Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 9 (1868)
- Issue
- Heft 13 (25.3.1868)
- Date
- 1868-03-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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223 „Sonsulatssecretär" wiedergegeben; ich habe aber darunter den ConsulatSdolmetscher Daud el Kur di verstanden, welchem der General-Consul Weber zu Beyrut am 1. Januar die Führung der Consulargeschäfte während der Abwesenheit des Confuls übertragen hatte. Der Consulatssecretär, Herr F. GLron, ist bei der ganzen Angelegenheit unbetheiligt. Ferner habe ich noch einen übrigens durchaus unwesentlichen Umstand zu berichtigen. Als Sarah Steinberg das Hospital verließ, kehrte sie nicht — wie es in meinem in Nr. 7 abgedruckten Briefe heißt — zu Nabbi Arjeh Markus zurück, sondern derselbe hatte für einen Aufenthalt des Mädchens bei einer jüdischen Frau gesorgt, welche das Kind aus dem Hospitale abholte. Genehmigen Sie die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung Ihres ergebenen Joseph Riwlin (nicht Ryblin), Secretär der isr. Gemeinde zu Jerusalem. Jerusalem, den 2. März. Geehrter Herr Redacteur! In Nr. 7. Ihres geschätzten Blattes findet sich ein die Angelegenheit der Sarah Steinberg und des Rabbiners Arjeh Marcus besprechender Artikel, welcher mich zu der Erklärung veranlaßt, daß alle darin enthaltenen Mittheilungen, insofern sie den „Consulats-Secretär" b'etreffen, durchaus unwahr sind. Ich habe an dieser beklagenswerthen Sache keinen Antheil, sondern die ganze Verantwortlichkeit dafür liegt auf den Schultern des „Consulats-Dolmetschers Daud el Kurdi, dem die Gerenz der Geschäfte kurz vorher vom General- Consul Weber in Beirut übertragen worden war. Ich ersuche Sie, diese Zeilen als Berichtigung genannter Angaben in Ihr S8l«tt aufzunehmen. Genehmigen Sie, Herr Redacteur, die Versicherung meiner vollen Hochachtung. F. Göron, Secretär des Norddeutschen Bundes-Consulats. Feuilleton. K l v t x e. (Mitgethrtlt von einem Rabbiner.) I. In mancherlei Gestalt naht die Versuchung dem Menschen. Sieben Namen hat, nach der Lehre der Weisen, der Trieb zum Bösen; in unserer so mannigfach bewegten Zeit jedoch könnte man deren wohl mehr denn stebenundsiebenzig zählen. Ich will heute dem Leser eine Geschichte mittheilen, die ich selbst erlebt habe; in ihr tritt eine ganz neue Form der Versuchung zu Tage, wie sie eben unsre Zeit erst möglich gemacht hat. In einer kleinen deutschen Residenzstadt lebt -r ich verändere aus naheliegenden Gründen die Namen — der reiche, angesehene Banquier Adolph Metz. Herr Metz ist nicht allein ein sehr biederer, er ist auch ein sehr gebildeter Mann. Sein Vater hatte ihn zum Studium der Medicin bestimmt; als aber der ältere Sohn, noch in jugendlichem Alter, von einer Nervenkrankheit Plötzlich hinweggerafft wurde, so verließ Adolph die kaum bezogene Universität, um seinen Vater in dessen ausgebreiteten Geschäften zu unterstützen. Um dieselbe Zeit hatte ich — ebenfalls noch sehr jung — meinen Rabbinerposten angetreten. Adolph und ich, wir befreundeten uns sehr bald mit einander. Nur wenige Jahre jünger als ich, fand er in mir den einzigen Glaubensgenossen seiner Vaterstadt, dem eine wissenschaftliche Bildung zu Theil geworden war. Ich darf wohl sagen, daß es mir vergönnt gewesen ist, den wohltätigsten Einstuß auf Adolph zu üben. Er hatte keine streng-religiöse Erziehung genossen; auf dem Gymnasium und auf der Universität hatte er sich mannigfach über gewichtige Vorschriften unserer heiligen Religion hinweggesetzt. Während wir, was häufig geschah, mit einander spazieren gingen, wurden religionsphilosophische Gegenstände auf das Ernstlichste besprochen. Es gelang mir, Adolph von der Wahrheit der Lehren unserer heiligen Religion zu überzeugen und ihm die Wichtigkeit der religiösen Satzungen des Iudenthums darzuthun. Allmählich wurde Adolph ein anderer; er fing an, den jüdischen Gesetzesvorschriften gemäß zu leben; er begann, die Schriften der jüdischen Moralphilosophen zu studiren und wurde bald ein überzeugungsvoller, gesetzestreuer Jude. Diese Grundsätze leiteten ihn auch in der Wahl seiner Gattin; er führte ein edles, jüdisches Weib heim und gründete mit ihr eine gotterfüllte Häuslichkeit. Die Geburt einer Tochter vollendete das Glück der Gatten; die kleine Elvire, ein reichbegabtes, schönes Kind war der Augapfel von Vater und Mutter. Elvire blieb das einzige Kind; die spätergeborenen Knaben und Mädchen starben in zartem Alter. Es war nicht gut für Elvire, daß sie keinen Bruder hatte; ihr Vater ließ sie zu Vieles lernen. Als das Mädchen heranwuchs, spielte es mit Leichtigkeit Beethovensche Sonate, las es mit seinem Vater zusammen nicht blos Corneille und Shakespeare, sondern auch Calderon und Dante in der Ursprache. Oft warnte ich meinen Freund; aber er lachte mich aus; das Kind lernte mit solcher Leichtigkeit, daß es wirklich Unrecht schien, wenn man es nicht eben Alles lernen ließ, waö man überhaupt in der kleinen Residenz erlernen konnte.