Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 17 (22.4.1868)
- Date
- 1868-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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£94 Confession an evangelischen Anstalten und umgekehrt thut. „8u^m eui^ue." Königsberg, 15. April. Der „Staatsanzeiger" bringt die Ernennung des hiesigen praktischen Arztes vr. Heinrich Jacobson, eines in hiesigen ^Kreisen hochgeachteten Mannes, zum außerordentlichen Professor in der medicinischen Facultät uMrcr Universität. Die Ernennung ist insofern von allgemeinem Interesse, als derselbe der erste Jsraelst ist, der ein Lehramt an unserer Alhertina bekleidet. Bekanntlich war dies bis vor Kurzem durch das UniverNtätsstatut untersagt, welches zur Wahrung deö protestantischen Characters der unter Herzog Albrecht inmitten der Reformer tionSkampfe gestifteten Hochschule die Anstellung nichtprotestantischrr Docenten untersagte. Der betreffende Paragraph ist erst im vorigen Jahre nach jahrelangem Ankämpscn aufgehoben worden. Oesterreichischer Kaiserstaat. PeW. Als eine der besten und von der israel. Jugend zumeist frequentirten Handelsschulen können wir mit Recht und Fug die hier bereits seit vielen Jahren bestehende Nikl. v. Röser'sche Haupt - Handelsschule und Erziehungsanstalt nennen. Herr v. Roser schont weder Mühe noch Kosten, um die ihm anvertraute Jugend zu tüchtigen und brauchbaren Menschen heranzubilden. Was wir aber am meisten hervorheben müssen, ist die sorgsame religiöse Erziehung und Bildung, welche durch anerkannte tüchtige Fach- und Berufsmänner für alle Confessionen hier gefördert wird.*) Wir weisen den verehrt. Leser auf daS treffliche Programm dieses Institutes hin, und erlauben uns nur hier einige Zeilen aus demselben zu entlehnen: „Ich habe meiner Handels-, Lehr- und Erziehungsanstalt jene Organisation gegeben, wodurch neben der nöthigen allgemeinen Bildung die kaufmännische Fachbildung keinen Abbruch erleide, und doch in entsprechend kurzer Zeit das vorgesteckte Ziel erreicht werde. — Hauptsächlich habe ich dabei fest im Auge behalten, daß der Handelsbeflissene frühzeitig so gebildet und gewöhnt werde, wie das vielbewegte, sehr sorgenreiche Leben des Geschäftsmannes dies fordert. Angestrengte, fortgesetzte Arbeitsamkeit, Ordnung und Acuratesse, Bescheidenheit, Duldsamkeit und Verträglichkeit, sowie Pünktlichkeit in Erfüllung seiner Pflichten sollen ihm zur zweiten Natur werden! — Vom jungen Handelseleven muß alles fern gehalten werden, was seine Phantasie, Eitelkeit, Ueberschätzung, Arbeitsscheu, Unduldsamkeit und Ueberhebung befördern würde. — In ihm muß die Liebe zum Studium der Menschen, der Natur und seines Vaterlandes lebendig werden; *) Als Religionslehrer für die israel. Jugend wirlt daselbst Herr Rabb. Salomon Kohn, dessen Lehrbücher kür die Schulen Ungarns von Seitm der h. Regierung zur Einführung empfohlen sind. dann wird er gewiß seinen Zweck erfüllen. Die Behandlung der einzelnen Lehrgegenstände wird darthun, was ich an Wissenschaft und Fertigkeit im Zögling entwickeln will, und wie ich dieses durch organische Anordnung des reichen Stoffes auch möglichst erreichen kann." Herr v. Röser hält treu, was er dem Publikum zusagt, und verdient auch hier in diesem weitverbreiteten Blatte schon deshalb der höchsten Beachtung, weil in seinem Institute eine Anzahl armer israel. Zöglinge unentgeltlich Unterricht erhalten und der besten liebevollsten Behandlung sich erfreuen. Möge Herr v. Roser noch lange zum Wohle der Jugend wirken, so wie er als Landtagsabgeordneter für die Rechte des Vaterlandes mit Liebe und Wärme einsteht. Dr. PrKft. Einige Stunden von Prag lebt ein Schmied, czechischer Nationalität, welcher, von katholischen Eltern gebürtig, stets eine große Vorliebe für das Iudenthum bekundet hat. Seit vielen Jahren schon besuchte er einigemale im Jahre die Prager Alt-Neu-Synagoge und verrichtete dort seine Gebete, als wäre er ein Bekenner der mosaischen Religion. Unlängst nun ging der alte Mann im Auslande in aller Form zum Iudentbume über, ließ sich — im Alter von circa 60 Jahren — beschneiden und erschien, wie die „Bohemia" erzählt, diese Woche als Jude wieder in der Alt-Neu-Synagoge, wo ihm an den beiden ersten jüdischen Osterfeiertagen viele Ehrenbezeigungen zu Theil wurden. Frankreich. Die Pariser jüdische Gemeinde kam jüngst in Besitz eines Legats von 125,000 Frs., welches ihr schon vor fünf Jahren vermacht würde. Die natürlichen Erben hatten das Testament angegriffen, haben aber den Proceß verloren. Die Verwandten sollen schon vor vielen Jahren zum Christenthume übergetreten sein. Rumänien. Die Widersprüche in den Nachrichten über die Judenverfolgungen in der Moldau dauern fort. Dieser Satz droht in den Journalen stehend zu werden. Die „Wiener Abendp." erzählt wieder von den Bemühungen, welche sich unser Generalkonsul Freiherr v. Eder in dieser Sache gab. Bei diesem Anlässe wird uns endlich der Bericht des vielgenannten Prafecten von Bakeu, welcher die Wahrheit her verbreiteten Gerüchte in Abrede stellt, mstgethkstlt. Dcrsebe lautet: „Nein, nein, es ist unwahr, daß Flintenschüsse abgefeuert worden seien, eS ist lediglich constatipt, h/»ß in der Nacht vorn 30. auf den 31. März die Fehlet- *