Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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296 schon von vor langer Zeit, da Elvire noch fast ein Kind war; sie ist auferbaut auf dem Fundamente der Humanität', die mich, den Christen, die Jüdin würdigen und lieben lehrte. Die Humanität ist die höhere Einheit aller Religionen; sie ist's. „„Herr Wetting, Sie sind ein hock gelehrter Herr, und ich bin nur ein unbedeutendes Weib; ich kann nicht mit Ihnen diöputiren; nnr bitten kann ich Sie, von Ihrem Vorhaben abzulassen und nicht drei Menschen, die Ihnen doch ehemals werth waren, unglücklich zu machen."" „Drei Menschen? Meinen Sie, ich würde Elvire unglücklich machen?" „„Ja, das meine ich. Unglücklich muß enden, was der göttlichen Ordnung zuwiderläuft."" „Sagen Sie der menschlichen Satzung! Die göttliche Ordnung offenbart sich in der Natur, indem sie das vereint, was zu einander hinstrebt. Noch einmal, bitte ich Sie, liebe Frau Metz, stehen Sie uns bei, helfen Sie uns." # ' „„Und ich, ich bitte Sie, lasten Sie ab!"" „Nie! Geben Sie mir Elvire nicht gutwillig, so werde ich sie mir gegen Ihren Willen zu verschaffen wissen!" „„Aber Elvire wird nicht gegen dm Willm ihrer Eltern handeln!"" „Nun, wir werden sehen. Sagt Elvire: „„Nein."" so verzichte ich; will sie aber die Meine trotz ihrer Eltern werden, so wird sie es auch werden. Leben Sie wohl!" Wetting ging. Frau Metz eilte zu ihrem Gemahl, warf sich an dessm Brust und weinte bitterllch. „Mann," sagte sie, „geliebter Mann, Wetting war da; o, jetzt kenne ich Deinen Kummer!" Und aufs Neue flössen ihre Thränen. „„Emilie,"" sagte Herr Metz, „„fasse Dich; wir wollen vor allen Dingen mit unserer Tochter reden7"" Er zog an der Glockenschnur und befahl dem eintretenden Bedienten, Elvire zu rufen. Als Elvire eintrat und und die verweinten Au-, gen von Vater und Mutter sah, erschrak ste nicht; wußte sie doch bereits durch Wetting was hier vorgegangen war. „Komm her, mein Kind", sagte der Vater sanft; „wir haben mit Dir zu reden. Du siebst jetzt in dem Al.er, in welchem die Eltern junger Mädchen an die Verheirathung derselben zu denken Pflegen. Es sind mir bereits viele, recht passende Anträge für Dich gestellt. Da ist der junge Danvers aus Paris, der uns vor vierzehn Tagen besuchte; er ist gebildet, liebenswürdig, schön, ein tüchtiger Kaufmann, wohlhabend und auch nicht unreligiös. Was meinst Du, mein Kind?" „„Lieber Vater, ich kann Monsieur Denvers nicht heirathen; ich werde mich niemals entschließen, einen Franzosen zu nehmen."" „Bist Du eine solche Patriotin? Nun, glücklicherweise habe ich auch über deutsche Herzen zu verfügen. Da ist der junge Blum aus M." „„Der Geck!"" „Oder der Gespiele Deiner Kindheit, Aügust Schönberg aus F." „„Gegen August Schönberg hätte ich nichts einzuwenden, wenn.... „Nun wenn?" „„Wenn ich ihn lieben könnte!"" „Und Du kannst ihn nicht lieben?" „„Nein, denn ich liebe bereits einen Andern."" „Einen Andern? Wer ist dieser Andere, meine Tochter?" „„Es ist Wetting, lieber Vater."" „Wetting? der Minister Wetting?" „„Eben der! Er verlangt nicht, daß ich Christin werde!"" „Unglückseliges Kind — willst Du Deine Eltern unter die Erde bringen?" „„Davor bewahre mich Gott! Allein..."" „Elvire, mein Herzblatt!" rief da die Mutter, die Tochter an sich drückend. „Sprich kein Wort weiter! Du warst immer ein gutes Kind, Du wirst auch jetzt eine gehorsame Tochter sein!" Elvire küßte ihre Mutter uud entwand sich sanft den Armen derselben. „Vaier," sagte sie dann, „wie lange ist eS wohl, daß wir zusammen Shakespeares Romeo und Julia gelesen?" „„Was willst Du damit sagen, Elvire?"" „Erinnerst Du Dich vielleicht noch dessen, was Du damals über die Allgewalt der Liebe sagtest, wie sie alle Hindernisse überwindet, alle Schranken niederreißt nnd selbst den Tod überdauert?" „„Unglückselige, willst Du vielleicht ein Trauerspiel aufführen in meinem Hause?"" . „Es liegt nur an Dir, mein Vater, das Trauerspiel zu verhindern; gib Deine Einwilligung zu unserer Verbindung!" I „„Und wenn ich sie nicht gebe?"" „ Ich werde nie einen Andern als Wetting heirathen!" „„So wirst Du denn gar nicht heirathen!"" Elvire verließ ohne eine Antwort zu geben daS Zimmer. ' (Fortsetzung folgt).! Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Veoaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le R o ux'schen Hofbuch Handlung. — Dampf - SchneLprefsendnut von I. Gottsleben in Mainz.