Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1868)
- Date
- 1868-04-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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277 ine unglückliche Rabbinerwtttwe in Ungarn, deren Gatte vierzig Jahre lang sehr rechtlich fungirt hat, bittet mich um Fürsprache an unsere hochherzigen Glaubensgenossen, daß sie durch dieselben die Versorgung ihrer unversorgten Töchter ermöglichen könne. Ueberzeugt von der besonder» Würdigkeit dieses Falles entspreche ich auf diesem Wege diesem Wunsche und bitte meine wohlthätigen Brüder und Schwestern, sich dieser würdigen Familie eines n"n thätigst zu erbarmen und mir die gef. Spenden zu übersenden. Eisenstadt, im Adar 5628. _ _Pr. Israel Hildesheimer. Verpel^t, 29. März. (Em besonderes Beispiel von Wohlthätigkeitssinn einer Gemeinde.) Es ist löblich, wenn man Gemeinden findet, in denen verschiedene Wohlthätigkeitsinstitute sind; es ist erfreulich, zu sehen, wenn eine Gemeinde gegen ihre Armen milde und wohlthätig ist, auch dann, wenn diese Gemeinde recht groß und zahlreich ist; aber sicher ist es doppelt erfreulich und erhebend, wenn die Gemeinde klein und hinsichtlich ihres Wohlthätigkeitssinnes dennoch manche große Gemeinde überflügelt. Ein solches Muster der Wohlthätigkeit ist die hiesige Gemeinde. Sie versorgt 23 nmra mit Kost und onsD, außerdem werden alle sonstigen Armen reichlich mit Geld und Lebensmitteln unterstützt. Besonders leistet die rirnip muri darin Außerordentliches. Sie vertheilt jedes Jahr viel Geld, versieht arme Kranke mit Arzt, Arznei und Wärtern; die Vorsteher derselben, die Herren I. Grün und M. Stern sind stets bemüht, diese edlen Zwecke immer mehr zu bethätigen. Außerdem sind noch viele Private lobend hervorzuheben, besonders der Gemeindevorstand, Herr Sch. I. Stern, Besitzer einer Dampfmühle, und dessen Gattin Klerle. Noch muß ich Frau R. Weiß rühmend nennen. Ihr Haus verläßt kein Armer, ohne reichliche Unterstützung erhalten zu haben; jeden Winter gibt sie eine nicht unbedeutende Summe einem bewährten Manne zur Vertheilung an Arme. Nicht minder ist es ihr Sohn, Herr S. Weiß, der in dieser Beziehung ganz in die Fußtapfen seines verstorbenen Vaters getreten ist. Erst jüngst wurde er, obgleich er noch ein junger Mann ist, in die man ns3”if> ausgenommen. _Moritz Rirhlmann, (Satttor. Aufruf. In Folge unseres Aufrufs vom 25. v. M. sind uns vielseitig Liebesgaben zur Unterstützung unserer unglücklichen Glaubensbrüder in Rußland und Polen zugegangen. Die bis zum 22. v. M. eingegangenen milden Gaben haben wir bereits nach mehreren Orten an die — in Folge unserer Anregung im „Hamagid" — drüben gebildeten Comitö's abgeführt. Zur Abwehr dieser den höchsten Grad erreicht habenden Noth müssen die Unterstützungen reichlicher als bisher uns zugehen. ES ist keine Uebertreibung, wenn wir sagen, Tausende unserer Brüder Hunger» und daß viele bereits ein Opfer des schrecklichen Hungertodes geworden sind. Nur noch 5 Monate — bizur Ernte — sind diese Hungernden zu sättigen und theilweise zu kleiden. Wir richten daher an die Herren Rabbinen, Prediger und Lehrer, sowie an die Gemeinde-Vorstände und an alle edle Menschenfreunde, die ein warmes Herz für diese Unglücklichen haben, die dringende Bitte, Sammlungen zu diesem Zwecke zu veranstalten. Die Herren Rabbinen und Prediger werden besonders gebeten, von der Kanzel dazu anzuregen. Der Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen hat sich ja stets bewährt, möge solcher auch hier, wo eine so schreiende Noth vorhanden ist, in dem Grade hervortreten, wie es wünschenswert ist. Der mitunterzeichnete Kaufmann W. M. Wolfs- Heim nimmt die Spenden entgegen. Der Rechenschaftsbericht erscheint nach jedesmaliger Vertheilung der Gaben, als Extra-Beilage des „Hamagid", in deutscher Sprache, und wird jedem Geber zugeschickt werden. Lyck in Ostpreußen, den 30. März 1868. Das Comit« zur Unterstützung der irothleidenden Israeliten in Rrrstl. u. Polen. C. Liebermann, Alexander, Redacteur des „Hamagid". Gemeindevorsteher. Wolffheim. Gemeindevorsteher. Gordon, Literat und Gemeinderepräsentant. Sv eden erschienen: Hamburg, 1867. B.S. B©rendsolm.x in allen Buchhandlungen.