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Der Israelit · 1868-04-01 · Heft 14-15 (1.4.1868) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 14-15 (1.4.1868)
Date
1868-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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240 dient, mit welchem sie Haman bedrohte?" Da antwortete der Ledrer: „Weil sie sich gefreut hatten mit der Mahlzeit Ahasvers." Erstaunt fragten die Schüler: „ES waren doch nur die Juden in Susa geladm, so hatten auch nur diese bestraft werden sollen!" worauf ihnen der Lehrer eine andere Antwort gab. Nun aber ist schwer einzusehen, warum der weise Lehrer überhaupt eine so unbefriedigende Antwort gegeben hat. Aber die Antwort war nicht so unzutreffend. Der Lehrer meinte Folgendes: Freilich haben nur die Juden in Susa an Ahasvers Tafel verbotene Speisen genossen; aber alle Israeliten hatten sich mit der hohen Ehre gefreut, die ihren Brüdern in Susa zu Theil geworden, und weil sie sich damit gefreut, daß Juden Gottes Gebot übertraten, deßhalb halten sie Alle Vernichtung verdient; die in Susa, weil sie Terephot gegessen, die anderswo, weil sie irdische Ehre höher geschätzt hatten, als Gottes Gebot."" „„£>, mein geliebter Freund,"" fuhr ich, feine beiden Hände ergreifend fort, „„gehe Du mit Deiner Frau hin, laß aber die Tochter daheim. Ihr, als ältere Leute braucht nicht zu tanzen, das Kind aber..."" „Thorheit," fiel er mir in's Wort, „ich werde dem Kinde die Freude nicht verderben! Elvire ist ganz außer sich, ganz glücklich ob der unerwarteten Einladung. Du aber, alter Freund, mußt Deine mittelalterlichen Anschauungen ein wenig modificiren. Du bist noch gar zu vormärzlich." Mit diesen Worten eilte er von dannen; ich aber wandte mich dem noch aufgeschlagen vor mir liegenden Talmudttactat wieder zu, in dessen Studium mich mein Freund unterbrochen hatte. Ich küßte das Buch und sprach vor mich hin die Worte der heiligen Schrift: „denn sie (die Gotteslehre) ist eure Weisheit und eure Vernunft vor den Augen der Völker." UI. Seitdem das prächtige Fürstenschloß stand, hatte es noch nicht eine so bunte Gesellschaft in seinen Sälen gesehen, wie am Abend des 15. Mai 1848: Grafen, Fürsten, Freiherren, Kammerherren, Offiziere, Minister, Kaufleute, Handwerker, Gutsbesitzer, Abgeordnete — unter ihnen einige bäuerliche Gestalten — Alles bunt durcheinander. Viele fühltm sich nicht heimisch auf dem glatten Parquetboden, namentlich die an die Hofluft nicht gewöhnten bürgerlichen Frauen und Mädchen, und doch waren manche unter ihnen, die den Vergleich mit hochgeborenen Damen nicht zu scheuen brauchten. Alle aber überstrahlte Elvire Metz. Sie war einfach, aber höchst geschmackvoll gekleidet. Als sie mit Vater und Mutter in den Saal trat, ertönte ein allgemeines „Ah." Der Justizminister stürzte auf seine alten Freunde zu und stellte sie dem Herrscherpaare vor, das einige huldvolle Worte a» Metz und die Seinen richtete. Der jugendliche Minister beanspruchte den ersten Tanz. Als Beide mitsammen nach den Klängen der rauschenden Musik durch den hellerleuchteten, von den köstlichsten Düften durchzogenen Saal schwebten, in dessen Mitte eine Fontaine von kölnischem Waffer ihr duftverbreitendes Naß hervorsprudelte, da konnte sich Wetting nicht satt sehen an dem Mädchen, das er noch nicht erblickt hatte, seitdem eS zur Jungftau erblüht war. Auch Elvire fteute sich sehr mit dem Manne, den sie, da sie noch ein halbes Kind, schon so lieb gewonnen hatte. Wetting nannte sie mit den zärtlichsten Namm, und sie lauschte entzückt dem Wohlklange seiner Stimme. Als der Tanz vollendet war, wurde Elvire sofort wieder aufgefordert, diesmal von einem altadligen, vornehmen jungen Manne. Auch er sagte seiner Tänzerin manches Schmeichelwort; aber Elvire war ihm gegenüber einsilbig und hielt ihn streng in den geziemenden Schranken. Der darauffolgende Tanz fand sie wieder an Wettings Seite. Cr erzählte ihr, wie ungern er sie mit einem Andern habe tanzen sehen. „Elvire," flüsterte er ihr zu, „wie gern möchte ich mich nie wieder von Ihnen trennen!" „O," entgegnete sie, „reden Sie nicht so; das kann ja doch nimmer und nimmer sein!" „Und warum nicht? Wir haben dieser Tage eine Vorlage an die Kammern gemacht, durch welche die Civilehe eingeführt und das Verbot der Ehe zwischen Juden und Christen aufgehoben wird." Elvire schwieg; sie hörte auch nicht mehr, was Wetting noch sagte; ihr Kopf brannte, und sie wäre gern nach Hause geeilt. Allein der Vater war an den Whisttisch gefesselt — der Landesherr selbst war sein Partner — und die Mutter war in ein Gespräch mit der Gräfin G., der Gemahlin des Hofmarschalls, vertieft. Bald wieder führte Wetting Elviren zum Tanze; aufs Neue versicherte er sie seiner Liebe; aufs Neue warb er um sie in der innigsten Weise; mit den glänzendsten Farben malte er ihr das Loos an seiner Seite aus; mit hinreißender Beredtsamkeit wußte er ihr das Gewaltige, das Erhabene einer Liebe darzustellen, die so viele Hindernisse zu beseitigen habe. Bis lange nach Mitternacht währte das Fest. Als Wetting Elvire an den Wagen geleitete, flüsterte sie ihm zu: „Reden Sie mit meinem Vater!" (Forts, folgt.) Hierzu vier Beilagen. AeramworUuhe Steoacrum: De, Lehmann. — vertag der Le Roux'schen Hofbuchhandtung. — Dampf-SchneLprefsendrurk oo» I. Gott sieben in Mainz.

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