Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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299 Sl*aßb«cg. Im Jahre 4848 wurden in mehrerm Dörfern in Daut-Rllin unter dem Geschrei der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den Israeliten die Hauser und Synagogen sehr beschädigt. Eine Erinnerung an diese traurige Zeit wurde in der Sitzung des französischen Senats vom"20. März wieder wachgerufen. Es wurde in derselben der Bericht über eine Petition gemacht, welche sechs Einwohner der Gemeinde Lexpom-Ie-Lais eingereicht hatten, um den Gerichtshof von Colmar zu einem Befehl zu veranlassen, welcher die Gemeinde verurtheilt, Schadenersatz für die im Jahre 4848 verübten Beschädigungen zu leisten. Die Entschädigungssumme wurde auf 52000 Fr. veranschlagt. Der Gemeinderath hat 4000 Fr., die er auf einmal bezahlen will, angeboten; der Senatsbericht erklärt dieses Anerbieten als für zu wenig erust und verlangt die Ueberreichung der Petition an den Minister des Innern zur Berücksichtigung, was auch beschlossen wird. (Univ. Isr.) Belgien. Brüssel. Aus dem vom isr. Consistorium in Belgien veröffentlichten Protokoll der diesjährlichen Generalversammlung am 2. Februar ersieht man unter anderm, daß die isr. Elementarschule in Brüssel immer mehr gedeiht. Der Stadtrath hat die Erhöhung seines Beitrags von 600 Fr. auf 1200 Fr. bewilligt. (Univ. Isr.) England. London. Den 29. März wurde die North- London-Synagoge unter großer Feierlichkeit eingeweiht. Amerika. NewrAork. Große Aufregung unter der israelitischen Bevölkerung New-Aorks wurde am 8. v. M. dadurch hervorgerufen, daß der Chef der Polizei, Kennedy, spät am Nachmittage des Sonntags eine Ordre erließ, jede im Masken-Anzuge betroffene Person zu verhaften. Es ist bisher den Israeliten gestattet gewesen, am Abende des Tages, mit welchem das jüdische Purimfest beginnt, einander friedliche Besuche im Masken-Anzuge abzustatten, indessen waren diesmal Uebergriffe des Polizei-Präsidenten befürchtet, weshalb sich mehrere angesehene Israeliten mit Erlaubnißscheinen des Mayors versehen halten, in denen die Polizei ersucht wird, die Inhaber derselben bei friedlichem Verhalten ungehindert passiren zu lassen. Trotzdem bemächtigten sich die Polizisten in den verschiedensten Stadttheilen einer Anzahl mit maskirten Damen und Herren besetzter Equipagen, zwangen die Kutscher, nach den Diftrictsstationen zu fahren, wo die Opfer dieser Brutalität eingeschlossen und erst nach mehrstündiger Haft wieder entlassen wurden. Kennedy erklärte, daß der Mayor kein Recht zur Einmischung habe, daß er, wenn es am Montage, statt am Sonntag gewesen, weniger streng gehandelt haben würde, und daß seine Untergebenen keinen Auftrag gehabt hätten, Personen in geschlossenen Equipagen zu verhaften. Da einige unserer reichsten und geachtetften Bürger unter dieser Willkür zu leiden gehabt, wird der Fall zum gerichtlichen Ausgang gebracht werden. Cincinnati, 25. März. In der Broodway- Synagoge hier hat Herr Dr Lilienthal vor einigen Wochen bei einer Frau, die von ihrem ersten noch lebenden Manne keine andere (p"iiüb) Freisprechung hat als die, welche die ihr von der Civilbehörde nach langer Prozeßführung zugesprochen wurde, die Trauung vorgenommen. Da mußte wieder der „absurde und viel verhaßte Talmud" herhalten, Hrn. Dr. Lilienthal den Rücken decken, das biblische Gesetz rny ziroi •Tva jrui z>"d aufheben, den Grundsatz njh wn gellend machen und darauf hin die gerichtliche Scheidung als auch von der Religion anerkannt sanctioniren »jsBsrai ns nss pL"w jw emn pm. Es wurde dem „Iewish Messenger" darüber geschrieben und die Abscheulichkeit der Handlung sowie die schrecklichen Folgen derselben in den lebhaftesten Farben dargestellt; aber der gute Mann ließ in seinem Blatte kein einziges Wort davon verlauten, wahrscheinlich mußte der Brief die in Israel begangene Schandthat sühnen und er theilte das Loos einer nrtfw;rü ro. So ist es, wenn der Redakteur eines Blattes von Furcht beherrscht wird. Dr. Lilienthal soll als zweiter Prediger bei der Gemeinde Emanuel in New-Aork angestellt werden, und er könnte vielleicht bei seinen neuen Freunden, dem Meffenger einen nicht geringen Schaden zufügen. Wir wissen uns für die Verschweigung eines solchen himmelschreienden Unrechtes keine andere Entschuldigung anzugeben, als daß Herr Isaacs kein “ptj ist und darum das Gesetz vfo n-iidi nwn nicht kennt. Seit zwei Monaten wüthet der Krieg wieder auf's Neue in unserem Lande, aber nicht Blut, sondern Tinte wird Wasser gleich vergossen priäJD n"n n«. Die gemäßigten (!) Orthodoxen (!) Iastrow und Bondy sind mit den gemäßigten (?) Reformern Wise und Kali sch in einen Kampf gerathen und liegen sich wüthend einander in den Haaren; am schrecklichsten aber ist der Pamphlettegen, der von allen Seiten her auf uns niederfällt. Noch liegen in jedem Hause die drei nacheinander erschienenen Pamphlete des Herrn Iastrow herumgestreut, da kommt schon wieder ein neues, welches der Luxemburger Hirsch gegen Ersteren (Iastrow) losgelassen hat. Dr. Wise, der anfangs eine nicht geringe Schlappe erlitten