Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1868)
- Date
- 1868-04-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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276 einen wirklichen Messias; umsonst trieb man dich von Land zu Land umher, umsonst suchte man dich durch Feuer und Master zu vernichten, du bist immer deinem Glauben und deiner Hoffnung treu geblieben. Groß ist Israel, groß seine Geschichte, groß ist sein Schicksal, groß seine Wanderung. Groß ist sein Fühlen. Denken, Dichten und Schreiben, groß seine eigne Art. Groß sind seine Propheten, seine Schriftgelehrten, seine Gesetzlehrer. Groß ist die Thora, groß sind seine übrigen heiligen Bücher, groß ist die Mischna, der Talmud, der Midrasch. Groß sind seine philosophischen Schriften, groß seine Kunstwerke und Monumente. Groß sind seine Dichter, groß seine Schriftsteller. Gedenkt Moses, des Mannes Gottes, welcher mit seines Stabes Schwung Pharao's Macht in den Staub getreten und seine Krone in's Meer warf. Gedenkt Josua's, des starken Streiters, gedenkt Simson's, des tapferen Helden, und Juda's, des Makkabäer's. Gedenkt David's, des Sängers, dem nie ein menschlicher Dichter glich. Gedenkt Salomo's, des Fürsten der Weisen, gedenkt Jesaia's und der Propheten heilige Kranze, die es bewährten, daß Israel ein Volk der Weihe sei. Gedenkt der Männer der großen Synagoge und aller berühmten Israeliten, die in allen Zeiten Juda verherrlichten. In JSrael's Land, in's heilige Land Israel, wo die Palmen 'gen Himmel ragen, und der Oelbaum auf den Hügeln prangt. In Israels Land, in's heilige Land Israel, wo Jordan's Strom, wie ein Silberband durch die schimmernden Auen zieht. In Israels Land, in's Land Israel, wo die heiligen Städte liegen, umringt von Riesencedern. In Israels Land, in's Land Israel, wohin ich blicke, wohin ich schaue, Gott erblicke, Gott schaue ich immerfort ff Plötzlich verkündigt mir die himmlische Erscheinung meine Befreiung aus dem Kerker. Ich soll durch Feuer oder durch Wüster befreit werden, je nachdem es mir gefällt, das Eine oder das Andre zu wählen. Ich wählte Master, weil ich befürchtete, durch Feuer meine Schriften, die ich im Gefängniß verfaßt hatte, nicht retten zu können. Ich wußte nicht, auf welche Art ich durch Master von meinen Ketten befreit werden solle, über ich hatte Zutrauen zu dem höheren Wesen. Mein Herz jedoch war voller Angst, und meiner Seele war es bange, diese geweihte Zelle, dieses Heiligthum zu verlassen. War es nicht hier, wo ich, seit vier und zwanzig Jahren, die größte Ruhe, den höchsten Frieden genoß? War es nicht hier, wo mein Geist, frei von irdischen Hemmungen, in die verborgensten Geheimnisse eindrang? War es nicht hier, wo mir ein höheres Wesen erschien, und mir die Zukunft offenbarte? Und nun soll ich diesen geweihten Ort verlassen und mich wieder in eine Welt voll Trug und Lug begeben. Ich ward sehr traurig, bereitete mich aber zum Fortgehen vor. Umsonst rief ich mir meine gute Frau, meine lieben Kinder in's Gedächtniß; es schien mir, als würde ich sie nicht mehr erkennen, als würde ich überhaupt meine Vernunft, meine Kraft verlieren. O Gott, warum nimmst Du mir nicht hier meine Seele, während ich Dich noch segnen und preisen kann; warum soll ich als ein einfältiges Wesen sterben? Doch die Zeit nahte heran; in demselben Monat, an demselben Tage, da ich vor vier und zwanzig Jahren hiehcr gebracht wurde, erhob sich plötzlich ein fürchterliche Gewitter. Der Schwabach schwoll zusehends an. Bald überschritt er die Ufer und überschwemmte die ganze Gegend. Der Thurm stand in einem Nu im Wasser,, das seine Fundamente unterminirte. Er drohte einzustsirzen. Da entstand ein schreckliches Gejammer; die Gefangnen schrieen aus allen Theilen des Kerkers nach Hilfe, und von allen Seiten stürzten Menschen zur Rettung herbei. Ich stand an meinem Tische, auf dem meine Schriften wohlgepackt lagen. Ich hatte die Feder in der Hand, um diese Geschichte fortzusetzen, als meine Zelle hastig geöffnet wurde. (Schluß folgt.) lUZfilGEN. Reelles Heirathsgesuch. Ein junger hübscher Mann, Besitzer eines sehr rentablen Geschäfts und bedeutenden Vermögens, sucht auf diesem jetzt nicht mehr ungewöhnlichen Wege eine israel. Lebensgefährtin von 18, aber nicht über 20 Jahren, mit oder ohne Vermögen. DiScretion Ehrensache. Franco-Offerten befördertsui> J. H. 10 Wilh. Greven'S Buchhandlung in Köln. Annonce. Bei Unterzeichnetem ist eine israelitische HauSlehrer-Stelle mit einem jährlichen Gehalt von fl. 140 nebst freier Station offen. Reflectirende Bewerber belieben bei frankirter Meldung ihre Zeugnisse einzusenden. S. Kann in Mainzlar bei Gießen.