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Der Israelit · 1868-04-22 · Heft 17 (22.4.1868) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 17 (22.4.1868)
Date
1868-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jahre seines Mlers, während seiner Amtstätigkeit, in der Ausübung seines heiligen Berufes abgeschnitten. Noch^ schwebte das lebendige, seine zahlreichen Zuhörer fesselnde Wort Gottes aus seiner Zunge, ohne daß er seine geistreiche, streng logisch erdachte Rede bis an's Ende gehalten hatte, und schon war er eine Leiche. Denn über die Bedeutung und Wichtigkeit des Peßachfestes sprechend, wollte er gerade das Publikum aufmerksam machen, die Peßachwaaren nur von solchen Personen zu kaufen, die im Besitze eines wirklich glaubwürdigen isson sind, als er, um seine Mahnung noch eindringlicher zu machen, auf dieselbe die Worte der Schrift anwandte, ddtiwb^ amowi, und glaubend, er habe diese Worte noch nicht ausgesprochen, fiel er, während er diesen ähnliche Woü^ noch stammelte, zum allgemeinen Schrecken und Ersetzen der von beiden Geschlechtern überfüllten Synagoge, hin und hauchte seine heilige Seele aus. Anfangs gab man sich, wenn auch nur der schwachen Hoffnung hin, daß vielleicht * nur eine Ohnmacht ihn ergriffen habe. Aber bald stellte sich durch die von den schnell herbeigeholten Aerzten angewandten Rettungs- und Wiederbelebungsversuchen bei allen ängstlich Harrenden, vom panischen Schrecken ergriffenen Anwesenden, die traurige Gewißheit heraus: mir« ripd '2 ,ua»w, und ein tausendstimmiges dr«->L" yotp durchhallte die weiten Räume des mit Thränen befeuchteten GotteshMses. Was die hiesige Gemeinde, der er 121/* Jahre, nachdem er 26 Jahre als Rabbiner in Fraustadt fungirt, als -j"2\x mit dem größten Eifer zur Befriedigung aller Parteien, deren Liebe und Hochachtung er sich im höchsten Grade zu erwerben gewußt, rühmlich vorgestanden, an ihm verloren hat, wird nur derjenige wahrhaft zu würdigen wissen, der die hiesigen Zustände aus eigener Anschauung kennt. Abgesehen von seinem eminenten talmudischen Wissen, das er mit streng systematisch logischem Geiste vollkommen beherrschte, war er ein durchaus practischer Lamdon; so gab er aus alle, noch so zahlreich an ihn ergangenen rituellen Fragen seine bestimmte, unzweideutige Entscheidung mit der größten Präcision auf der Stelle, so daß wir zuvörderst an ihm einen selten großen pDis verlieren, der als solcher, obwohl wir hier noch gottlob große Q'iQid, die noch als Schüler zu den Füßen des großen Heros der talmudischen Gelehrsamkeit, des hochberühmten N2’py '2-1 saßen, haben, hier sehr empfindlich vermißt werden wird. Wenn man bedenkt, daß wir in einer Zeit leben, in welcher die Reihen der alten, ehrwürdigen, von dem lebendigen Gottesworte getragenen, von echter Pietät und Gottdurchdrungenheit erfüllten Rabbiner immer mehr gelichtet werden, ohne die Aussicht zu haben, durch das jüngere Geschlecht diese so fühlbaren Lücken wieder ersetzen zu können, so dürfte der Hintritt einer so bedeutenden talmudischen Größe, deren wir in der Person unsers seligen Rabbiners verlustig geworden, auf die Theilnahme aller glaubenstreuen Israeliten die gerechtesten Ansprüche machen. Doch zunächst trifft dieser große, nicht zu unterschätzende Schlag unsere Gemeinde, die in ihm eine ihrer größten Zierden verliert, da er vermöge seiner seltenen Weisheit und Klugheit es verstand, die hier so scharf markirten heterogenen Elemente noch so ziemlich zusammenzuhalten und auszugleichen, und die überwuchernden heteredoxen Bestrebungen, wie solche andere Gemeinden bereits bis zu dem Grabesrand des Unglaubens und des noch gefährlichern JndifferentiSmuö gebracht haben, von dem Kern der Gemeinde und ihren alten, durch Jahrhunderte geheiligten, seit undenklichen Zeiten von den größten Koryphäen des Judenthums eingeführten und sanctionirten Institutionen und Gebräuchen fern zu halten. Wenn er auch in letzterer Zeit beim Ausbruch großartiger Kämpfe passiv sich zu verhalten schien, so hat er nur, wie von glaubwürdiger Seite versichert worden, dem ersten heftig auflodernden Feuer weislich ausweichen wollen, um zu desto nachhaltigerem und erfolgreicherem Eingreifen für die Erhaltung des Bestehenden bessere Zeiten abzuwarten. Denn zuvörderst will die Neuerungssucht unserer Neologen die hier bestehende Nttfnp rron, die um kein Haarbreit von den in den Religionsvorschriften von namhaften Autoren vorgeschriebenen Gebräuchen bei der Beerdigung der Verstorbenen abzuweichen sich alle Mühe gibt, auflösen und an deren Stelle eine andere substituiren, die nicht auf dem Grund und Boden des Judenthums entsprossen ist und sogar eine solche zu werden droht, daß angestellte und besoldete Nichtisraeliten die Hauptverrichtungen bei der Leichenbestattung ausüben sollen. Doch da dieses Bemühen, zu welchem alle Hebel in Bewegung gesetzt worden, durch die einmüthige Entgegenstrebung aller heldenmüthig sich zusammenschaarenden Glaubenstreuen, die wie ein Mann gegen solche, den Lebensnerv unserer alten einfachen Einrichtungen abzuschneiden drohenden Eingriffe sich erhoben, wenigstens vorläufig fruchtlos geblieben ist: so hat der Vorstand der Gemeinde — o tempora, o moresl — im Vereine mit deren Repräsentanten, die fast sämmtlich der neueren Richtung huldigen, zu einer so kleinlichen und jeden gebildeten Mann entehrenden Rache, wie sie in den Annalen der jüdischen Geschichte wohl kaum noch ihresgleichen vorgefunden werden kann, seine Zuflucht genommen; und zwar den Eingang zu dem, seit einigen Monaten eröffneten, mit vielem Kostenaufwande auf das Comfortabelste und Pomphafteste reichgeschmückten rituellen Badehause, das eine Zierde der Gemeinde geworden ist, dem männlichen Personale nicht mehr zu gestatten, während die alte, noch brauchbare, von -ijn'N y"-> selbst unter eigener Anordnung und Bethätigung in's Leben gerufene m~D absichtlich zerstört worden ist, um das Maaß der Willkür zu vollenden. Es ist unbegreiflich, wie

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