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Der Israelit · 1868-03-25 · Heft 13 (25.3.1868) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 13 (25.3.1868)
Date
1868-03-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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628 „Herr Jakob Loebel aus Bukarest hat der „Alliance“ ein Geschenk von 200 Pfd. Sterl. (2400 fl.) gemacht, um eine Stiftung zum Andenken an die verstorbene Frau Loebel zu gründen. Herr Tscharni, welcher von der „All." beauftragt ist, die Lage der Juden in Daghestan zu studiren, hat von derselben eine Subvention von 500 Frcs. erhalten. In Tunis hielt ein Geistlicher mehrere jüdische Mädcken in seinem Hause fest, um sie zu veranlassen, zum Islam überzutreten. Auf Anregung des Comite's der „Alliance" veranlaßte der französische Consul die Freilassung derselben. Im verflossenen Jahre hat die „Alliance" die bereits errichteten Schulen im Orient unterstützt und vergrößert, sechs neue Schulen und eine Vorbereitungsschule für Lehrer in's Leben gerufen. Die Schulen zu Tetuan sind die ältesten. Die Knabenschule, welche im vorigen Jahr 160 Schüler zählte, hat deren jetzt 310, die Hebräisch, Französisch, Spanisch, Geschichte, Geographie und Arithmetik lernen. Die Mädchenschule hat 10? Schülerinnen, die im Französischen, Spanischen, Hebräischen, Rechnen und in Handarbeiten Unterricht erhalten. Für diese Schulen wurde auch in diesem Jahre eine Schulbibliothek errichtet. Der Director der Schulen, Herr Gogman, hat für jüdische Handwerker eine Abendschule eröffnet, die von 67. jungen Leuten besucht wird. Die Schule zu Tanger zählt 436 Schüler. Diese leistet so ziemlich dasselbe, wie die zu Tetuan. Die Schule hat eine höhere Abtheilung von 22 Schülern, die sich theils als Lehrer, theils als Rabbiner ausbilden. Die Arbeiten der Schüler dieser Schule waren bei der Pariser Ausstellung ausgestellt und der Bericht des General-Commissärs bei der Ausstellung für Marokko ergeht sich übcr dieselben in großer Lobeserhebung. Mehrere Schüler aus diesen Schulen werden gegenwärtig in Paris zu Lehrern auögebildet, die dann in ihren Heimathsorten als Lehrer angestellt werden sollen. *)" Rußland. □ Die Hoffnungen, welche den Juden in Litthauen in Bezug auf die Verleihung des Rechts des käuflichen Erwerbs und der Pachtung von Landgütern von liberalen russischen Blättern gemacht wurden, haben sich nicht erfüllt. Dagegen ist denselben neuerdings durch kaiserl. Ukas das Recht, Brennereien und andere landwirthschaftliche Fabrikanlagen, sowie Bier- und Branntweinschenken in Pacht zu nehmen, verliehen worden. (Osts. Ztg,) *) lieber die Wichtigkeit dieser Schulen im Orient lese man dm zweitm Leitartikel in Nr. 11. Marokko. Tetuan. Die Zeitungen melden von neuen Mordthaten, die am 23. Febr. in Tetuan verübt worden sind. An diesem Tage — am 1. Adar — ist es bei den Juden in Marokko Gebrauch, die Gräber zu besuchen. Dies geschah auch in diesem Jahre von den Juden in Tetuan. Eine große Menge von Männern, Frauen und Kindern war auf dem Friedhofe, der etwas entfernt von der Stadt liegt, versammelt. Plötzlich wurden die Juden von dem in dortiger Gegend als fürchterlicher Räuber bekannten Hiffa und seinen Genossen überfallen. Ohne irgend welche Ursache zu haben, schoflen die Räuber auf die Juden und tödteten dadurch eine arme Frau und ihren Sohn. Nachdem sie ihre Gewehre abgeschosien, verwundeten sie mit ihren Waffen noch mehrere Juden, an deren Aufkommen man zweifelt. Die Frechheit und Unverschämtheit dieses Ungeheuers (Hiffa) geht so weit, daß er des andern Tages einen Brief an den Oberrabbiner der Gemeinde schrieb, in d.em es heißt, daß wenn die Juden ihm nicht unverzüglich 1000 Dols. und einige Waffen gäben, er noch ferner jeden Juden und jede Jüdin, die er außerhalb der Stadt treffen werde, sofort umbringen will, und daß im Falle sein Verlangen nicht gewährt werden sollte, er und seine Spießgesellen in das Quartier der Juden einfallen und die ganze Gemeinde tödten werde. Dieser Hiffa ist derselbe Mann, welcher den österreichischen Dolmetscher (einen Juden) vor ungefähr einem Jahre umgebracht hat, und erst kürzlich hat dieser Mörder zwei arme Juden, welche Gemüse für die Stadt kaufen wollten, getödtet. Die jüdische Gemeinde in Tetuan leidet immer noch von der daselbst herrschenden Cholera und da sie täglich 5 oder 6 Todte zu begraben hat, ist sie genöthigt, maurische Soldaten zu bezahlen, die den Leichenzug beschützen, da sie stets einen Ueberfall von Hiffa zu befürchten hat. Es ist wahrlich ein trauriger Zustand, daß während der Gouverneur, der ein großer Fanatiker ist, den Juden fürs Geld Soldaten zum Schutze bei ihren Leichenbegängniffen mi gibt, er auch nicht die geringste Anstalt trifft, den Räuber zu fangen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß der Gouverneur Geld erhält von Hiffa, damit er ihn nach Belieben hausen lasse. Da Hiffa ein ganz unwissender Mensch aus den Gebirgen ist, so scheint es, daß er von irgend einer Autorität Instructionen für sein Mordgeschäft erhalten hat, indem er noch niemals einen Christen beunruhigte, weil der Gouverneur weiß, daß wenn Hiffa einen Christen tödtet, die Consuln auf die Bestrafung desselben dringen, aber da die Juden keine Consuln haben, so liegt dem Gouverneur wenig an dem Leben derselben.

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