Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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306 ßen haben bis zum vorigen Jahre ihre Armen selbst unterhalten und dennoch sähe cS sehr traurig au§, wenn denselben in diesem Jahre nicht Unterstützungen von auswärts zugeflossen wären. Der Vorstavd der Synagogengemeinde. S. Friedländer. H. Davidsohn. Jaashu. ü. Simonsohn. Mehlsack in Ostpreußen, 4. April. Die betrübende Erfahrung, daß jedes edle, uneigennützige Bestreben seine gehässigen Angreifer findet, mußte sich auch bei dem Central-Ünterstützungs-Comite zu Cchippenbeil wieder bewahrheiten. Ein anonymer Artikel aus Gumbinnen in Nr. 13 d. Dl. sucht die Wirksamkeit des genannten Ccmitos durch die Behauptung herabzusetzen, daß die nothleidenden Glaubensgenossen unserer Provinz keiner Unterstützung von auswärts bedürfen und will die sür dieselben bei der geehrten Redaktion d. Dl., sowie bei dem Hamburger Comite eingegangenen Beträge zu Gunsten der nothleidenden Brüder in Polen und Rußland verwendet wissen. Wir würden den edlen Eifer ehren, wenn er sich nicht bis zu den beleidigendsten Auslassungen vergessen möchte. Wiewohl die grvßern Gemeinden Königsberg, Lyck, Johannisburg u. ). w., sagt der Schreiber jenes anonvmcn Artikels, keine Unterstützungen von auswärts angesprochen haben, „weil sie ehrenhaft find und es verschmähen, die Mildrhätigkeit unserer opferwilligen Glaubensgenossen auözubeuten," wagt eö die Duodez-Gemeinde Almosen xrv domo zu fordern. Wir stellen es nicht in Abrede, daß die Noth in Polen und Rußland sehr groß, wohl noch größer ist, als bei uns, allein die Noth der Unsrigen muß uns näher liegen. Was können auch alle unsere Opfer in Polen und Rußland helfen, wo die jüdische Bevölkerung in dichten Massen zusammengedränat wohnet und das Proletariat die Zahl der sich Ernahrenoen weit über- IriM Hier aber fordert die verschämte Armuth um so mehr unsere regste Theilnahme, je weniger sie sich der öffentlichen Wohlthätigkeit aufdrängt und je mehr die hier geleisteten Unterstützungen ersprießliche Früchte tragen. Wie groß die Armuth in unfern Gemeinden ist, wie viel auch die Begüterten noch selbst zu leisten haben, dafür wollen wir hier nur einen Beleg liefern: Unsere Gemeinde, welche 22 Familien zählt, hat 7 arme Familien und Wittwen darunter, die sich nur zum Theil dürftig ernähren können. Eine dieser Familien muß von unserer Gemeinde schon seit drei Monaten vollständig unterhalten werden, da der Familienvater am Typbuö schwer darnieder liegt und auch die sämmtlichen Kinder derselben von dieser Krankheit befallen waren. Wir haben von dem Central - Unterstützungs-Comite aus Cchippenbeil für unsere armen Gemeinde-Mitglieder bereits 55 Rthlr. erhalten, doch muß die Gemeinde noch weit, weit mehr thun, um die dringendste Noth derselben abzuwehren. Hiernach möge man ermessen, ob es eine ungerechtfertigte und „sündhafte" Ausbeutung der Mildthätigkeit unserer fernen Glaubensbrüter ist, die Unterstützung derselben in Anspruch zu nehmen. Dev Vorstand dev Synagen-Gemeinde: Levin Zempelburg. S. Mendelsohn. I. Jacoby. Osterode in Ostpreußen, 6. April 1868. Die Unterzeichneten fühlen sich verpflichtet, gegenüber der anonymen Correspondenz aus Gumbinnen (Israelit Nr. 13) Folgendes zu erklären: DaS jüdische Central - Unterstützungs - Comite für Ostpreußen in Schippenbeil, wenn auch nur in einer ganz kleinen Gemeinde bestehend, hat seit seinem Wirken so viel Gutes gestiftet, so viele Thränen getrocknet, so vielen verschämten Armen aufgeholfen, so vielen kleinen unbemittelten Gemeinden möglich gemacht, ihren Bedürftigen zu dem in diesem Jahre so sehr theueren Pessach die nöthigen Mazzos, Fleisch, Kartoffeln rc. zu beschaffen, daß wir nicht umhin können, ihm öffentlich unseren Dank auszusprechen. Nach unserer Ueberzeugung und unserem Dafürhalten hat das jüdische Comite in Cchippenbeil die eingegangenen Summen sehr gut verwendet, und wenn es auch wahr sein mag, daß Gemeinden, wie Heilsberg, Rastenburg u. s. w. stets ihre Armen selbst unterstützt haben, so werden sie es doch sehr gerne gesehen haben, in diesem für uns so unglücklichen Jahre einen Zuschuß zu bekommen, zumal die diesjährige Noth auch mit Krankheiten verbunden ist. Wenn auch das Unglück unserer Glaubensgenossen in Rußland und Polen weit größer als in dieser Provinz ist, so hat doch das Comite in Sch. das Recht, erst für uns bis zur neuen Ernte zu sorgen und alle Gelder, die für Ostpreußen ursprünglich bestimmt sind, für sich in Anspruch zu nehmen. Der Dorstavd der Synagogengemeinde. Sturmann, Religionslehrer. S. I Jacobsohn. tzL. Friedländer. I. L. Krause. Danksagung. Einem wohllöblichen jüdischen Central - Unterstützung-Counts für Ostpreußen zu Schippenbeil sagen wir hiermit für die uns gesandten Beträge zur Unterstützung jüdischer Armen unseren innigsten Dank. Die Noth für unsere bedürftigen GlaubenSgenoffen war hier um so größer, da die Zahl derselben die der Bemittelten gewaltig übersteigt, und wären wir außer Stande gewesen, während des Winters und zu Pchach ohne Ihre uns gütigst gewährten Unterstützun-