Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 14-15 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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288 Observer" meldet, hat ein amerikanischer Glaubengenosse diese Gegenden besucht und gefunden, daß die Inhaber der größten Geschäfte in Colima, einer der größten Städte Mexicos, Juden sind. London. Vergangene Woche beehrte Seine kgl. oheit der Prinz von Wales den Baron Mayer von othschild mit einem Besuche in Dcentmore. Der Prinz fuhr bis zu Station Cbeddington mit der Eisen' ahn; von dort fuhr er an der Seite des Herrn v. Rothschild und Herrn Antony nach Mer.tmore, wo er mit der Baronin H. v. Rothschild und der übrigen Familie frühstückte. Nachdem S. Hoheit in Aston Abdot gejagt hatte, kehrte er um 4 Uhr in Begleitung des Herrn v. Rothschild nach Cheddington und von da mit einem Extrazug nach London zurück. Rußland. Bekanntlich war bis jetzt, wie den geborenen Polen auch den Juden die Pachtung von Gütern in Westrußland verboten und dursten die Juden dort überhaupt nur Brenner und Pächter von Dorswirthshäusern sein. Nachdem sich aber herousgestellt hat, daß die Juden in jener Gegend fast die einzigen Personen find, welcke die nöthigen Kenntnisse zur Leitung industrieller Etablissements besitzen, hat die Regierung sich veranlaßt gesehen, die betreffende gesetzliche Bestimmung dahin abzuändern, daß Juden auch Pächter oder Verwalter der bei den Gütern bestehenden Mühlen, Brennereien, Runkelrubenzucker-, Glas- und anderer Fabriken, nur nicht ganzer Güter oder diesen gehöriger Ländereien, werden dürfen. Donaufür ftenthümer. Bukarest, 16. März. Der „Frankfurter Zeitung" wird von hier geschrieben: „Ein Gesetz über die Fremden, zu denen in diesem Lande auch die Juden zählen, soll demnächst der Kammer vorgelegt werden. Die Bürgermeister aller Landgemeinden sollen dadurch Vollmacht erhalten, jeden ihnen mißliebigen Fremden auszutreiben; diese Besugniß ist nur gegen die Juden gerichtet, gegen welche der Pöbel, trotz aller Versicherungen, welche die Negierung gegeben, sich ungestraft alle nur möglichen Brutalitäten und Plackereien erlauben darf. Ein mit 93 Unterschriften versehenes Pamphlet, welches dieser Tage erschienen ist, fordert geradezu zu Judenhetzen auf. Von welchen Leuten dies ausgegangen, zeigt der Inhalt desselben; die Verfasser, welche so sehr gegen die Fremden, die seit Jahrhunderten im Lande wohnen, aufgebracht sind, kennen ihre eigene Sprache nicht und die des Schreibens unkundigen Unterzeichner drucken statt der Unterschrift ihre Finger auf dem Papiere ab. Von Seiten der Regierung wird die Verfolgungssucht der rohen Massen in jeder Weise gefördert. Der Kriegsminister und der für öffentliche Arbeiten haben verordnet, daß bei Licitationen keine Fremden zugelassen werden sollen. Die Juden haben in ihrer Bedrängniß das Purimfest dieses Jahr nicht gefeiert und einen Aufruf erlassen, dies einznstellen, bis der Haman der Neuzeit, Johann Bratiano und Genessen zu menschlicheren Gesinnungen zurückgekehrt sein werden. So verfahrt die hiesige Regierung während ihrer größten Geldnvth, die sie fortwährend auf den Credit anweist, der ihnen an einzelnen Börsen des Auslandes noch gewährt wird. Demnächst wird dieselbe auch die Fonds der Ausländer für den Bau der Eisenbahn von Gallacz nach dem Rothen Thurmpaß in Anspruch nehmen. Die Herren Montefiore und Cremieux, welche hier so schöne Versprechungen erhalten haben, deren Werth sie nun kennen müssen, würden wohl daran thun, ihren Einfluß zu Hause geltend zu machen, damit einer Regierung keine Unterstützung werde, welche vor der Rolle nicht zurückscheut, die Raub- und Plünderungslust, welche in früheren Jahrhunderten sich hinter religiöser Verfolgung versteckte, zu gleichem Zweck Wieder ins Werk setzen zu lassen, und deren Sturz als ein Sieg der Gvilisation über mittelalterliche Barbarei von jedem gebildeten Volke betrachtet werden müßte. Wer einer solchen Regierung in irgend einer Weise Vorschub leistet, versündigt sich an der Sache der Menschheit." Palästina. Aus Jerusalem werden uns noch einige Spezialitäten üver die bekannte Affaire mit der Sarah Steinberg mitgetheilt. Danach ist es namentlich der Energie und Umsicht des Hospitalarztes vr. London zu verdanken, daß das genannte Mädchen nicht den Missionären in die Hände gefallen ist, wiewohl sich die Gemahlin des englisch: preußischen Bischofs, der Missionsarzt und viele andere, von der Mission dazu veranlaßle einflußreiche Persönlichkeiten persönlich um die „Abfangung" des jüdischen Mädchens die größte Mühe gegeben. Herr Dr. L. wußte alle Bemühungen zu vereiteln. — Unsere Berichterstatter rühmen einstimmig das edle und vorurtheilslose Benehmen des neuen Consuls des norddeutschen Bundes, des berühmten, gelehrten Profeffor Petermann. — Jaffa. Im „Hamagid" schreibt Herr M. Hamburger von Jaffa, daß die Nachricht, als sei die amerikanische Kolonie daselbst aufgegeben werden, nicht wahr sei. Es seien zwar mehrere Kolonisten nach Amerika zurückgekehrt, hingegen seien wieder Andere von dort yinzukommen, die sich mit den Zurückgebliebenen recht günstiger Resultate in ihrer Landwirthschaft zu erfreuen hätten.