Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 18 (29.4.1868)
- Date
- 1868-04-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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320 erklären möge. War das erreicht, so stand der beabsichtigten Ehe selbst ohne die Einwilligung der Eltern kein Hinderniß mehr im Wege. „Ich möchte sterben," sagte Metz eines Tages zu mir, „das Leben hat keinen Reiz mebr für mich." Das Wort traf mich hart; ich beschloß, noch eins zu versuchen, um meinem freunde die Ruhe wiedcrzugebcn; ich eilte zu Wetting; er empfing mich aufs freundlichste. „Excellenz," sagte ich, „erlauben Sie mir einige Worte im Interesse meines Freundes Metz!" „„Haha,"" lachte der Minister, „„wollen Sie mich gar theologisch bearbeiten?"" „Nicht doch, ich will vom religiösen Standpunkt ganz absehen und mich auf den rein menschlichen stellen. Möchten Sie wohl Ihre Hochzeitsfackel an der Todtenfackel der Eltern Ihrer' Erwählten anzünden?" „„Meinen Sie, daß Metz und seine Frau sich zu Tode grämen würden? Glauben Sie das doch nicht! So gefährlich ist die Geschichte nicht!"" „Und wenn sie dennoch so gefährlich wäre?" „„Nun, so widerfährt der Natur nur ihr Recht, welche die Alten hinwegräumt, um den Jungen Raum zu verschaffen!"" Ich erbebte — solch ein cynisches Wort zu hören, hatte ich nicht erwartet. Als ich betroffen schwieg, fuhr Wetting zu reden fort: „„Warum sind denn auch die Alten so starrsinnig? Mögen sie gute Miene zu dem doch einmal Unvermeidlichen macken. Was ist'S denn weiter für ein Malheur, mich zum Schwiegersöhne zu erhalten?"" „Daran eben können Eure Excellenz ermessen, wie ernst und aufrichtig jene Leute es meinen, da selbst eine so glänzende Partie sie nicht zu bestechen vermag!" „„Ja, ernst und aufrichtig! Sagen Sie lieber bornirt und starrsinnig! — Ich habe über die Frage nachgelesen. Das große Synhedrin, das 1806 in Paris tagte und aus sehr gelehrten Rabbinen bestand, hat ja die Ehe zwischen Christen und Juden gestattet!"" „Verzeihen Eure Excellenz, wenn ich zu widersprechen wage; das Pariser Synhedrium hat nur erklärt, daß der Jude, welcher eine Nichtjüdin heirathe, nicht als ein aus dem Iudenthume AuSgestoßener zu betrachten sei!"" „„Und die Rabbinerversammlungen zu Braunschweig. Breslau und Frankfurt?"" „Waren nichts Anderes als Zusammenkünfte völlig autoritätloser Thoren, deren Beschlüsse so großen Werth haben wie die Beschlüsse von beim Bierglase versammelten Pfahlbürgern." „„Sie urtheilen sehr geringschätzig über diese Männer; doch lassen wir das; ich weiß, daß Sie auf orthodoxem Standpunkte stehen, und ich will ihn Ihnen nicht verkümmern. Aber lassen Cie mir auch meinen Standpunkt; ich bin ein wenig Materialist; ich habe keinen Sinn für ideale Redensarten — und ich will es Ihnen gestehen, ich halte auch den Egoismus für nicht ganz unberecktigt; müssen einmal Zwei unglücklich werden, so mögend die Alten sein. Ich, ich habe keine Lust, mich für Herrn Metz und Frau Gemahlin zu opfern."" Er winkte entlassend mit der Hand, und ich ging tiefbekümmert von dannen. Auf dem Wege nach meiner Wohnung begegnete mir ein Glaubensgenosse, dem mein bekümmertes Aussehen auffiel; er fragte mich nach der Ursache, die. ich ihm ohne Rückhalt erzählte, denn die in Rede stehenden Vorgänge waren längst kein Geheimniß mehr. „Ich begreife nicht," schloß ich meine Mittheilung, „warum dieser Wetting so hartnäckig darauf besteht, das Mädchen heirathen zu wollen; eines wirklich tiesen Gefühls halte ch den Menschen gar nicht fähig." „Das Räthsel will ich Ihnen lösen," entgegnete mein Bekannter. „Sie halten den Iustizminister für einen reichen Mann und er gilt auch allgemein dafür; er besitzt ein schönes Haus in der Stadt und ein Landgut in der Nähe von X.; allein die Wenigsten wissen, daß beide Grundstücke tief verschuldet sind. Die 50,000 Thaler, die Fräulein Metz voraussichtlich alö Mitgift erhalten und die 200,OM Thaler, welche sie dereinst erben wird, sind wohl dazu angethan, dem Herrn Minister aus allen Verlegenheiten zu helfen." „Ich glaube nicht," erwiederte ich, „daß Habsucht daö Motiv seiner Handlungsweise ist." „Nicht Habsucht," entgegnete der Andere, „aber Ehrgeiz; das Geld soll ihm nur die Mittel gewähren, sich auf der erklommenen Höhe zu halten." Am andern Tage wurde Metz die Landesherrliche Volljährigkeitserklärung seiner Tochter zugesandt, zugleich mit der Bestimmung, derselben bei ihrer etwaigen Verheirathung einen Theil seines Vermögens zur Disposition zu stellen. Elvire verließ bald darauf, ohne Abschied zu nehmen, das elterliche Hans und begab sich zu einer Verwandten. Nicht lauge nachher wurde ich aufgefordert, Elviren und Wetting zu trauen; da ich die Vornahme der Trauung, wie das schon vorher der protestantische Geistliche gethan hatte, verweigerte, so begnügte man sich mit dem Civilacte. (Forts, folgt.) Hierzu zwei Beilagen. VerantrvorrUche gteoaction: Dr. Lehmann. — «erlag ver Le Roux'schen Hosbuchhandiung. — Dampf - SchneLprefjenvruck von I. Gottsleben in Mainz.