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Der Israelit · 1868-04-15 · Heft 16 (15.4.1868) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 16 (15.4.1868)
Date
1868-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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269 I gerichtet, in welchem er anzeigt, daß Graf v. Bismarck I den preußischen General-Consul zu Bukarest telegra- 8 phisch aufgefordert hat, sich sofort zum Prinzen Karl 1 zu begeben und ihm wegen des in der Kammer einj gebrachten Gesetz-Entwurfes gegen die Juden Vorstell lungen zu machen, und darauf zu dringen, daß der- | selbe nicht zum Gesetz erhoben werde. l Paris. Herr Baron James v. Rothschild hat f der jüdischen Gemeinde zu Rostof in Rußland 1000 4 L. (12000 fl.) zur Erbauung einer Synagoge geschenkt. 1 (D. Zeitung ) 1 \ England. I London. Im hiesigen jüdischen Spitale wurde im Jahre 1867 7899? und im Jahre 1866 74869 Kranken ausgenommen. Donaufürstenthümer. Bukarest. Das „Echo Danubien" schreibt: Nach den Nachrichten, die wir von Bacau erhalten, scheint der Stand der Israeliten hier immer kritischer zu werden. Die Verfolgungen und Gewaltthätigkeiten, die unaufhörlich ftattfinden, sollten von den Behörden verhindert und bestraft werden, anstatt die Aufwiegler zu ermuthigen und frei ausgehen zu lassen, wie dies der Fall gewesen. Heute veröffentlichen wir einen Brief, durch welchen uns von einer neuen Brutalität gegen Israeliten Kenntniß gegeben wird: Herr Redacteur! Unsere Lage auf dem Lande, besonders in unserer Stadt Bacau, wird jeden Tag unerträglicher. Die unausgesetzten Brutalitäten, welche unserem Jahrhundert zur Schande gereichen, und denen wir täglich ausgesetzt find, werden nicht von den Beamten verboten, und sind dieselben nicht bedacht, unser Loos zu verbeffern, sondern sie machen sogar Gemeinschaft mit unsere» bekanntesten Verfolgern. Wagt es ein Jude sich bei dem Polizei-Präfecten wegen der Ungerechtigkeiten eines Polizei-Chefs zu beklagen, so antwortet der Präfect: Der Polizeichef ist noch zu gut für Euch Juden, er sollte Euch Alle erwürgen lassen. Lasten Sie mich, geehrter Herr Redacteur, nun zur Sache kommen. Am 26. October des vergangenen Jahres kam ein Offizier der National-Garde, Herr George Houlicin, in mein Magazin, einige Möbel zu kaufen, die er auch bezahlte und später in seine Wohnung bringen ließ. Am 1. Januar nun kam dieser Offizier wieder in mein Magazin und sagte mir, daß die zwei Spiegel, die er von mir gekauft habe, nicht ganz gleich seien. Nicht mistend, was ich thun sollte, sagte ich ihm, daß er mir dieselben zurückschicken sollte, wogegen ich ihm alsdann das Geld wieder vergüten wollte. Bei diesen Worten faßte mich Herr Houlicin und gab mir zwei derbe Ohrfeigen, aber damit nicht zufrieden, zog er ein Messer und versuchte mir damit einen Stoß zu versetzen. Glücklicherweise bildeten die Möbel eine Barrikade, hinter welche ich mich zurückzog und mich durch die Hinterthür entfernte. Ich begab mich alsdann zum Polizeipräfecten, aber wer beschreibt mein Erstaunen, als ich bei meinem Eintreten Herrn Houlicin sah, der in einem Seffel Platz genommen hatte. Der Präfect donnerte mir ein „an die Thür, Jude!" zu, wo ich alsdann Ausdrücke hörte, die des Mittelalters würdig waren. Nach zwei langen Stunden lehnte ich mich, müde geworden, wider die Thüre; das war es, was der Polizei-Chef erwartet hatte, er befahl einem Gensdarmen mir auf die Beine zu schlagen, was dieser auch pünklich vollzog. Das war das Resultat meiner Klagen. Vor das Tribunal gebracht, blieben meine Klagen ebenfalls ohne Wirkung. Herr Houlicin (der inzwischen aus meinem Magazin einen andern Spiegel sich angeeignet hatte) äußerte sein innigstes Bedauern, daß er mich nicht getödtet habe. Aber unsere Verfolger erlauben sich nicht nur Brutalitäten gegen die Männer, sondern haben noch die Frechheit, Frauen zu mißhandeln. Herr Tache Taliano, Unter-Präfect des Platzes Bistriza, kam in mein Magazin und kaufte in meiner Abwesenheit von meiner Frau Möbel im Betrag von 79 Piaster, welche er geborgt haben wollte, was ihm meine Frau verweigerte. Der ehrenwerthe Unterpräfect fängt nun an, dieselbe zu beohrfeigen, läuft zu unsrem würdigen Polizeichef Constantin Radic, requirirt die nöthigen Personen, um eine Plünderung zu vollführen. Der Polizeichef gab ihm eine Anzahl Mannschaft mit und die Polizeiagenten nahmen xar force die vom Unterpräfect Taliano verlangten Möbel. Hier, wie im vorherigen Fall, blieben meine Klagen unberücksichtigt. Das sind Thalsachen, Herr Redacteur, die keines Commentars bedürfen, sie sprechen für sich. Es genügt, Ihnen zu sagen, daß wir unter der Administration von Bacau unsrer Habe, unsrer Ehre, selbst unsres Lebens nicht sicher sind. Wenn die Regierung nicht energische Mittel ergreift, unsere Lage zu verbestern, so bleibt uns nichts übrig, als auszuwandern. Genehmigen Sie, mein Herr, den Ausdruck meiner tiefsten Achtung A. Tapetzier. Bukarest. Das „Echo Danubien" vcm 20. d. M. schreibt: Ein und dreißig Abgeordnete der Regierung, gewählt bei den letzten Volkswahlen und ergebene Freunde des Johann Bratiano und Consorten, durchdrungen von denselben menschlichen Gesinnungen, haben in der Kammer eine Gesetzvorlage eingebracht.

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