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Der Israelit · 1868-04-15 · Heft 16 (15.4.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 16 (15.4.1868)
Date
1868-04-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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272 habe gewählt, und das Weib meiner Wahl ist werth, einen Königsthron zu zieren!" „„Darf ich fragen, wer die Glückliche ist, die Sie zu Ihrer Gemahlin zu erheben gedenken?"" „Ich werde es Ihnen gleich sagen; doch muß ich eine kleine Einleitung vorausschicken. Sie wissen, ich habe seit langer Zeit allen Vorurtheilen den Krieg erklärt, mochten diese nun politischer, wissenschaftlicher oder religiöser Natur sein. Seit fünf Jahren kämpfe ich ununterbrochen für die Emancipation Ihrer Glaubensgenossen. Für mich find alle Religionen, welche Sittlichkeit und Rechtlichkeit zur Grundlage ihres Systems machen, gleich gut, denn sie alle erstreben und erreichen denselben Zweck, nämlich den, daß Treue und Redlichkeit auf Erden walten. Nun, auch bei der Wahl meiner Gattin will ich meine alten Principren bewähren; alle Welt soll sehen, daß ich trotz des Ministerrockes noch der alte, vorurtheilssreie Wetting bin. Ich will eine Jüdin heirathen!"" „„Eine Jüdin?"" „Ja, lieber Freund, eine Jüdin; aber diese soll sich nicht taufen lassen, sie soll Jüdin bleiben, sie soll als Jüdin die Honneurs in meinem Hotel machen, sie soll meinetwegen mir und meinen Gästen nur koschere Kost vorsetzen." „„Welch ein abenteuerlicher Gedanke!"" „Abenteuerlich? nicht doch; in Frankreich, in Holland und am Rhein, überall, wo die Civilehe eingeführt ist, gibt es schon längst gemischte Ehen, und ich will in unserm Staate mit einer solchen den Anfang machen. Geben Sie mir Ihre Tochter zur Frau!" „„Meine Tochter? Sie scherzen, Herr Wetting!"" „Sehe ich aus, wie Einer der scherzen will? Nein, lieber Freund, es ist mein heiliger Ernst. Ich kann wirklich keine bessere Frau finden; das wissen Sie so gut wie ich. Also, alter Freund, hier ist meine Hand, schlagen Sie ein, lassen Sie mich Ihnen ein guter, liebevoller Sohn sein!" Herr Metz aber schlug nicht ein in die dargebotene Rechte; er war von seinem Sitze aufgesprungen; sein Gesicht war leichenblaß. „Excellenz," sagte er, „ich bitte Sie noch einmal, lassen Sie diesen Scherz; denn als Scherz muß ich einen Vorschlag betrachten, auf den ich niemals werde eingehen können!" „„Wie, bin ich Ihnen nicht gut genug zum Schwiegersohn?"" „Mißverstehen Sie mich nicht! ich könnte mir keinen bessern Schwiegersohn wünschen, wenn... wenn ... Sie Jude wären!" „Aber Ihre Tochter wird dennoch Jüdin bleiben!" „„Aber niemals werde ich meine Zustimmung geben, daß sie die Frau eines Nichtjuden werde."" „So seid Ihr Juden! Jahre lang beklagt Ihr Euch über Vorurtheile, und wenn man Euch zumuthet, eins von Euren Vorurtheilen zu opfern, so gebehrdet Ihr Euch, wie wenn die Welt untergehen soll." „„Sie verzeihen, Herr Wetting, es handelt sich hier nicht um das Aufgeben eines VorurtheilS, sondern es handelt sich um die Religion selbst. Eine Ehe zwischen Juden und Nichtjuden ist nicht allein vom Judenthum verboten, sondern eine solche Ehe ist innerhalb des Judenthums gar nicht möglich, weil meine Religion dieselbe als Ehe gar nicht anerkennt. Ich bitte Sie inständigst, lassen Sie uns dieses Gespräch abbrechen, das uns Beiden nur unangenehm sein kann."" „Aber lieber Metz, Sie können doch nicht verlangen, daß ich Jude werden soll?" „„Verlange ich denn das?"" „Ja, wenn Sie Ihre Tochter einem Nichtjude» nicht geben wollen, so müßte ich Jude werden!" „„Aber, bester Herr Wetting, müssen Sie denn gerade meine Tochter heirathen? Sehen Sie, es sind so viele der Töchter des Landes, und wo Sie anklopfen, wird Ihnen aufgethan werden. Unsere ersten und besten Familien würden stch zu einer solchen Verbindung Glück wünschen."" „Und Sie allein wünschen Sich nicht Glück dazu?" „„Nein, Herr Wetting, und wenn der Fürst selbst um mein Kind werben möchte, so würde ich auch das als ein großes Unglück betrachten."" „Aber, Lester Freund, seien Sie doch nicht so verstockt! Sehen Sie, ich liebe Ihre Tochter. Es ist das keine flüchtige Neigung — Sie wissen, wie gern ich sie schon als Kind hatte. Und Ihre Tochter erwiedert meine Liebe!" „„Das verhüte der allmächtige Gott! Wer sagt Ihnen das, mein Herr?"" „Sie hat es mir selbst gesagt; auf dem jüngsten > Hofballe sind wir einig mit einander geworden!" Herr Metz sank in seinen Stuhl zurück und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. Dann erhob er sich und sagte streng und ernst:! „ Mein Herr, Sie sind ein mächtiger Mann, und I ich bin nur ein einfacher Jude; aber das sage ich Ihnen, I daß ich mich lieber tödten würde als die Einwilligung I geben zu einer solchen Heirath meiner Tochter. O, | welchen Kummer haben Sie über mein Haupt gebracht!" I Als er die letzten Worte sprach, verlor er die | mühsam errungene Fassung und fing laut an zu I meinen. I Der Minister entfernte sich, ohne ein Wort zu l sagen. (Fortsetzung folgt.) I Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-SchneLprefserrdrmt von I. GottSleben in Mainz.

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