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Der Israelit · 1868-03-25 · Heft 13 (25.3.1868) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
9 (1868)
Issue
Heft 13 (25.3.1868)
Date
1868-03-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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227 Sand in die Augen zu streuen, besonders wenn es den Juden gilt. Ihr geschätztes Blatt brachte unlängst die Nachricht, daß zwei minderjährige Töchter einer armen Wittwe in Friedericia von einem katholischen Pfarrer in ein Kloster gebracht und getauft wurden. Der Einfluß des fanatischen Priesters auf die Mädchen wurde dadurch möglich, daß die unglückliche Frau den Tag über auf dem Lande ist und ihre zahlreichen Kinder unter der Aussicht der älteren Mädchen zurücklassen mußte. Um nun weitere derartige Vorgänge möglichst zu verhindern, wurde ein Söhnchen jener Wittwe in das hiesige, ein zweiter Knabe in das Altonaer jüdische Waisenhaus ausgenommen, ein dritter wurde schon früher in Kopenhagen untergebracht. ' Oesterreichischer Kaiserstaat. Linz. Es dürfte nicht ganz ohne Interesse sein, in diesen geschätzten Müttern auch etwas über die hiesige israel. Gemeinde zu vernehmen. — Bekanntlich durften in Oberösterreich bis zum Jahre 1848 keine Israeliten wohnen; nur 24 Stunden war der Aufenthalt hier gegen Erlag von l fl. C.--M. gestattet. Diese Frist wurde in Marktzeiten auf die Dauer der Messe ausgedehnt. Daß es dabei an Chrkancn und Verfolgungen nicht fehlte, lehrt die Geschichte. Seit diesem denkwürdigen Jahre, von welchem das Gesetz der Freizügkeit datirt, haben einzelne israel. Familien sich hier angesiedelt, welche nun bis auf 70 bis 80 angewachsen sind und der Einrichtung der kultuellen Institutionen und der Ausübung des Cultus bedeutende Geldopfer bringen. Im Jahre 1866 bewilligte das h. Staatsministerium die Constituirung einer Cultusgemeinde (Genossenschaft) und genehmigte die Statuten derselben. Mit der neuen Aera in Oesterreich, d. i. mit der a. h. Sanction der Staatsgrundgesetze fiel auch die letzte Schranke inOberösterreich und den Alpenländern, und dürfen die Juden nun auch Haus- und Grundbesitz erwerben. Es wäre nur zu wünschen, daß von diesem Rechte bald Gebrauch gemacht würde und auch bedeutende Finanzcapacitäten in hiesiger Gemeinde sich besetzten, um die Last der Auslagen mittragen zu helfen und so der Gemeinde mehr Aufschwung zu verleihen, welche — zu ihrer Ehre sei es gesagt — eine wahrhaft friedliche, religiöse, opsersähige und opferwillige genannt werden kann. Schon vor Beginn der neuen Aera (1866) wurde ein Israelit, Herr Ferdinand Wertheimer, Großgrundbesitzer in Oberösterreich (der vor dem Verbote des Grundbesitz-Ankaufes Eigenthümer eines großen Gutes wurde) als Abgeordneter in den oberösterr. Landtag gewählt, ein Mann, der wegen seiner hervorragender Bildung, seiner strengen Moralität und namentlich wegen seines steten Strebens nach „Kchdufch haschem" in allgemeiner, hoher Achtung steht und diese Auszeichnung durch seine agrarischen und volkswirthsschaftlichen Kenntnisse und durch seine Thätigkeit verdient. — Wmn Sie erlauben, *) will ich Ihnen nächsten-: MehrereS von hier berichten. Stern. Aus Kremster. 10. März, wird berichtet: Ein gestern während des Vormarktes versuchter Raubmord erregte die Gemüther der Bevölkerung in hohem Grade. Die hierortige Israelitin Grünfeld begab sich ungefähr in der dritten Nachmittagsftunde aus der Verkaufsbude in ihre Wohnung, um daselbst etwas zu holen. Die zurückgebliebene Tochter, die deren Rückkehr nicht erwarten konnte, ging gegen 4 Uhr ihrer Mutter nach in die Wohnung. Doch welcher Anblick, als sie nach Oeffnen der Zimmerthür dieselbe im Blute schwimmend ans der Erde dahingestreckt vorfand! Der Thäter hat derselben 7 Wundm am Kopse> wahrscheinlich mit einem Beile, beigebracht, und sie ihrer Baarschaft aus der Rocktasche beraubt. Die übrige Baarschaft hatte sie an der Brust verwahrt, wo sie der Thäter nicht gefunden hatte. Zwar lebend, doch ganz regungslos, konnte sie keine Äuskunft über dieses Verbrechen geben. Ungeachtet sogleich eingeleiteter gerichtlicher Nachforschungen ist man dem Thäter nicht auf der Spur. An dem Aufkommen der Unglücklichen wird gezweifelt. Aus Krrrrrster, 14. März, wird berichtet: Die Israelitin Grünfeld, an der am 9. d. M. von einem bis heute noch unbekannten Thäter ein Raubmord verübt wurde, ist ihren Wunden erlegen und wurde gestern unter zahlreicher Theilnahme der Bevölkerung zur Erde bestattet. Holland. Amsterdam Herr A. C. Wertheim. Consul von Sachsen - Coburg - Gotha zu Amsterdam, der schon früher den sächsischen Ernst-Orden 2. Classe erhalten hat, ist vor Kurzem auch mit der 1. Classe dieses Ordens decorirt worden. (N. Weekblad.) Frankreich. Paris. Das Bulletin der „Alliance isr. univ." vom zweiten Semester 1867 ist dieser Tage uns zugekommen. Wir haben bereits die meisten Nachrichten, die dasselbe enthält, unseren geehrten Lesern im Laufe des vergangenen halben Jahres mitgetheilt; wir verfehlen jedoch nicht, im Nachstehenden noch Einzelnes aus demselben nachzutragen. *) Sehr gern. Red.

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