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Der Israelit · 1868-04-01 · Heft 14-15 (1.4.1868) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 14-15 (1.4.1868)
Date
1868-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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S3S Amerika. New-Orleans. Dem Jahresbericht z der „Hebrew Education Society" in Rew-Orleans entnehmen wir, daß in der Schule daselbst außer Englisch und Hebräisch noch Französisch und Deutsch unterrichtet wird. Die Schule hat 143 Schüler. Die Einnahme der Anstalt beträgt ungefähr 6500 Dollar (16250 fl.). Die Education Society hat 250 Mitglieder, von denen jedes jährlich 6 Dollar (15 fl.) zahlt. 20000 Dollar (50000 fl.) wurden gezeichnet zur Erbauung eines schönen Schulgebäudes. (Jew. Mefl.) Marokko. Saffi. Die „Times" vom 18. Februar bringt folgenden Artikel: In Gibraltar von Saffi eingegangene Briefe bringen die Nachricht, daß Hady Dris. der vom Sultan nach diesem Hafenorte abgeswdte Commissär, um den Thatbestand der an mehreren Juden der Provinz Abda verübten Raubanfälle und Mordthaten zu erforschen, öffentlich einen Brief des Sultans an die beiden Gouverneure der Provinz Abda hat verlesen lassen, in dem der Sultan seine volle Unzufriedenheit über diese schrecklichen Thatsachen ausdrückt. Der Sultan will, heißt es darin, daß die Juden gut behandelt werden, er erinnert seine Offiziere daran, daß der Prophet (Mahomet) den Mohamedanern empfiehlt, sie zu schützen. Er fügt in dem Schreiben hinzu: Jeder, der einen Juden tobtet, wird umgebracht. 7500 Dols. wurden den Beschädigten als Ersatz gegeben. Die Mauren, gegen die man Verdacht schöpfte, gegen die man aber nicht genug Beweise hatte, um sie zum Tode zu verurtheilen, wurden in Ketten nach Marokko in's Gefängniß gebracht. Man sagt, daß die französischen, englischen und noch andere Consuln energisch bei dem Sultan protestirt haben, als sie das Geschehene vernommen. Die Regierung hat eine Belohnung von 100 Dols. Demjenigen versprochen, der den Mörder lebendig oder todt cinbringt, und sie wird den als Mitschuldigen betrachten, der demselben ein Asyl gewährt. Feuilleton. Hkvlre. (Mitgethrtlt von einem Rabbiner.) (Fortsetzung.) II. Immer höher gingen die Wogen der „nachmärzlichen" Zeit, und die neuen Errungenschaften schienen sich consolidiren zu wollen. Die Männer des Volkes, die an die Spitze der Regierungen getreten, waren die gefeierten Helden des Tages. Volksfeste auf Volksfeste wurden gefeiert, Fackelzüge wechselten mit Serenaden. Es war eine Zeit des Jubels und der Freude, und auch der neue Justizminister Wetting war der Gegenstand allgemeiner Auszeichnung; einige Reden, die er gehalten, halten das Volk enthusiaSmirt, neue Organffationen, die er in Aussicht stellte, hatten ihm die schon erworbenen Sympathien gesichert. Auch die sociale Umwälzung schien eine totale werden zu wollen. Der Hof trat aus seiner Abgeschlossenheit heraus und zog bürgerliche Elemente an sich. Die Pforten des Schlosses, die bisher nur der höchsten Aristokratie geöffnet waren, thaten sich weit auf, um eine bunte Gesellschaft zu den Hoffesten zuzulasien. Eines Tages — es war im Mai — trat mein Freund Metz in freudiger Aufregung zu mir herein. „Denke Dir," rief er mir entgegen, „welch' eine Veränderung zum Guten! Ich bin mit Frau und Kind zum nächsten Hofballe eingeladen. Wer hätte das noch vor Jahresfrist gedacht — ein Jude bei einem Hoffeste!" „„Und wirst Du hingehen?"" fragte ich kalt. „Du kannst noch fragen? Gewiß werde ich hmgehen! Warum sollte ich nicht hingehen?" „„Und wirst Frau und Tochter mitnehmen?"" „Sicherlich! Hast Du etwas dagegen?" „„Aufrichtig gestanden, ja! Du weißt, wie ich über Bälle im Allgemeinen denke. Du weißt, daß ich den Tanz als einen der gefährlichsten Sinnenreize für durchaus verwerflich halte, und daß diese meine Anschauung nicht etwa eine persönliche, sondern eine tief im Judenthume begründete ist."" „Erlaube mir, anderer Ansicht zu sein. In Bibel und Talmud wird oft des Tanzes bei freudigen Anlässen erwähnt." „„Ja, aber nicht jenes Tanzes, wie er jetzt üblich ist, der die verschiedenen Geschlechter sich einander umschlingen läßt, in welchem sogar verheirathete Frauen mit fremden Männern in enge Berührung kommen. Die Jungfrauen Israels führten Tänze auf, aber nicht im Vereine mit Jünglingen; die Männer tanzten vor der heiligen Lade, aber nicht mit fremder Leute Frauen."" „Theurer Freund, Deine Anschauungen sind gar zu .... antik. Wir leben hier nicht im Orient, wir dürfen uns nicht gar zu sehr abschließen von dem, was in der nichtjüdischen Welt für ganz unverfänglich gilt! Und dann bedenke die große Ehre, die uns zu Theil werden soll? Dürfen wir diese schnöde abweisen?" „„Laß mich Dir darauf mit einem Ausspruche der Weifen antworten. Die Schüler eines unserer großen Lehrer warfen einst die Frage auf: „Wodurch hatten die Juden zu Ahasvers Zeit das Unheil der-

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