Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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307 gen selbe genügend zu lindern; Ihr wohlthätiges Wirken wird daher allgemein sehr geschätzt. rwyon msnyn p w. Mögen Sie Ihr heiliges Werk fortsetzen und sich nicht durch verläumderische, anonyme Inserate einschüchtern lassen, da solche gewöhnlich von solchen Leuten ausgehen, die jeder guten Thal, um ihren eigenen Nutzen, oder Andern zu schaden, entgegen treten; jeder vernünftige, aufrichtige Israelit aber wird Ihr wohlthätiges Bestreben zu schätzen wissen, 't no1?*? D3mi3»o 'nm. Iohannisburg, 10. April 5628. Der Vorstand der KreiS-Synagogen- Gemeinde: I. L. Eg er. Nathan Lublinski. M. I. Marcuse. Inserat. In einem anonymen Artikel in Nr. 13 d. Bl. ist von Gumbinnen aus behauptet worden, daß es in Ostpreußen keine jüdischen Proletarier gebe, und daß es deßhalb angemessen wäre, wenn die zur Unterstützung hilfsbedürftiger Glaubensgenossen Ostpreußens gesammelten Liebesgaben zur Abhilfe der Noth der in Polen lebenden Israeliten verwendet würden. Wir sind weit davon entfernt, gegen die Unterstützung unserer in der That große Noth leidenden Glaubensgenossen in Polen zu eisern, können jedoch nicht umhin, zu behaupten, daß auch in Ostpreußen viele Gemeinden existiren, bei denen die Noth groß und Hilfe dringend nothwendig ist. So zählen z. B. zu der hiesigen Gemeinde ca. 30 Familien, von denen mindestens 10 Proletarier, im strengsten Sinne des Wortes, also hilfsbedürftig sind, und 10 andere, welche zwar nicht unterstützungsbedürftig, aber doch so unbemittelt sind, daß sie andere zu unterstützen nicht vermögen; die übrigen 10 — sämmtlich auch keinesweges reich — haben die Pflicht, ihre darbenden Glaubensgenossen zu unterstützen und ihr leider nur zu großes Elend zu lindern. So bereitwillig und opferfreudig sie dies auch thun, so können wir doch nur mit dem herzlichsten Danke eingestehen, daß diejenigen Gaben, welche wir zur Abhilfe der Noth unserer hiesigen Glaubensgenossen von dem Central-Unterstützuugs-Comite für Ostpreußen zu Schippenbeil erhalten haben, äußerst gelegen gekommen sind. ES ist durch sie manches Elend gemindert, manche Dankesthräne geflossen! Ein Gleiches können wir von den Gemeinden in Allenstein, Wartenburg und Guttstadt sagen, wo manche Mitglieder ohne die erhaltene Unterstützung nicht einmal im Stande gewesen wären, sich zum heiligen Osterfeste ihre Osterkuchen zu beschaffen. Ja, es herrscht Noth, große Noth bei vielen unserer Glaubensgenossen in Ostpreußen, zumal in den polnischen Grenzorten, wo fast täglich Hilfesuchende aus Polen anlangen, denen auch nach Kräften Liebesgaben mit OpferwWigkeit gespendet werden. Wir halten es sonach für unabweisbare Pflicht, die für Ostpreußen gesammelten Beträge auch zu dem bestimmten Zwecke zu verwenden, wünschen aber von Herzen, daß auch für unsere nothleidenden Glaubenöbrüder in Polen recht schleunige Hilfe eintreten möchte. Gewiß werden bei diesem Werke der Barmherzigkeit und Mildthätiakeit auch selbst die ärmeren Glaubensgenossen Ostpreußens nicht fehlen! Hohenstein in Ostpreußen, im April 1868. Der Vorstand der Synagogen-Gerueinde. V. Hoffmann. I. Leßla. Inserat. Mit gerechtem Bedauern haben wir aus dem Mainzer Wochenblatt „Israelit" Nr. 13 ersehen, daß Seitens eines Inserats von Gumbinnen aus der Nothstand unserer Glaubensbrüder in unserer Provinz für eine Chimäre im Vergleiche gegen Polen gehalten wird, was uns, im Anblick des wahrhaften Nothstandes, welcher auch in unserem Orte unter unseren Glaubensbrüdern herrscht, schmerzlich berühren muß, da wir selbst schon theilweise Hilfe aus unseren geringen Mitteln beischaffen mußten, um dieselben vor dem bittersten Elende zu bewahren. Wenngleich Inserat erklärt, daß es in Ostpreußen keine jüdischen Proletarier gäbe, so dürfte er gerade jetzt nur in hiesiger Gegend und selbst bei unserer nur kleinen Gemeinde erscheinen, um ein ungefähres Bild von den jetzigen wahrhaft traurigen Verhältnissen anzuschauen, — wahrlich! er würde sein Inserat widerufen, würde, wenngleich auch in Polen großes Elend herrscht, auch zu uns ausrufen: „ich sehe, es geht auch euch wahrhaft schlecht, meine Glaubensbrü-' der, auch euch ist Hilfe höchst nöthig, wenn ihr nicht dem Verderben preisgegeben werden sollt." Wir haben nun zwar von dem Central-Unterstützungs-Comite zu Schippenbeil eine Unterstützung von 40 Thlr. erhalten und haben solche auch zur augenblicklichen Abhilfe der bittersten Noth nach unserem besten Ermessen gewissenhaft vertheilt, doch reicht dieser kleine Betrag selbstverständlich nicht aus, um die zu unserer Gemeinde gehörenden, in der bittersten Armuth lebenden Handwerker und Handelsleute Aushilfe zum ferneren Fortbestehen in ihrer Arbeit und ihrem Gewerbe zu verschaffen, vielmehr mußte dieser Betrag zur Anschaffung von Nahrungsmitteln, welche wir auch zu sehr hohem Preise bezahlen mußten, angewandt werden. Da nun voraussichtlich die Noth bis zur Ernte der ersten Früchte sich immer mehr steigern wird, so hoffen wir vertrauensvoll, daß uns noch ferner gütige