Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 14-15 (1.4.1868)
- Date
- 1868-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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235 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Mainz, den 26. März. Wir haben heute nachstehendes Schreiben an das löbl. Cömitä in Memel zur Abwehr der Hungersnoth bei den Israeliten Westrußlands gerichtet: „Wir sind so glücklich, Ihnen anliegend wiederum eintausend Thaler zu übersenden, die Sie gefälliast namentlich zur Errettung vom Hungertode verwenden wollen. „Gleichzeitig erlauben wir uns, Sie zu bitten, daß Sie Sich mit den übrigen Comste's zu gleichem Zweck in Tilsit, Lyck, Iohannisburg, Schirwindt rc. in Verbindung setzen, um gemeinsam desto erfolgreicher jener Noth, die so fürchterlich sein soll, zu begegnen, indem wir herrorheben, daß die übersandten Gaben von den Spendern nicht nur für die Unglücklichen in der Gegend von Memel bestimmt sind. ,Gcbe der allgütige Gott, daß es Ihnen und uns gelinge, unsere bcdauernswerthen Glaubensgenossen vom Hungertode zu retten und sie vor dem schrecklichen Typhus durch Gewährung gesunder Kost zu schützen. „Die Theilnahme ist überall so groß, daß wir uns der Hoffnung hingeben, Ihnen bald wieder eine nicht unbedeutende Summe übersenden zu können. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnet die Redaction des Israelit Dr. Lehmann." Main), den 27. März. Es kommen uns fortwährend die entsetzlichsten Berichte über die grauenerregende Noth unserer Brüder in Rußland und Polen zu. Diele suchen die Kartoffelschalen von der Straße auf, um damit den quälenden Hunger zu stillen. — An vielen Orten hoben die Rabbinen erlaubt, Reis, Hirse und Hülscnfrüchte während des Peßachfcstes zu genießen, weil die Mazzoth den Armen unerschwinglich sind. Mainz, 25. Adar. ’oy ns nyw b\p nn (v"' ,n ,rrD-r) D’pmD p«D. Aus fernem Lande, aus meiner Vaterstadt Neutra, dringt eine herzerschütternde Trauerkunde hierher ob des Verlustes eines Mannes, den das Judenthum, abgesehen von bin nvo osn rsnps, wegen seines edlen Strebens und Wirkens für dasselbe tief betrauern muß sbsmn *pnn t>nn mn ntysjNp n"iD D"wpui 'ist irun Disy pns '»Dnson rrrDpm ist uns leider in seinem reifen, kräftigen Mannesalter entrissen worden. hyyrn Itdh rn Ipns ’in In ihm betrauern Gattin und Kinder einen liebevollen zärtlichen Gatten und Vater, die Neutraer Gemeinde ihre Zierde und ihren Glanz und das Judenthum einen seiner edelsten, unverdrossensten Kämpfer, j einen seiner bedeutendsten Männer. Ausgezeichnete Klugheit, einen biedern musterhaften Character, besondere Herzensgute und eine Fülle von schönen Tugenden besitzend, erschien er als wohlthuender Engel in den Hütten der Armen, nahm Vaterstelle bei schutzlosen Waisen an, stand jedem Hilfebedürftigen mit Rath und That bei und gewann sich so die Liebe jedes Einzelnen, während sein immenses talmudisches Wissen, sein strenger Gerechtigkeitssinn und seine echte Frömmigkeit ihm die Bewunderung und Achtung seiner Mitmenschen erwarb. Zu meinem größten Leidwesen gestattet es der Raum dieser geschätzten Zeitschrift nicht, der rühmenswerthen Eigenschaften und geistigen Vorzüge, die der sei. Verstorbene in so vollkommenem Maße besaß, zu erwähnen; und wende ich daher das schöne Epigramm des berühmten Jehuda al-Charisi auf ihn an: D'maji D’cn rotyo bx ,^an ’csn ^>s ity Dr .D’-6«n bx nby rwo in ,bivn Dnob iby Möge der Allbarmherzige nuoton D’Dirv »3« der tief betrübten Familie des theuern Dahingeschiedenen Trost angedeihen, der Neutraer Gemeinde, welche V'n noch eine onsiDi D'csn -ry ist, Männer erstehen lassen, die ihr einen würdigen Ersatz birten und dem gesammten Judenthume innern Frieden und äußern Glanz verleihen, welcher Gedanke das Ideal des sei. Verstorbenen war. u’Vy p’ mui. Josef Edinger. Worms. Dem uns vorliegenden siebenten Jahresbericht des israelitischen Unterstützungsvereins in Worms vom 15 Februar 1867 bis zum 15. Februar 1868 entnehmen wir, daß dieser Verein 178 Mitglieder, eine Einnahme von 2103 fl. 57 kr. und eine Ausgabe von 2174 fl. 20 kr. hat. Von dieser erhielten 1644 gewöhnliche Arme 1145 fl. 51 kr. und 425 verschämte Arme 951 fl. 51 kr. An außerordentlichen Geschenken flössen dem Vereine 279 fl. 51 kr. zu. □ München, 15. März. (Rechenschaftsbericht des israelitischen Frauenvereins für das Jahr 1867.) Mit inniger Befriedigung bringen wir die Mittheilung, daß sich die Zahl der Mitglieder beträchtlich erhöht hat, sie ist von 241 des Vorjahres auf 273 gestiegen. Ihre Beiträge beziffern sich auf 1192 fl. 52 kr. Die Einnahme haben sich dadurch merklich gesteigert, so, daß der Verein im Stande war, seinem schönen Berufe insoferne besser nachzukommen, als er hinreichendere Mittel zur Linderung der Armuth und des Siechthums verwenden konnte. Es bedarf aber auch des strengen Zusammenhaltens aller disponiblen Fonds um den Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, zu genügen, denn der Kreis der Hilfesuchenden erweitert sich täglich. Den Herren Doktoren Drey und Herzfelder die sich fortwährend mit aufopfernder Liebe und Hingebung