiel getrieben wird.

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